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MÜNCHEN.
Schlotthauer machte den Christuskopf in der Gröfse des Urbildes, seineSchüler machten ebenso, unter seiner Leitung, die übrigen Köpfe. BeimAnblicke dieser Nachbildungen mufs man eingestehen, dafs die Arbeit kei-nes weges überflüfsig war; vor allen wird man nicht verkennen, dafs RafaelMorghen in seinem berühmten Kupferstiche sich von dem Urbilde entfernthat, vieles nur gerathen und befser machen gewollt hat; es ist auch mög-lich, dafs er nach einer Kopie gearbeitet hat, welche vormals in Paviawar, sich gegenwärtig aber in England befindet. Unter diesen anziehendenneusten Nachbildungen ist es vor allen der Christuskopf, welcher das Ge-präge des Eifers und des Sinnes an sich trägt, welche Schlotthauer aufdiese Arbeit verwendet hat. Fräulein Linder möchte nunmehr das ganzeGemälde nach diesen Vorarbeiten und in derselben Gröfse wiederholt se-hen: eine solche Arbeit ist zu wichtig, um nicht befürchten zu lafsen, dafsihre Ausführung auf Schwierigkeiten stofse. Die Absicht ist, das alte Ge-mälde nach diesen neusten Studien und nach Lenardo's Cartons, die sichin London befinden, zu wiederholen.
Schlotthauer hat chemische Kenntnisse, von welchen er bei den Farbenglückliche Anwendung gemacht, und die ihm dazu gedient haben, die Mi-schung derselben zu verbefsern. Er hat sich auch viel mit Mechanik be-schäftigt, und diese Neigung ist ebenfalls den Künsten zu Gute gekommen.Man kann von ihm sagen, dafs er die Seele der Münchener Kunstakademie,der Vater der Zöglinge, der Freund aller Professoren ist. Cornelius schenktihm das gröste Vertrauen. Schlotthauer ist der Leiter, welcher der Akade-mie so manche elektrische Funken zuführt, die der glühenden Einbildungs-kraft des Cornelius entsprühen. Alle gute Beispiele werden von ihm sorg-fältig aufgenommen, und durch seine Vermittelung werden sie den jungenLeuten förderlich. — Inmitten der Parteien, welche sich unter den Malernzu München gebildet haben, ist Schlotthauer vielleicht der einzige, dendiese Uneinigkeiten nicht berühren: er ist von allen Künstlern, zu welcherFahne sie immer gehören mögen, geliebt und geachtet.