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2 (1840) München, Stuttgart, Nürnberg, Augsburg, Karlsruhe, Prag und Wien : mit einem Anhange: Ausflug nach Italien
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MÜNCHEN.

EINLEITUNG.

ihn zu bleiben und erinnert ihn an ihre Gewährung aller Freuden, obschon er sie zu seltendarum gebeten. Er aber achtet es an der Zeit, sich zu entwöhnen, nachdem er schon zulange gesogen: ihr reizendes Angesicht habe ihn getäuscht, und er werde sie immer schmä-hen, seitdem er von hinten ihre Scheufslichkeit erblickt habe *. Sie bittet ihn nun, wenig-stens unterweilen bei ihr einzukehren: er aber ihren Trug fürchtend, sagt ihr für immer guteNacht und will zur Herberge. Nachdem er länger als vierzig Jahre von Minne gesungen undsich auch derselben erfreut hat, singt er, am Stabe umgehend, nur noch um Huld der rei-nen Frauen und werthen Männer den Minnesang. Er verkündet auch der Welt, die Allenackt aus ihrem Dienst entläfst, um die er tausendmal Leib und Seele gewagt, und derenSpott er nun ist, ihr nahes Ende. Die zeittiche Minne ist nicht Fisch ohne Gräte (wieauch Hymnen von der Heiligen Jungfrau, der Rose ohne Dorn, der Taube ohne Galle u. s. w.singen), er wendet sich daher zu der wahren ewigen Minne. Ein schönes lilien- und ro-senfarbes Bild hatte er sich zur Wohnung erkoren: (den Leib) das hat nun Schönheit, Rede,Schmack (Geruch) und Schein verloren, ist kerkerfarb geworden, und er wünscht so dar-aus zu scheiden, dafs er sich ernst wieder freudig mit demselben zusammen finde. Wie einMeister Traum und Spiegelglas vergänglich (und Schaum) genannt, so ist auch Walthersbisherige Freude, Laub und Gras, die blumige Heide mit der Linde, der Wald und derVöglein Sang, und er selber. Jämmerlich steht der Frau Welt ihr Hauptschmuck, und siegiebt böses Ende; es ist Zeit zur Bufse, der grimme Tod nahet, und Furcht bleichet die Wan-gen. Seitdem Walther gut und bös unterscheiden konnte, hat er nur Sünde gethan, warsehend blind, und ein Kind an allen guten Dingen, obschon er seine Missethat der Weltverbarg; er griff wie ein Thor zur Linken in die Glut, und mehrte stets des Teufels Spott:nur der heilige Christ kann seinem Ebenbikle helfen, und möge die Seele vor dem Falle indas verlorene Thal bewahren. So wünscht denn Walther auch den Traum seines Weltle-bens, als er heimkehrend sein Vaterland und seine Gespielen nicht wiederkennt, durch dieWallfahrt zu der wahren Heimat am heiligen Grabe zu beschliefsen, und er fordert Alle auf,die sich von dem süfsen Gifte, der Honiggalle der Welt, die aufsen schön und buntfarbig,innen aber schwarz und finster ist, wie der Tod, haben verführen lafsen, ebenso ihre Sündezu büfsen **.

Wie Walther in dieser Noth, und in den übrigen Kreuzliedern, die Hülfe Gottes, seinesSohnes, Maria's, und der Engel anruft, Christi Leiden vor Augen stellt, und überall in seinenernsten Gedichten, den Glauben und die Gottesminne als das Höchste verkündet, vergifst erauch sonst nicht des Gebetes, obwohl er bereuet, dafs es zu selten geschieht. Er segnet sei-nen Ausgang durch ein schönes Morgengebet, und beginnt eine neue Tonweise, besonders derernsten Art, gemeinlich mit dem Lobe Gottes, dem Geber der Worte und Weise, demnächstder Heiligen Jungfrau, der Engel; und ein grofser Lobgesang auf den dreieinigen Gott und Ma-ria, voll Vorbilder des alten Testaments, zugleich mit Rüge des unehristlichen Lebens in der Chri-stenheit, ist das Gedicht, welches die reichhaltige Sammlung seiner Lieder würdig eröffnet.

* Dem etwas Jüngern Wirnt von Gravenberg, Dichter des Wigalois, erschien so die Frau Welt:von vorn reizend und üppig, beim Umkehren aber hinten voll Kröten, Schlangen und andern Gewürms.Ein ähnliches Steinbild ist noch aufsen an der Sebalds-Kirche in Nürnberg und in einer Kapelle desWormser Doms zu seilen.

** Siehe das Lied III. am Ende dieser Abtheilung.