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AVALTHER.
sonst Weisheit, Adel und Alter gewaltig safscn, leer stehen; daher sinkt das Recht, trauertdie Zucht und siechet die Scliaam. Den falschen Räthen müfse Bein oder Zunge erlahmen,welche die Herren wortbrüchig machen. Die Herren sollten geben, bevor dem Lobe derKalch (die Frische) abgetragen würde; viele sind aber wie Gaukler, die auf den Hut oderauf die Büchse blasen, und bald einen Falken, bald einen Pfau, bald ein Meerwuuder darun-ter sehen lafsen: am Ende ist es jedoch immer nur eine Krähe. Getreuen Freund (welcher,erworben, befser hilft als ein angeborener Verwandter) und gutes Schwert erkenne man inder Noth: Walther hatte sich auf zwei verlafsen, die aufsen und innen ohne Falsch schienen,jedoch sich umlegten, als sie schneiden sollten, und wünscht, sie nie gekannt zu haben, umsich den Schaden und ihnen die Schande zu ersparen. Das unhöfliche (rohe, kunstlose) Sin-gen wird an den Höfen, wie bei den Frauen, vorgezogen: Walther will aber nur die Ehre,welche ihn dauernd ehrt, und verschmähte manchen Rosenkranz wegen des Dorns; der Ta-dellose kann froh an den Tanz treten, und auch der Hof sollte nur die ehren, welche daheimRecht thun. Das zuchtlose Hofvolk sollte wie Unkraut ausgejätet werden. — Unter mancher-lei Unsitte wird auch die uralte Deutsche Unart des übermäfsigen Trinkens als Hauptsündeund Schande gerügt.
So steht die Welt ohne ihre alte Ehre und Freude, man preiset die bösen Reichen, anstattder milden Herzen; Treue und Wahrheit werden gescholten. Die jungen Ritter zieren nichtmehr den Ehrensaal, die Edelknechte sind unhöflich in Worten und Werken, Zucht ist ihrSpott. Die Jungen finden nur Freude und Ruhm darin, die reinen Frauen zu schmähen undzu bescheiten. Er warnt die Frauen vor den jungen Thoren, die zuchtlos der Ruthe entwach-sen sind, und dem Ritterschwerte zu schwach, die Minne nur im Munde führen, welche derKindheit nicht ziemt. Ehemals sparte man, nach Salomons Lehre, nicht die Ruthe an ihnen:jetzt dagegen spotten sie der Alten, sind ungebacken und ohne Ehre; ihre Jungen werden esihnen aber vergelten. Die tugendlosen Herren sollten ohne Erben sterben, denn des Bösenböses Kind ist ärger als der Teufel. Vormals war Deutscher Ruhm allgemein, und alle Nach-barländer suchten Sühne mit Deutschland, oder waren bezwungen; damals riethen die Alten,und thaten die Jungen: jetzt aber sind die Richter (besonders Fürsten) krumm, und alles demgemäfs. Walther, zwar scheinbar heiter, wird jedoch nicht eher wieder froh, bis DeutscheLeute wieder gut werden, und ihn die Welt tröstet, die ihm Leide thut.
Zugleich mit dieser (rüben Zeit schleicht das Alter heran, und die Minne entweicht; denn
ihr sind 24 Jahre lieber als vierzig; und sie,
der Walther so lange gedient, sieht ihn über-
zwerch an; der Winter, dem er zwar auch Lieder singt, ist jetzo doppelt hart; die grauenLocken und Bart, wie der greise Rock, finden nicht Gnade. Walther, von jeher gedanken-schwer und fromm, richtet den Blick nun immer fester über die Erde und das Grab hinaus:er hat nie einen halben Tag ganze Freude gehabt; alle Freude vergeht hier, wie der far-bigen Blumen Schein; und er wendet sich drum zu den unvergänglichen Freuden. Er istfrüher getreulich im Dienste der Frau Welt gewesen, hat sie um Hülfe bei der Geliebtengemalmt, das Alter zu achten und die alte Ehre wieder zu ihrem Gesinde zu nehmen: sieaber ist undankbar, und giebt, was er sehnlichst bittet, lieber einem jungen Thoren. Erstimmt nun mit den Greisen überein, denen er sonst bestritten, dafs die Welt trauriger steheals je, weil sie keinen Dienst vergilt. In einem Gespräche mit der Welt heifst er sie demWirthe (ihrem Manne, dem Teufel) sagen, dafs er ihn aus dem Schuldbuche tilge, weil erdie Zeche bezahlt habe, und lieber einem Juden, als ihm, schuldig bleiben wolle. Sie lockt
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