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MÜNCHEN.
EINLEITUNG.
Mit einem Heere, wie seit dem grofsen Soliman keins mein- ins Feld gerückt war, erschiender Grofsvessir Kara Mustapha im Juli 1683 vor Wien. Das Österreichische Heer erlitt beiHaimburg eine Niederlage durch die Türkische Reiterei. Mit Mühe sammelte der brave Ober-feldherr Herzog Karl von Lothringen die dünnen Haufen, und führte sie durch Wien auf daslinke Donauufer. Wenig fehlte, und die ganze kaiserliche Familie ward von den TürkischenReitern gefangen. Wien war auf eine Belagerung unvorbereitet, die Türkische Macht unge-heuer. Nur der abenteuerliche Gedanke Kara Mustapha's, Wien zur Hauptstadt des neuenOsmanischen Westreiches zu erheben, rettete es vor Plünderung und Zerstörung.
Da stellte der 19jährige Kurfürst Max Emanuel, Ferdinand Maria's Nachfolger, dem KaiserLeopold, der ihn auf einer Wallfahrt nach Alten-Ötting durch ein köstliches Schwert zumRitter gegen die Feinde der Heiligen Jungfrau und des Hauses Osterreich geweiht hatte, als-bald eine Hülfsschaar von 10,000 Baiern ins Lager bei Schwabing. Mit Ende Juli standen12,600 Mann in Vilshofen zur Einschiffung bereit.
Fränkische und Schwäbische Kreistruppen hatten sich angeschlofsen. So fuhren Alle freudigdie Donau hinab. In Krems fand Max den Kurfürsten von Sachsen mit den übrigen Franken.Sein Oheim, der Herzog von Lothringen, ritt ihm hieher entgegen und führte ihn nach Tulu,zum Könige von Polen, Johann Sobicski. Ein Zettel des Befehlshabers Grafen Starhembergunterrichtete den Kaiser Leopold, dafs Wien ohne die schleunigste Hülfe verloren sei.
In der Leopoldskapelle auf dem Lcopoldsberge hielten sie am Morgen vor der Schlacht ihreAndacht, und weihten sich zu Streitern Christi. Johannes Sobieski schlug seinen Sohn feier-lich zum Ritter. In seinem Heere befanden sich Jablonowski, Leszczynski, Sapieha, Potocki,Zamoyski, Radziwill, Lubomirski, deren Thaten die Geschichte neben denen des glorreichenPolnischen Königs am meisten hervorhebt.
In drei Treffen fochten die Baiern mit rühmlichster Tapferkeit. Die Türken wurden zumRückzuge gezwungen. Gegen 168,000 Türken hatten gestritten: 27,000 Österreicher, 26,600Polen, 12,600 Baiern, 11,400 Sachsen, 8,400 Schwäbische und Fränkische Kreistruppen, zu-sammen 86,000 Mann.
Kaiser Leopold gab aus Dankbarkeit dem Max seine Licblingslochtcr, die Erzherzogin An-tonie, zur Gattin. Ihre Hand verhiefs ihm den nahen Besitz der Niederlande mit der Aussichtauf dereinstige Nachfolge in den Spanischen Reichen (15. Juli 1685).
Schon in dem glorreichen Feldzuge von 1687 in Ungarn hatte Max Emanuel den Titel einesGeneralissimus geführt: nicht ohne Eifersucht zwischen ihm und dem Herzog von Lothringen.Diese Eifersucht gebar die schnelle Eroberung Belgrads.
Belgrad, einst schon Römische Hafen- und Lagerstadt, dann die Vormauer des Ungarischenund auf kurze Zeit des Griechischen Reiches (daher Griechisch-Weifscnburg verdeutschet),ist berühmt durch den Namen und durch das Blut so vieler Helden, Brankowich, Orszag,Capistran, Hunniady, Kinisy, Bathori.
Im Sturme von Ofen zerrifsen die Kugeln Max Emanuels Rock, bei Mohats seinen Hut undFederbusch, im Belgrader Sturm ward er selber zwiefach verwundet.
Am 26. August 1688 begann die Beschiefsung Belgrads. Keine Nacht wich der Kurfürstaus den Laufgräben; ihm standen würdig zur Seite der Herzog von Mantua, die Prinzen vonNeuburg, August Leopold von Veldenz, Ludwig von Baden, der nachmals so berühmte GuidoStarhemberg u. A.
Bei dem Ersteigen einer zwiefachen Bresche, wo die Übermacht der Türken zu grofs war,