283
suchend, bis er endlich hoch auf einem steilenFelsen das Riesenschloß gewahrte.
Muthig sprengte er vorwärts und rief! dann dem Niesen zu, er möge Herabkommen! mit ihm zu fechten auf Tod und Leben um^ Krön und Scepter des verstorbenen Königs.
! „Eitler Knabe!" rief der Niese herunter,
^ „ich werde dich schon für deinen Vorwitz strafen,daß Dir das Wiederkommen vergehen soll!"
Nach wenigen Augenblicken öffneten sichdie Thoren des Schlosses und fröhlichen Mnthesschritt der Riese, niit einem langen Schwertebewaffnet, hinab in die Ebene. >—
Elwin rückte ihm gleich zu Leibe, aberwas wollte er mit seinem kurzen Schwertegegen den Riesen machen! Dieser schlug mit! seinem ellenlangen Spieße in der Luft herum
! und die Hiebe 'folgten , von kräftigen Armen
! geführt, so rasch aufeinander, daß dem Pagen
j Hören nndL-ehen verging und dieser genug zu thnn
hatte, den gewaltigen Streichen anszuweichen.—Bei aller Tapferkeit ward es doch jetztdem Pagen sonderbar zu Muthe. Die Hiebedes Riesen fielen immer dichter, während Elwindurch das ewige Ausweichen und Hernmspringenschon alle seine Kräfte erschöpft hatte. Erbereitete sich in Gedanken schon zum Tode vor,kraftlos ließ sein Arm die Waffe finken, schonholte der Niese zu einem gewaltigen Schlage^ ans, da flog eiligst vom nächsten Baume eine
I Eule herab, setzte sich auf des Niesen Kopf und
! hackte ihm mit ihrem scharfen Schnabel beideAugen ans! Ein fürchterlicher schrei desSchmerzes entfuhr dem Niesen, daß davon dienahen Wälder erdröhnten. Das ellenlangeSchwert entfiel ihm und Elwin benutzte denAugenblick, raffte seine Waffe auf und durch-bohrte den Niesen, daß er sterbend zu Boden sank.
„Knabe!" seufzte der Niese, „der Zufallhat Dich begünstigt, ich sterbe von DeinerHand! Was liegt mir nun an allen Schätzenund Kleinoden. Geh hinauf in mein Schloß,Du wirst es öde und verlassen finden, und holeKrön' und Scepter!"
Nachdem der Riese dem Pagen genau denOrt beschrieben hatte, wo die Kleinode verborgen,starb er nnd Elwin stürzte hinauf in das Riesen-schloß. Die Wände hallten wieder von seinemJnbelgeschrei, als er in dem bezeichnetcn Gemacheden theuren Schatz fand. Zwar waren danoch eine Menge anderer Kostbarkeiten aufgc-häuft, allein in seiner Herzensfreude dachte ernicht daran, nur ein einziges Stückchen anzu-rühren. Mit Krön und Scepter trat er imeiligen Laufe den Rückweg an.
- Schon war die Nacht weit vorgerückt, als
er vor dem Schlosse der Prinzessin angelangtwar. Alles war ruhig im Schlosse! DerThnrmwart wollte dem Pagen den Eintrtt ver-wehre», allein dieser bat, man möge der Prin-zessin seine Rückkehr melden.
Nach einer Viertelstunde erleuchteten sichplötzlich die Gemächer der Prinzessin nnd sieselbst trat herunter in den Schloßhof demPagen entgegen.
Beim Anblicke der eroberten Kleinode ver-goß die Prinzessin viele Freudenthräncn. Anihrem Arme mußte Elwin hinauf gehen in denSaal und Alles erzählen! Im Interesse seinesHerrn verschwieg er den Beistand der Fee wiedas erstemal und schloß dann:
„Hohe Prinzessin! Des Riesen L-chloß istangefüllt mit schätzen nnd Kleinodien aller Art,welche Euch gehören, da ich nur in EuremAufträge handelte. Sendet morgen bei Tages-anbruch Eure Diener mit Lastthieren aus, daßsie Euch alles holen. Den Niesen finden sieerschlagen am Fuße des Berges. Unterdessenwar alles im Schlosse in Bewegung gerathenund herbeigeeilt. Die Prinzessin ließ zu ElwinsStärkung das Beste aus Küch und Keller her-beiholen und bis tief in die Nacht blieben Alleheiter beisammen; dann begaben sie sich zurRübe!
Am andern Morgen forderte Elwin vonder Prinzessin auch die dritte zu vollbringendeThat.
„Diese ist die Schwierigste!" sagte diePrinzeß. Weit von hier in einer wilden Gegendliegt die unzugänglicheWohnung einesZanberers!Ein golden Kreuz, meiner verstorbenen Mutterthener nnd werth, ward einst von ihm geraubt.Seine Wohnung ist bewacht von Drachen undUnthieren aller Art. Wer es bis jetzt gewagtdahin zu dringen, kehrte nimmer wieder. BringstDu mir indessen trotz aller Gefahr das geraubteKleinod, so verlasse ich freudig mein Schloßund folge Dir zu Deinem Herrn.
Elwin verabschiedete sich von der Prinzessinund ritt so schnell er konnte dem Zauberschloffezu. Ein erstickender Schwefelgeruch belehrteden Pagen bald von der Nähe jenes Schlosses.Er stieg von: Pferde, band den Gaul an einenBaum und schlich behutsam vorwärts durchdas hohe Gras. Bald aber wurde das Ge-strüppe so dicht und hoch, daß Elwin nichtmehr drüber weg sehen konnte und sich genöthigtsah auf einen Baum zu steigen, um den Wegbesser zu erforschen.
Laut pochte des Jünglings Herz, als eroben von dem Baume die Wohnung des Zau-berers gewahrte. Aus dem Boden rings umher