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2 (1840) München, Stuttgart, Nürnberg, Augsburg, Karlsruhe, Prag und Wien : mit einem Anhange: Ausflug nach Italien
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MÜNCHEN. — EINLEITUNG.

Durch solches Verhältnis Wolframs zu seiner Urkunde bot sich leicht die häufig vortre-tende Darstellung des Gesprächs mit sich selbst, oder mit der Umgebung, besonders mit derAventüre, welche nicht nur als seine Muse durch seinen Mund erzählt, sondern auch persön-lich gegenwärtig, als Frau Aventüre, mit ihm redet, ihn aufmuntert und belehrt. Eschenbachbestand so in seiner Darstellung der ritterlichen und wunderbaren Abenteuer selber in derThat ein Abenteuer, und das Dichten aus dem Stegereif hatte bei ihm eigentlichen Sinn. Wieungenau im Einzelnen durch solche Vermittelang auch die Übertragung der Romanischen Ur-kunde werden mochte, eben dies der mündlichen Überlieferung ähnliche Verhältnis und diedadurch gewährte höhere Freiheit der Auffafsung begünstigten eine noch lebendigere, wahreVerdeutschung, als andere Gedichte dieser Art, bei eigenem Lesen und Schreiben der Ver-fafser, darstellen. Freilich waltete hier vor allen auch der eigenthiimlichc Dichtergeist, unddurch diesen ist Eschenbach zwar nicht (wie Friedrich Schlegel wollte) „der gröste Dichter,den Deutschland jemals gehabt hat;" denn schon unter den alten Dichtern mufs er, sammtallen übrigen, dem letzten Nibelungendichter weichen: aber unstreitig ist Eschenbach der grösteVerdeutscher Romanischer Avenlürcn, neben Gottfried von Strafsburg, jeder in seiner Art.Der hohe, nicht sowohl „hofeliche," als unabhängig ritterliche Sinn bezeichnet ihn zum vor-aus; und nicht minder durchdringt und belebt er den fremden Stoff mit seiner Persönlichkeit,welche mehr als bei irgend einem andern alten Dichter hervortritt. Dieses Einmischen desVerfafsers ist hei solchen Rittergedichten, eben weil sie als etwas Neues verdeutscht und ein-geführt werden, allgemein, und meist wird darin, mit Namen, Stand und Verhältnissen desDichters, auch Nachweisung seiner Urkunden gegeben, ja solches dann auch wohl in eigenenfreien Dichtungen nur vorgegeben oder (wie im rasenden Roland und Don Quixote) parodirt:dagegen die Gedichte aus dem heimischen und volksmäfsigen Sagenkreise des Heldenbuchs undder Nibelungen, obschon ältere Urkunden davon vorlagen, und einige in künstliche Weisengefafst sind, doch eben nur als Erneuung uralter Überlieferung, meist namenlos und ohne jenepersönlichen und litterarischen Bekenntnisse dastehen, wie namhaft und trefflich sonst auch

der letzte Ileldendichter sein, und sich,

aber zugleich auch dem ganzen Volke,

die uralten

wohlbekannten Überlieferungen noch viel wahrhafter zueignen mochte, denn ein Ritterdichterdie fremde Aventüre. Eschenbach bat hierin aber Grofscs geleistet, und zwar, dem erwähl-ten Stoffe gemäfs, weniger vom Geiste der Minne und der Dichtkunst, als der Ritterschaftund Frömmigkeit durchdrungen, ist die Darstellung von dem Jugcndleben des wild aufwach-senden Parcival (der den ersten von ihm geschofsenen Vogel so rührend beklagt), sein erstesHineintappen in die Welt in Narrentracht, sein gewaltiges Vorgreifen der Ritlerschaft, die ein-fache herzliche Minne und Keuschheit bei der Gattin, überhaupt die hohe Unschuld, Zuver-sicht und Treue, welche allein durch buchstäbliche Befolgung ihm und Anderen Unheil be-reitet (wie die Lehren, nach Kufs und Halsband schöner Frauen zu ringen, und nicht viel zufragen), aber ihn, willig durch Wort und That belehrt, bei alles besiegender Kraft, zu derhöchsten Würde des geistlichen Ritters und Priesterkönigs des Grals im paradiesischen Landeder Urchiisten erhebt: während sein tapferer Waffenbruder Gawan, dessen Abenteuer mitminniglichen Schönen und mit den Zaubereien Klinsors so stark cingeflochlen sind, der Ilaupt-held der mehr weltlichen Tafelrunde bleibt. Hier überall, wie gleich in dem bedeutsamenEingange des Gedichts, offenbart sich Eschenbachs ernster und tiefer Sinn in kühner bildli-cher, manchmal wunderlicher und dunkler Rede, neben dem innigen Ausdrucke des Selbst-erlebten.