Druckschrift 
2 (1840) München, Stuttgart, Nürnberg, Augsburg, Karlsruhe, Prag und Wien : mit einem Anhange: Ausflug nach Italien
Entstehung
Seite
77
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

77

WANDGEMÄLDE IN DEN ARKADEN.

ken, durch die Gewalt des Stromes an die Brücke heruntergetragen, sollten diese wie vonungefähr zertrümmern. Aber Friedrich übersetzte den angeschwollenen Strom einige Stundenfrüher, als die Welschen vermeinten, und die Brücke stürzte erst unter ihnen selber ein, alssie den Deutschen auf den Fersen nacheilten.

Alle Gefahr war aber nicht vorüber. Der Pfad längs der Etsch war beschwerlich undschmal, zwischen schroffen Wänden und zwischen dem Flufs eingeengt, und bot dem zahl-reichen Heereszuge viel Schwierigkeiten. Plötzlich sahen sich die Deutschen vor der drohen-den Berner Klause. Die Felsen traten da so weit hervor, dafs beinahe nur Mann für Mannvorbeizugehen vermochte. Die Klause selber war stark besetzt.

Die Spitze des Vortrabs drang zwar in den Pafs ein. Hier fielen jedoch Bäume und Steinein Menge herab, und machten den schmalen Pfad vollends unwegsam. Schadenfroh fordertenun der Feind, der Kaiser solle für seine Befreiung ein schweres Lösegeld zahlen, die Deut-schen aber insgesammt Harnische und Pferde abgeben. Der Kaiser weigerte sich, solches zuthun, und blieb guten Muths. Otto ward der Retter aus der Noth.

Er eilte mit 200 leicht bewaffneten Jünglingen auf weiten Umwegen an die hintere Wandeines die Klause überragenden Felsens. Diese Wand zu erklimmen, war die schwierigsteAufgabe. Einer stellte sich auf des Andern Schultern. Es wurden Stufen eingehauen, unddas hin und wieder vorkommende Strauchwerk und Moos von den Klimmern benutzt; Allesin gröster Stille, während das Heer sich etwas von der Klause zurückgezogen und das Ge-päck abgelegt hatte. Plötzlich erscheint hoch auf dem Gipfel der Reichsadler über der Klause,und aus der Tiefe antwortet Freudenruf; von rückwärts dringt Otto in die Klause, wo dieFrevler theils getödtet, theils in den Abgrund gestürzt werden. Nur eilf der Edelsten brachteer gefangen dem Barbarossa; der Strang war ihr Lohn.

In der nächsten Nacht wurde Trient erreicht, und über Botzen und Brixen zog das Heerin die Heimat. Der jugendliche Held Otto aber eilte nach Ensdorf, an die Gruft des vorwenigen Wochen (4. August) verstorbenen Vaters, und zu der trauernden Mutter Helika vonLengenfeld.

Otto's That an der Berner Klause erwarb ihm Heldenruhm. Doch der Lohn dafür wardihm erst 25 Jahre später, als er mit dem Hcrzogthum Baiern belehnt wurde.

Bild und gegenüberstehendes Sinnbild der Stärke malte Ernst Förster aus Altenburg.

IL

DES PFALZGRAFEN OTTO VON WITTELSBACH BELEHNUNG MIT DEM IIERZOGTHUM

BAIERN 1180.

Sieghaft aus Polen zurückgekehrt, hielt Kaiser Friedrich einen grofsen Hof zu Bcsancon inBurgund. Dort überbrachte ihm der Kardinal Rohan, an der Spitze der päpstlichen Legaten,ein allzu kühnes Schreiben Hadrians IV.

Der Retter an der Berner Etschklausc, Otto von Wittclsbach, gerieth über die Anmafsungenin Hadrians Beglaubigungsschreiben dergestalt in Zorn, dafs er das Schwert zog, und von denFürsten mit Mühe zurückgehalten wurde, dem Kardinal Rohan den Kopf zu spalten. DasJahr darauf schickte ihn der Barbarossa mit dem Kanzler Rcinald nach Italien.

Doch nicht mit dem Schwert allein war Otto grofs, auch in den Unterhandlungen mit den

■^^^■■IHH