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2 (1840) München, Stuttgart, Nürnberg, Augsburg, Karlsruhe, Prag und Wien : mit einem Anhange: Ausflug nach Italien
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ESCHENBACH.

Dichtung von Parcivals Sohn Lohengrin kömmt, welche dann, in derselben Strophenart, bis zuEnde fortgeht, als wenn sie Wolfram in Gegenwart des Wartburger Hofes sauge. DieserHintergrund wird noch ein paarmal vorgeschoben, indem Wolfram an bedeutenden StellenKlinsorn auffordert, weiter zu singen, die Landgräfin und der Landgraf aber Wolframen bit-ten, fortzufahren, und Klinsor selber ihm befsere Kunde dieser Abenteuer einräumt. Dannwird jedoch diese Einrahmung ganz vergefsen und tritt zuletzt der Dichter selber hervor, mitdem Preise Wolframs und mit Erhebung der Meisterkunst desselben über dies gut gemeinteGedicht, welches auch sonst sich als das Werk eines Nachdichters und eines LandsmannesEschenbachs ausweiset.

Gewiss dichtete Wolfram, wie er in seinem Rittergcdichte von Wilhelm selber sa^-t, denParcival, den Einige gut aufgenommen, Andere aber geschmäht haben, die ihre Rede zierli-cher setzten; unter welchen letzten vornämlich Gottfried von Strafsburg im Tristan gemeintist. Eschenbach schildert hier, wie sein gerühmter Vordichter Veldeke (um 1180), die Hof-haltung des Landgrafen (seit 1190) aus lebendiger Anschauung, seine überschwängliche Mildeund ihren unhöfischen Misbrauch, und stimmt hierin ganz mit Walthcr, den er zugleich be-dauert, dafs er dort „Guten Tag, Böse und Gut!" singen müfse.

Eschenbach war damals aber daheim in seinem armen Hause, wo er der neuen Tänze ge-denkt, deren aus Thüringen viele gekommen. Auch erhellet nirgend, dafs er den Parcivalauf Veranlafsung des Landgrafen gedichtet: vielmehr erwartet er am Schlufse nur süfse Redevon einem Weibe zum Lohn, um 'welche er ihn vollendet habe.

Auch dadurch bewährt er den höhern Werth, welchen er auf seine Ritterschaft, als aufseine Dichtkunst legt, dafs er befser Schwert und Speer, als die Feder, zu handhaben wüste,und als reehtcr Laie weder lesen noch schreiben konnte. Er mustc sich also, wie der gleich-zeitige Ulrich von Lichtenstein, alles vorlesen lafsen, und was er dichtete, in die Feder sagen.Solches wird hier aber noch schwieriger bei den grofsen erzählenden Gedichten, welche eraus seiner fremden Zunee verdeutschte. Diese sind nämlich alle aus Romanischen Büchernentnommen, so wie sämmtliche vorgenannte Rittergedichte, und überhaupt alle damaligen Dich-tungen aus den Sagenkreisen von dem heiligen Grale und der Tafelrunde, Artus und Karldem Grofsen, welche, ganz aus dem Christlich-ritterlichen Leben erwachsen, diesem auch vor

selbst vor den noch im Heidenthume wurzelnden volksmäfsigen Dichtungen

allen zusagten,

des Heldcnbuchs und der Nibelungen

Den Parcival dichtete Wolfram nach der Darstellungdes Provenzalen Kyot, welcher aus der echten Geschichte des Grals (d. i. das Gefäfs desAbendmahls Christi), wie Flegetanis aus den Gestirnen sie heidnisch beschrieben, und ausder Chronik von Anjou, dem Stammhause Parcivals, das Nordfranzösische Gedicht des Chri-stian von Troyes berichtigte, und dessen Werk aus der Provence nach Deutschland gesandtwurde. Dieses Gedicht, in seiner Verbindung mit König Artus und der Tafelrunde und des-sen Herrschaft zugleich über Frankreich, ist, auf älterem Grunde, sichtlich durch die Erhe-bung der Anjou's, namentlich Heinrichs IL, auf den Englischen Thron (1154) veranlafst, des-sen Herrschaft sich durch Vermählung mit der geschiedenen Königin von Frankreich, Eleonore,Erbin von Poytou und Guycnne, bis an die Provence erstreckte. Es mochte also auch dieam frühsten, auch episch gebildete Provenzalischc Poesie diesen Stoff ergreifen, obgleich keinsolches Werk bisher in derselben bekannt ist; und Wolfram überkam etwa schon eine Nord-französische Übertragung, weil die daraus beibehaltenen Worte mehr so, als Provenzalischlauten.