253
DEUTSCHE KUNST.
als auf die beste und zuverläfsigste Quelle, öfter verweisen werden. Dergastfreie Besitzer hat sie mit grofser Humanität Jedem zugänglich gemacht,und so lange sie noch in Rom ist, wird kein Fremder, wenigstens keinDeutscher, gern versäumen, sie zu besuchen.
Wir wollen es nun unternehmen, nach der angegebenen Eintheilung diebedeutendsten Erscheinungen im Gebiete der neuen Deutschen Kunst inRom, dem Leser vor die Seele zu führen.
BESTE PERIODE.
ASMUS JAKOB CARSTENS,geboren 1754, gestorben am 25. Mai 1798.
Es ist ein schmerzlich süfser Beruf des Geschichtschreibers, dem Ver-dienste die Krone aufzusetzen, nachdem der, den es im Leben geschmückt,bereits unter den drückenderen Lasten erlegen; und der Dienst, den erdamit dem Abgeschiedenen erweist, sichert ihm den Dank der nachfolgen-den Geschlechter. Carstens hat in seinem Freunde Fernow den einsichts-vollen, warmen und wahrhaftigen Vertreter seines Ruhmes gefunden, undder von diesem nach des Künstlers Tode erschienenen Lebensbeschreibungdesselben entlehnen wir um so lieber die nachfolgenden Angaben über ihn,als die darin ausgesprochenen Kunstansichten grofsentheils der klare undbestimmte Ausdruck unsrer Überzeugungen sind.
Das äufsere Leben von Carstens ist eine Reihe von Drang- und Trüb-salen, eine Kette von Leiden, die seinen Geist, so oft er sie gesprengt,von neuem fefseln; ein Stachelgürtel, der ihn ununterbrochen wach halten