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GESCHICHTSMALER.
Er hat die glühendste Einbildungskraft, die noch glühender als sie frucht-bar ist, obgleich man nicht sagen kann, dafs sie nicht zu gleicher Zeitauch sehr reich an Hervorbringungen sei.
Ein kurzer Abrifs der Geschichte seines Lebens,, seiner Künstlerlaufbahnund seiner Arbeiten werden ihn befser kennen lehren, als ein Bildnis: in-dessen wird dieses vielleicht daraus hervortreten.
Wilhelm Kaulbach ist zu Arolsen im Fürstenthum Waldeck, in den er-sten Jahren des neunzehnten Jahrhunderts geboren; er zählt kaum drei unddreifsig Jahre. Seine Gestalt hat einige Ähnlichkeit mit Lessing. Gern ver-eine ich diese beiden Männer in meinen Gedanken. Kaulbach ist nicht sogrofs, wie Lessing; er hat wenig Haare und ist braun. Er kann wohlfreundlich aussehen, aber häufiger erscheint er zerstreut und in Nachden-ken versunken, und oft sogar trübsinnig, während Lessing träumerisch,schüchtern und manchmal schweigsam ist.
Kaulbachs Vater liebt die Kunst leidenschaftlich; er war Schulgenofsedes Bildhauers Rauch, der aus derselben Stadt gebürtig ist, und beide ha-ben zusammen zeichnen gelernt. Als Goldschmid, und später als Stempel-schneider, hat er sich eine ungemeine Geschicklichkeit erworben; aber seinerege Einbildungskraft, eine gewisse Geistes - und Gemüthsunruhe haben ihnöfter dahin getrieben, sich in mancherlei Dingen zu versuchen, unter an-dern auch in der Malerei, und dieser Wechsel, diese Versuche haben nicht
dazu beigetragen, seine Lage zu verbefsern.....sie haben ihm Misge-
schick zugezogen.
Von seinen acht Kindern leben noch viere. Wilhelm Kaulbachs viel jün-gerer Bruder, als Bildhauer nicht ohne Verdienst, wohnt auch zu München,und beide haben noch zwei Schwestern.
Die Gemälde des Vaters waren keine bedeutende Werke, gleichwohl mach-ten sie auf Wilhelm Kaulbach einen tiefen Eindruck, und noch gegenwär-tig sind diese Bilder so deutlich seinem Gedächtnisse eingegraben, als wennsie von Rafael wären. Dies waren seine ersten Eindrücke, und sie musten