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WIEN.
Prinz Eugen, günstig für die Kunst zu wirken begonnen: aber die Künstler,die sie beschäftigten, wie Altomonte, Bredael, Carlone, Chiarini, Fanti,Francia, Solimena u. a., waren aus dem Auslande herbeigezogen, und diedamals entstehenden Kunstschöpfungen überhaupt nicht geeignet, auf denGeschmack im Allgemeinen einzuwirken und Sinn und Liebe zur Kunst zuerregen. Der erste Versuch, die Kunst in Wien heimisch zu machen, ge-schah im Jahre 1704 unter Kaiser Leopold I. durch Gründung der k. k.Akademie, an deren Bestand und Wachsthum auch fortan besonders dasGeschick der historischen Kunst gebunden blieb. Von da an beginnt dieKunst in Wien auch ihre Geschichte.
Recht wohl ist es unter solchen Umständen begreiflich, dafs dieses da-mals noch junge Kunstinstitut, obgleich unter des berühmten Historienma-lers Peter Freiherr von Strudels Directorat gestellt, nur erst allmälig seineKräfte entwickeln konnte. Als aber nach Strudels Tode sein NachfolgerJakob van Schuppen dieser Kunstschule einen neuen Aufschwung gab, bil-deten sich im Historienfache Künstler, wie Daniel Gran, Paul Troger, Un-terberger, Janneck, Hännel, welche an den unter Karl VI. entstehendengrofsartigen Bauwerken aller Art vielfältig Gelegenheit fanden, sich auszu-zeichnen. Nach Van Schuppens Tode jedoch, im Jahre 1751, blieb dieAkademie 9 Jahre ohne Führer, und da auch die um die eigene Existenzlange kämpfende Maria Theresia den Künsten nicht die gewünschte Unter-stützung angedeihen lafsen konnte, so sank unter dem nachherigen Directo-rate des Porträtmalers Martin Meytens die Akademie und die Kunst über-haupt um so tiefer, als die älteren theils gestorbenen, theils unthätig ge-wordenen Meister keine Schüler hinterliefsen, und im Allgemeinen das ganzeKunststreben, bei dem allmälig eintretenden Umschwünge der Ideen durchRafael Mengs, eine andere Richtung nahm. Der bisherige Charakter derhistorischen Kunst: Sucht nach Effect durch grandiose, stark bewegteComposition, Kenntnis der Optik und Perspective, Anwendung des Nack-ten, harmoniöse Farbenmischung, in grofsen Massen idealisierte Drapperien,