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zu wollen schien, der aber doch zuletzt ihn wund- und alle physischenKräfte aufrieb. Sein inneres Leben erschliefst uns den hohen Werth einerreinen Menschennatur, den Reichthum des Genies, die Unantastbarkeit desursprünglichen Talents, die Seligkeit des Künstlers. Nur das Hauptsäch-lichste sei hier mitgetheilt; genauere Nachweisung findet der Leser in demoben angeführten Buche: »Leben des Künstlers Asmus Jakob Carstens«,ein Beitrag zur Kunstgeschichte des 18ten Jahrhunderts von Karl LudwigFernow, Leipzig 1806.
Eines Müllers Sohn zu St. Gürgen, einem Dorfe bei Schleswig, wurdeCarstens als Knabe in die genannte nahe Stadt zur Schule geschickt, ander er indess weniger Gefallen fand, als an den Bildern der Domkirche,in die er gewöhnlich Mittags ging, sein ärmliches Mahl zu verzehren.Dort vor den Bildern von Jurian Ovens entstand ihm der Wunsch, einKünstler zu werden, und all sein Sinnen und Trachten war auf diesesZiel gerichtet, so dafs er in der Schule in allen Dingen hinter seinen Mit-schülern zurückblieb. Der Mutter Tod, die ganz besonders auf die Phanta-sie und das Gemüth des Knaben gewirkt, und auf seine Neigung zur Kunsteingegangen, verhinderte die Übereinkunft mit einem Maler, zu dem As-mus in die Lehre kommen sollte, und die gestrengen Vormünder verur-teilten ihn zum Weinhandel. Fünf Jahre lang trug der Genius das auf-gelegte Joch; noch lag die ganze Kunstwelt nur wie eine geahnte in un-durchsichtiger Ferne vor ihm; noch kannte er nichts Höheres, als JurianOvens, als er zufällig bei einer Geschäftsreise in Kiel ein Buch in dieHände bekam, in dem (für ihn zum ersten Male) die Namen Rafael undMichel-Angelo und deren Werke genannt waren. Nun war es ihm unmög-lich, in der bisherigen Lage ferner zu verharren; er fand sich mit seinemPrinzipal ab, ging nach Kopenhagen, und widmete sich (er war bereits 22Jahr alt) der Kunst.
Von allem, was er dort sah, wirkte nichts mit so entschiedener Gewaltund Anziehungskraft auf seinen Geist, als die Abgüfse der Antiken, die