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MÜNCHEN.
EINLEITUNG.
klagt. So tritt er dann in den Dienst eines reichern Herrn, wenn auch nicht gerade alsDienst- und Lehnsmann, so doch zugleich als Rittersmann, und nicht hlofs als Hofdichter, wieWalther weit mehr erscheint. Das erste, was wir von ihm vernehmen, ist auch sein feierli-cher Ritterschlag. In einem dem Sängerkampfe auf Wartburg als Zwischenspiel eingefügtenGedichte, welches eigentlich eine Todtenfeier des Landgrafen Hermann (starh 1215) und desGrafen von Henneberg ist, gedenkt Wolfram im Wechselgcsange mit dem Schreiber oder Thü-ringischen Kanzler Heinrich und mit dem Hennebergischen Dienstmann Biterolf, wie er aufeiner Wiese bei Masfeld, unweit Mciningen, an glänzendem Fest edler Ritter und schönerFrauen durch den Grafen Poppo Xül. von Henncberg mit Ross und Gewand ausgerüstet, sowie der Schreiber, die Ritterwürdc empfangen habe. Das unsichtbare Kleinod, welches dort,wie Wolfram singt, ein hoch gepriesener Krämer unterm Baldachin feil hat, ist doch wohleben die Ritterwürdc; und wenn der Fürst von Thüringen, der dort sein Gczelt am Walseraufgeschlagen, als Käufer auftritt, so scheint es, dafs Wolfram damals schon in seinem Dien-ste war.
So finden wir ihn bestimmt im Sängerkrieg auf Wartburg 1206 —1207, von welchem beiWalther umständlich die Rede ist, und wo Wolfram mit Reimar, unter dem Vorsitze des Land-grafen, von Heinrich von Ofterdingen zum Kampfrichter des auf den Tod erhobenen Preisge-sanges berufen, zuletzt selber gegen diesen auftritt, den Thüringer Herrn über manche Königeals Vorbild der Fürsten preiset, den hochmülhigen bösen Geist in Ofterdingen bannen will,zuletzt auch seinen Tod fordert, und nur der Landgräfm Fürbitte nachgiebt. Ofterdingen ver-spottet ihn dagegen im Wortspiele mit seinem Namen Wolf-ram, wie auch der zur Hülfe ge-rufene Klinsor, im zweiten Theile des Wartburgkrieges, tlmt. In diesem zweiten Theile istnun Wolfram selber der Hauptheld, im Zweikampfe mit dem an Oftcrdingens Stelle getrete-nen gelelirten und zauberkimdigen Klinsor, der gleich mit Räthscln anhebt, und in die Ge-heimnisse der Wifscnschaft und der Natur, im Bündnisse mit dem bösen Geiste, fortschreitet;dessen Wcltweisheit und Zauberei aber Wolfram, als Laie, mit Christlicher Einfalt und Gottcs-Wort ritterlich überwindet, alle Räthsel und Fragen löset oder abweiset, und mit dem jüng-sten Gerichte beschliefst. Die örtliche und Geschichtssage hat sich neben, an und aus diesenWechselliedern, welche lange im lebendigen Andenken blieben, mannigfaltig gebildet; und be-sonders ergänzt sie, dafs Wolfram Nachts in der Schlafkammcr bei seinem Wirthe Gottschalkzu Eisenach, wo Klinsor bei einem Bürger Namens Hellegrevc (lautet jetzo Höllcngraf) ausSiebenbürgen durch die Luft angekommen, von Klinsors Teufel heimgesucht wird, der dashöhnische Zeugnis, dafs Wolfram ein Laie sei, an die Wand schreibt: der Wirth habe denStein mit dieser höllischen Inschrift ausbrechen und in die Hörsei werfen lassen; die Kammerheifse aber noch gemeinlich die düstere Kemenate. — Wen mahnt dieses nicht als eine Weis-sagung an den Teufelssicg Luthers drei Jahrhunderte später auf derselben Wartburg, wo nochdas Zeugnis davon an der Wand steht: an welcher Wand abermals drei Jahrhunderte späterder Schwarze selber gemalt wurde *.
Wie die erzählenden Stellen dieser Wcchsellieder des Wartburgkrieges dem Wolfram inden Mund gelegt, und ihm daher auch wohl das Ganze zugeschrieben worden, so verhältes sich auch mit dem Lohengrin, indem dieses Gedicht den Anfang des Gesprächs zwischenKlinsor und Wolfram als Eingang verwendet, bis dahin, wo die Rede auf den Inhalt dieser
Bei dem Unfug im Jahre 1817.