96
UMWANDLUNGEN DER KUNST
was die Liebe, die Dankbarkeit oder die Begeisterung hervorgebracht hat,häufig nur dazu, das Fachwerk eines beschränkten Kopfes auszufüllen. Esist befser, dergleichen Dinge an ihrem Orte zu lafsen oder zurück zu stel-len, als sie solchen Systemsmännern anzuvertrauen, zumal wenn sie ohneTakt und Geschmack sind.
Indessen mufs man billig bemerken, dafs vielleicht keine andere Stadt,München ausgenommen, eine Sammlung aufzuweisen hat, welche in ge-schichtlicher Hinsicht eine so weit umfafsende und so vollständige Reihevon den Hervorbringungen der Malerei in allen Ländern und durch alleZeiten, darstellt. In dieser Beziehung höre ich die Berliner Galerie häufigrühmen. Es ist in der That wohl ausgemacht, dafs eine nach solchemPlane gebildete öffentliche Galerie nicht ermangeln kann, sehr lehrreich zusein. Es ist hier nicht der Ort, diese Betrachtung weiter zu verfolgen.Ich beschränke mich hier, nur die Namen einiger der ältesten ItalienischenMaler aufzuführen, deren Werke sich im Berliner Museum beisammen fin-den: Giotto, Gaddi, Lippi, Orgagna, Fiesole, Fogolino, Cima, Santa -Croce,Squarcione, Verocchio, Bellini, Mazzolino, Sanzio der Vater Rafaels, Bo-ticelli, Pinturicchio, Borgognone.
Manche andere Sammlungen Deutschlands zeugen noch von derselbenRichtung und Stimmung, welche ich schon als vorwaltend bei der Bildungder Boisseree'schen Sammlung bezeichnet habe.
In München und in Nürnberg begegnet man auf jedem Schritte Beweisendavon. Auch anderswo sieht man öffentliche und Privatsammlun°-en, wel-che unter demselben Einflufse gebildet worden. Herr Bettendorf in Achenhat viele alte Gemälde zusammengebracht, unter welchen sich zwei herr-liche Hemmelings * auszeichnen. Der Rath Krüger in derselben Stadt hat
Es scheint erwiesen, dafs man Memmeling sagen und schreiben mufs: aber es kömmtmir darauf an, verstanden zu werden, und ich ziehe es vor, dem Gebrauche zu folgen. Esist viel hierüber gestritten worden: aber jedermann hatte vor Beginn dieses Streites nur Hem-meling sagen gelernt.