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2 (1840) München, Stuttgart, Nürnberg, Augsburg, Karlsruhe, Prag und Wien : mit einem Anhange: Ausflug nach Italien
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DIE MÜNCHENER SCHULE

und Logik: aber man müste Bände voll schreiben, um die Anwendung die-ses Grundsatzes zu bestimmen. Was mich betrifft, so bekenne ich, dafsich ein solches Bedürfnis beim ersten Anblick eines Kunstwerkes nichtempfinde. Bei jedem Menschen, dem das Gefühl des Schönen und die Liebeder Kunst inwohnt, geht die Erregung stets der Überlegung voran. Undwenn jemand beim ersten Anblick eines Gemäldes sogleich an die Ausein-andersetzung desselben gebt, so kann man sicher sein, dafs er nicht mitdem innigen Gefühle begabt ist, welches zur Auffafsung der Kunst führt,oder dafs der Gegenstand, welchen er betrachtet, nichtssagend ist. Später,wenn dieses innige Gefühl gesprochen hat, begreife ich wohl, dafs manauch wifsen will, ob der Gegenstand gut behandelt ist, und diese Beurthei-lung ist nicht gleichgültig; sie wird aber einem Menschen von Geschmackniemals als das Wichtigste erscheinen, und vor allen wird der erste Ein-druck ihn nimmer nach dieser Seite hinlenken.

Ich war gegenwärtig, als Cornelius, nach seiner Heimkehr aus Italienim Jahre 1835, zum ersten Male bei Kaulbach den Carton der Hunnen-schlacht sah. Er betrachtete schweigend dieses Gemälde, und erkannte denWerth desselben, bevor er noch den Gedanken gefafst hatte, welcher indiesem Werke herrscht. Er bemächtigte sich alsbald der Bedeutung desGegenstandes, und sagte dann: »nun begreife ich;« aber er hatte die ganzeDarstellung und den Ausdruck der einzelnen Gestalten schön gefanden, be-vor er nach dem Gegenstande gefragt hatte. Freilich ist dieses Gemäldevielleicht eins von denjenigen, worin der Gedanke des Urhebers auf dietreffendste Weise ausgedrückt ist. Es verhält sich in dieser Hinsicht mitder Malerei, wie mit der Musik. Ich habe nicht nöthig, und ich glaube,dafs kein mit Kuiistgefühl begabter Mensch es nöthig hat, die Worte einesGesanges zu verstehen, um zu wifsen, ob die Melodie dazu schön ist, undich für mein Theil will lieber niemals wifsen, was ein Sänger auf der Bühnesingt, als ihn ein einziges Mal mit dem Textbuche in der Hand hören.Beim Anblicke der Nibelungen, zum Beispiel, habe ich diese augenblickliche