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2 (1840) München, Stuttgart, Nürnberg, Augsburg, Karlsruhe, Prag und Wien : mit einem Anhange: Ausflug nach Italien
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ESCHENBACH.

tiefer begründet,

im alten Streite zwischen Christen und Heiden, als Vorbild und Ausdruckder Kreuzzüge; und bestimmt wird auch auf die früheren Kämpfe zwischen Karl dem Gro-fsen und Baligan, den Vätern Ludwigs und Terramers, besonders in der Roncevallschlacht,Zwar ermangelt die Dichtung von diesen Nachkömmlingen eben der festen

Bezug genommen

urbildlichen Gestaltung des altern Heldenkreises:

jedoch zeigt Eschenbachs Darstellung derö , und gern tritt er dabei

ritterlichen Rüstungen, Kämpfe und Schlachten lebendige Änschauunpersönlich hervor; herzkräftig schildert er die darin sich bewährende treue Gatlenliebe zwisehen Wilhelm und Kiburg, welche selber mit ihren Frauen die Burg mannhaft vertheidigt,während Wilhelm zu seinem Schwager reitet, und nur Wafser und Brot geniefst, und jeden,auch Freundes Kufs meidet, bis er mit Hülfe heimkömmt. Vorher geht Wilhelms rührendeKlage um den todtwunden Schwestersohn Vivianz, und sein furchtbarer Kampf, als er alleinaus der verlorenen Schlacht mit dem Leichnam durch die Feinde reitet. In den folgendenKämpfen, besonders auch zur Rache des ebenso tapfern als zarten Jünglings, sind dessen Grofs-vater Heimerich und Grofsmutler Irmengard, die selber noch WaiTen führen will, grofsartigeGestalten; und eine neue Erscheinung, bei welcher Eschenbach zwar an den jungen Parci-val erinnert, ist der riesenstarke Rennewart, Kiburgs Bruder, der, jung geraubt, am HofeKönig Ludwigs als Küchenknecht dient, doch überall den Königssolm durchblicken lafsend,die Liebe der schönen Königstochter Alise gewinnt, die ihn Holmncckenden hart bestraft,und als Wilhelms Knappe mit seiner ungeheuren Stange Ross und Mann niederschmettert. —Starke Mistöne in dieser einfachen Geschichte bleiben jedoch die feindliche Stellung Kiburgsgegen ihren Vater, gegen ihren ersten Mann, ja gegen ihren eigenen erwachsenen Sohn; nochhärter ist, dafs Rennewart, seiner Herkunft schon kundig, aber zürnend, dafs man ihn so langeunausgelösct gclafscn, und noch dem Christenthume sich weigernd, im Kampfe gegen seinenVater auftritt und einen seiner Brüder erschlägt. Wie alles dies, ohne Zweifel, fand Escheu-bach in seiner Urkunde auch Wilhelms unritterliche Mishandlung seiner Schwester, der Kö-nigin, als sie den Ilülfesuchenden schnöde abweiset, wobei er sie im Angesicht des Königsdie Buhlin jenes Heiden Tibald schimpft, dem er dafür sein Weib (Kiburg) entführt habe,so dafs der Deutsche Dichter sich schämt, die Schimpfnamen auszusprechen.

Wie der Titureldichter die Unvollständigkeit von Eschenbachs Wilhelm bemerkte, hat erauch eine Ergänzung des Parcival, eben im Titurel, wirklich ausgeführt; aber nicht blofsfortsetzend, sondern mit Benutzung einer von Eschenbach selber angefangenen Arbeit, dienoch m Bruchstücken vorhanden ist. Dafs sich Eschenbach hier nicht etwa blofs auf dasHauptstück, die Liebesgeschichtc Tschonatulanders * und Sigunens, beschränkte, zeigt derAnfang der Bruchstücke mit Titurel, Frimutel und dem ganzen Stamme dieser älteren Pflegerdes Grals **. Was im Parcival schon erzählt ist, wie Parcivals Vater Gahmuret die schöneMohrenkönigin Belakane verliefs, und sich mit Herzelauden ***, Parcivals Mutter, aus jenemStamme des Grals vermählte, wird ausdrücklich übergangen.

Eine auffallende Erscheinung ist aber nun, dafs der Titureldichter nicht nur diese Bruch-stücke mit völliger Freiheit verarbeitet, sondern sich auch täuschend in Eschcnbachs Personselber versetzt hat.

* Tschonatulander, Franz. Jonatulandre.

** Gral, Franz. S. Greal oder Graal (deutet sich Gratiale), das Gefufs des heiligen Abendmahls.

*** Herzelauden, Franz. Herceloide.