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2 (1840) München, Stuttgart, Nürnberg, Augsburg, Karlsruhe, Prag und Wien : mit einem Anhange: Ausflug nach Italien
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KARLSRUHE.

eine Kirche kaum von einem Theater unterscheiden kann. Es giebt füruns kaum etwas Sinnloseres, als die unbedingte Nachahmung der Antikebei Christlichen Kunstwerken. Jede antike Kunst hat den Zweck, und er-reicht ihn vollkommen, das Verkörpern des Göttlichen, das Herabziehen undFestbannen desselben an die Erde, wie dies auch der Inhalt der Mytholo-gie verlangt, auszusprechen (daher das Breite, Massige der Verhältnisse):wogegen die Christlichen Künste die Aufgabe haben, die Vergeistigung, dasHimmelanstreben, die Erlösung des Irdischen zu predigen, wie es unserEvangelium verkündigt; daher das Schlanke, leicht und frei Emporstre-bende, was die mittelalterlichen Kunstwerke so oft haben, für uns diesemZwecke so durchaus entsprechend erscheint * Wir halten den dort ein-geschlagenen Weg für den besten, um einen gänzlichen Sieg des Geistigenüber das Material zu erreichen, ohne in Abrede stellen zu wollen, dafsvielleicht eine Vereinfachung der Mittel möglich und nöthig sei **.

und äufserliclie (geistige und körperliche) Gestaltung eines Kunstwerkes." Styl, mit Zusatz,als:einen, seinen, schlechten," bedeutet uns Art und Weise. (Anmerkung des Verfafsersdieses Kapitels.)

Wir haben schon mehrmals gesagt, welchen Sinn wir dem WorteStyl" beilegen, wennes ohne Beisatz gebraucht wird, und wir können unsere Definition zu Gunsten der vorstehen-den Anmerkung nicht aufgeben; demnach bedankt uns, dafs man zum Beispiel beim Anblickeines Gemäldes, welches einen schmutzigen Pfuhl vorstellt, darin Schweine wühlen, sich nim-mer versucht fühlen würde, Styl darin zu entdecken, wie sehr auch die innere und äufscre,die geistige und leibliche Gestaltung darin dem Gegenstände entsprechen mag. In der berühm-ten Kuh von Pottcr ist Eigenthümlichkeit, jedoch, meiner Meinung nach, kein Styl. Die Bet-telbuben Murillo's, die Bambocciadcn von Ostade und Bega haben Eigenthümlichkeit, einendem Gegenstande eigenen Ausdruck, aber keinesweges Styl. Was der Verfafscr dieses Ka-pitels unterStyl" versteht, würde ich lieber durchEigenthümlichkeit" ausdrücken, und ichbeharre bei der Meinung, dafs das Wort Styl allgemeiner bei den Künstlern in dem Sinnegebraucht wird, welchen ich ihm an mehreren Stellen dieses Werkes beigelegt habe. Mansehe Band I., Kapitel V. (S. 207.), oder den Ausflug nach Paris (S. 339.).

* Ich möchte die Gothischcn Formen unserer Kirchen viel mehr dem Stoffe zuschreiben,aus welchem sie ursprünglich erbaut wurden, den Tannen unserer Wälder; die Spitzdächerdem Schnee, und die hohen Thürme dem Gebrauche der Glocken zur Versammlung der Gläu-bigen: je höher die Glockentürme sind, je weiter werden die Glocken gehört. (Anmerkungues Verfafsers dieses Buches.)

** Der Gedanke des Verfafsers dieses Kapitels geht also darauf hinaus:das Heidcnthum