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KARLSRUHE.
Nach Weinbrenners Tode lag das Feld der Architektur hier gleichsambrach. Seine Schule zerstreute sich gröstentheils, und die zurückgebliebe-nen Schüler hatten entweder keine productive Kraft, oder fanden es be-quem, in ihres Lehrers Weise fortzubauen.
Mit der Herberufung als Residenz-Baumeister des früher in Frankfurtam Main als Professor am Städelschen Institut angestellt gewesenen jetzi-gen Oberbauraths
H. HÜBSCH, gebürtig aus Weinheim, kam ein neues Leben in die hie-sige Architektur. Manch harten Kampf mag es ihm gekostet haben, umseiner befsern Erkenntnis Eingang zu verschaffen, da er einen vom Wein-brennerschen so durchaus verschiedenen Weg geht. Jetzt ist sein Ruf be-gründet durch Werke, die seinen Namen eine geschichtliche Dauer verbür-gen, worunter als Hauptgebäude in Karlsruhe selbst, das Finanz - Ministe-rium und die polytechnische Schule zu nennen sind. In Mannheim bauteer das Lagerhaus, in Heidelberg das botanische Gartenhaus. Auch mancheschöne Kirche verdankt ihm Baden, z. B. in Bulach eine sehr bewunderte,und in Zaisenhausen. In Freiburg ist ihm der, einen so durchgebildetenTechniker erfordernde, aber für solch productiven Künstler vielleicht nichtsehr anziehende Auftrag geworden, eine im sogenannten ByzantinischenStyl erbaute, baufällig gewordene Kirche an einer andern Stelle in ihrervorigen Gestalt wieder aufzubauen. Unser Grofsherzog hat ihm den Bauder im Eingang erwähnten neuen Gemälde - Galerie übertragen; soweit einLaie nach einer Zeichnung urtheilen kann, darf das Land sich Glück wün-schen, einen so wichtigen Auftrag in Händen zu sehen, die ihm so ganzgewachsen sind. Hübsch zeigt in allen seinen Werken ein ernstes und er-folgreiches Streben nach Einfachheit und Reinheit, nach Styl. Dieses hoheStreben hat denn auch die mehrsten der Weinbrennerschen Schüler entweder
materialisiert die Gottheit, das Christentimm vergeistigt die Materie." Dieser Gedanke scheintmir eben so schön, als richtig, und wohl ausgedrückt in diesem Kapitel. (Anmerkung desVerfafsers dieses Buches.)