Druckschrift 
3 (1841) Berlin, Dresden, Hamburg, Mecklenburg, Weimar, Halberstadt und Göttingen : mit einem Anhange: Ausflüge nach Holland, Belgien, England, Schweiz, Polen, Russland, Schweden, Dänemark und Nord-Amerika
Entstehung
Seite
50
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

50

£0v*^

BERLIN.

alle vierzehn Tage bei ihr stattfinden. Hier vereinigen sich die gröstenTalente, um, unter ihrer Leitung und Begleitung, Stücke von ihrem BruderMendelssohn, von Bach, Beethoven, Haydn, Gluck U.A. auszuführen.

Das bedeutendste Werk des Professors Hensel hat der König von ihmgekauft; es ist sein Christus vor Pilatus, und besteht aus vielen lebens-grofsen Figuren. Dieses Gemälde ist in der Garnisonkirche sehr vortheil-haft aufgestellt und hängt in sehr günstiger Beleuchtung. Das Colorit istkräftig, die Anordnung schön: aber einige Figuren schaden der Gesammt-wirkung; zu diesen mufs ich nothwendig Pilatus, und vornämlich St. Jo-hannes zählen, dessen gezwungene Stellung jedesmal auf mich einen unan-genehmen Eindruck macht. Ohne diese Figur würde die Arbeit unendlichgewinnen. Welchen Eindruck aber dieses Gemälde auf den Beschauer ma-chen möge, so kann man doch unmöglich verkennen, dafs es mannigfaltigeVerdienste in sich vereinigt; es ist vortrefflich in Zeichnung, Farbe, undAusdruck der Gesichtszüge; jedenfalls bleibt es ein bedeutendes Werk. Eswar im Jahre 1834 auf der Ausstellung.

Auf der Ausstellung des Jahres 1836 sah man von Hensel ein Rundge-mälde: die Prophetin Mirjam führt nach dem Durchgange durch das RotheMeer den Reigen der Weiber Israels. Jetzt arbeitet er an einem Christusin der Wüste, von kolossaler Gröfse.

Seine Zeichenbücher verdienen die Aufmerksamkeit aller Kenner, undkeiner wird sie ohne Vergnügen beschauen. Sie enthalten eine Reihe vonBildnissen in Bleistiftzeichnungen von bewunderungswürdiger Anmuth undLeichtigkeit, voller Leben und Ausdruck. Die Zahl der Bildnisse darin be-lauft sich bereits auf mehr denn vierhundert, und eine noch viel gröfsereAnzahl ist durch alle Länder zerstreut.

Seit 1831 hat Hensel seine Werkstatt für junge Leute eröffnet, die vonihm zu lernen wünschen; er betrachtet sie als Glieder seiner Familie; seineBelehrungen und Rathschläge erstrecken sich auf die Kunst zugleich undauf das gesellschaftliche Leben dieser Jünglinge. Zwei seiner Schüler,