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2 (1840) München, Stuttgart, Nürnberg, Augsburg, Karlsruhe, Prag und Wien : mit einem Anhange: Ausflug nach Italien
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MÜNCHEN.

EINLEITUNG.

auch Verwandte, Vater und Kind, bezeichnen; so wie eine andere Stelle darin einen Bruderandeutet, wo die Nachahmung des Titureldichters ebenso noch Frau und Kind einführet.Auch fürchtet Eschenbach selber, im Titurel, dafs die Geburt eines Kindes der geliebten Fraudas Leben kosten könnte, und er gedenkt bestimmt seines Töchterleins, die noch mit Tocken(Puppen) spielte, als er den Wilhelm dichtete, und deren Geliebten er auch gern zum Freundebehalten möchte. Später fehlte ihm solche Umgebung, der zu Liebe er mehr gedichtet hätte;wie er denn auch bis ans Ende dürftig geblieben scheint, da er das kostbare Brackenscil,wenn es ihm zu Händen käme, behalten will.

Nicbt minder persönliche und bedeutsame Äufserungcn finden sich hier über die Minne.Wolfram beklagt sich im Parcival mehrmals über sie und eine hartherzige Geliebte, die ihnschon so lange ungelohnet läfst, dafs er sich ihr entziehen will. So hoch er die Frauen ehrt,so zürnt er doch heftig gegen eine, deren Wankclmuth ihm Schmach angethau, und gegenwelche er sich so durch Rede vergangen habe, dafs ihn die anderen Frauen deshalb hafsen,und er es bereuet. Doch warnt er die Frauen, sich gegen ihn zu übereilen, er könne nochwohl ihre Gebärde und Sitte richten, und nur der Keuschen Kämpe mit Sang und Ritter-schaft will er sein; nur durch Schild und Speer will er Minnesold verdienen. Er nenntdessen Lob spathlabm *, der um seine Herrin allein allen anderen Frauen Schach bietet.Dagegen hofft er zuversichtlich von sinnigen Frauen, die seinen Parcival geschrieben se-hen, dafs er befser von ihnen sprechen könne, als er von einer gesungen habe; was sichwohl auf jene Wankelmüthige bezieht. Er stimmt nicht seinen Meistern (Vordichtern, zu-nächst Veldekcn) bei, welche Amor und Cupido mit Geschoi'scn und ihre Mutter Venusmit der Fackel die Minne entzünden lafsen: ihm könne wahre Minne nur durch Treue ge-schehen. Er beklagt, dafs ihm nie so liebliche Aventüre zuschlcicht, wie dem Bette Ga-wans (im Parcival) ein schönes Fräulein. Dann nähme er auch von den, mit ihrer HerrinKiburg gepanzerten Jungfrauen ihr Ilüftpolster (d.h. die Hüften selbst) lieber, als ein Feder-spiel (Jagdfalken), und er liebt eine solche Umarmung, wie hierauf zwischen Kiburg undihrem Gemahl erging. Ebenso will er lieber einen solchen blofsen Leib, wie die schöne, inLumpen einherrcitendc Jeschute, als manches schön bekleidete Weib. In Ansehung des Wi-derspruchs der Minne und der Kindheit stimmt er nicht mit Walther, denn die Minne, welchein der Jugend anfange, währe am längsten, und zu dem Lieblichsten gehört seine Darstellungder, „wie eine thauige Rose" aufknospenden Kinderliebe zwischen Tschonatulandcr und Sign-nen, die ihn fragt, ob Minne ein Er oder eine Sie sei **, und ob sie die Minne bei ihren Tocken(Puppen) bewahren, oder als ein Federspiel, auf ihre Hand locken solle; worauf der als Gah-murets Liebesbote schon mehr eingeweihte Knabe sie belehrt, dafs die Minne Alte und Jungeund alles, was fliegt, läuft, geht und schwimmt, unfehlbar trifft; Niemand könne ihre Werkeund Wunder genugsam preisen. Sigune verlangt, dafs er sie ritterlich erwerbe, und versichert,es brennen eher alle Wafser, als ihre Liebe vergehe. „So schied Lieb ***, und blieb Lieb da-heim." Gahmurets und Herzelaudens Minnclehrcn an das getrennte Paar vereinen dieses noch

Vom Rosse gebräuchlich.In Ulrichs von Lichtenstein Frauendienst thut ein Fräulein dieselbe Frage.

Die Deutsche Minne und Liehe (caritas) und der Lateinische und Romanische Amor machenbeide auch ebenso doppelgeschlechtig, wie ihre Wirkung.

*** Lieb bedeutet Geliebter und Geliebte: wie Schönlieb, Trautlichchen u s. w.