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2 (1840) München, Stuttgart, Nürnberg, Augsburg, Karlsruhe, Prag und Wien : mit einem Anhange: Ausflug nach Italien
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GESCHICHTSMALER.

ist. Die gewaltsamen Darstellungen in Kaulbachs Werken belästigen we-der, noch verletzen sie, denn sie kosten ihm keine Anstrengung. Lessingist glücklicher in solchen Gegenständen, welche eine tiefe innere Bewegungausdrücken; er scheint Anstrengungen zu machen, wenn er Leidenschaftenund gewaltsame Gebärden und Bewegungen malt; Kaulbach spielt mit demKräftigen und Grofsen, und seine Darstellungen wachsen ins Unermefslichedurch die Gewalt seines Genie's. In solchen Gegenständen, die Stille,Ruhe, Nachsinnen, Trauer darstellen, finde ich Lessingen viel wahrer, vielausdrucksvoller. Weder der eine, noch der andere entlehnt von irgend je-mand seine Eingebungen; beide haben ein unendlich mannigfaltiges Talent,und gleichwohl herrscht in allen noch so verschiedenen Gegenständen, diesie behandeln, der eigenthümliche Geist eines jeden. Kaulbach ist grofsar-tiger und stärker; Lessing ist empfindsamer, inniger; jener beschwingt mäch-tig die Einbildungskraft, dieser erregt das tiefste Innere. Beide Talentegleichen sich nicht: gleichwohl denke ich vor Kaulbachs Werken häufig anLessing, und wenn ich von diesem zu jenem rede, hört er mich mitVergnügen und Theilnehmung. Es besteht keine Eifersucht zwischen die-sen beiden Künstlern, und es machte bei der Bestellung der HunnenschlachtKaulbach das gröste Vergnügen, als er vernahm, dafs sie einem WerkeLessings gegenüber aufgestellt werden sollte; und diese Stelle ist ihr wirk-lich bestimmt.

Kaulbach ist argwöhnisch, empfindlich, er ist nicht frei von Stolz; erist leidenschaftlich, ruhmbegierig. In seinem Gemüthe, oder vielleicht nurin seinem Talente, glaubt man etwas durchschimmern zu sehen, das einigeÄhnlichkeit mit Byron verräth. Jeder Zaum ist ihm unleidlich. Er hatjene Art von Unabhängigkeit, welche der Herrschbegierde nahe steht, under bekennt es: er ist nur ausnahmsweise vertraulich. Seine Neigung ziehtihn zu Meinungen hin, welche seine Vernunft verwirft; indessen kümmerter sich überhaupt wenig um Meinungen, die seiner Kunst fremde sind: esist bei ihm dunkler Trieb; es ist Wirkung seines leidenschaftlichen Gemüths.

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