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großen Beweis aufopfernder Treue. Nein, DeineKräfte reichen nicht hin! Zieh' hin zu DeinemHerrn und sage ihm, wie unglücklich ich bin,Dir nicht zu ihm folgen zu können!"
„Nein," rief Elwin, „ich ziehe nicht vondannen, bis Ihr mir die zu vollbringenden Thatennamhaft gemacht und ich das Letzte versuchthabe für meinen Herrn!"
„Wohlan," sagte die Prinzessin, „ich willDir nur eine einzige dieser Thaten nennen, umDich von Deinem Vorhaben abzuschrecken! Vorvielen Jahren entfiel ein kostbarer Ring derHand meines Vaters, als er in seiner Barkeauf dem kleinen See eine halbe Meile von hierspazieren fuhr. Zwischen Gestrüpp und Pflanzenaller Art liegt er dort auf dem Grunde desMeeres wohl tief versunken im Schlamme!Wer aber um mich werben will, muß mir zu-vörderst jenen Ring zurückbringen. Da Duwohl nicht thörigt genug bist, jenen Ring aufdem Grunde des See's aufsuchcn zu wollen,so werde ich Dich wohl nimmer Wiedersehen!Gehab Dich wohl!"
Bei diesen Worten verschwand die Prin-zessin, und Elwin blieb allein, tief betrübt,ohne zu wissen, was er wohl eigentlich dawolle, ließ er sich von einem Diener den Wegzum See näher beschreiben und machte sich ausden Weg dahin.
Nachdem er über eine Stunde gewandert,kam er an einen großen Wald und mittendarin fand er den gesuchten See. Als guterSchwimmer stürzte stich Elwin zu wiederholtenMalen ins Wasser, doch kam er nie bis aufden Grund, so ungeheuer tief war der See.Nach mehreren verzweifelten Anstrengungen warfer sich endlich aus den Rasen am Ufer undvergoß bittere Thänen.
Ach, seufzte er, unten auf dem Grunderuht der Gegenstand, durch welchen mein guterHerr glücklich werden kann, und ich stehe hierunnütz am Ufer und kann ihm nicht helfen!Zwar hat die gute Fee mir Beistand versprochen,aber auch sie scheint mich verlassen zu wollen!
Tief bekümmert starrte Elwin vor sich hinin die blaue Fluth, als aus derselben plötzlichein wunderschöner goldener Fisch auftauchte unddem Ufer näher zu schwamm, und als er demUfer ganz nahe, öffnete er den Mund, spieeinen kostbaren Ring auf den Rasen und ver-schwand wieder in dem Wasser.
Elwin stürzte auf den Ring, betrachteteihn nach allen Seiten, putzte den Schlamm abund jauchzte laut auf, als er aus Diamantengebildet darauf eine Krone entdeckte. Ihm
blieb kein Zweifel, er hielt das königliche Kleinodin seinen Händen.
Der Page lief, so schnell er konnte, mitdem theuren Funde dem Schlosse zu, stürzteathemlos durch die Vorzimmer in das Gemachder Prinzessin, ließ sich auf ein Knie niederund überreichte ihr den Ring.
Ein Freudenschrei entführ der Prinzessinbeim Anblick des Kleinods. In Gegenwartihrer Hofdamen umarmte sie den Pagen unddankte ihm tausendmal; dann aber sich fassendsagte die Prinzessin:
„Laßt uns nicht zu frühe fröhlich sein!Noch bleiben zwei schwierige Thaten zu voll-bringen und so lange diese nicht gelöst sind,ist auch die Erste ohne Kraft."
„Und welche sind die Andern?" rief Elwindurch den ersten Erfolg ermuntert, „ich trotzejeder Gefahr!"
„Morgen sollst Du das Weitere erfahren!"sagte die Prinzessin, „heute sollst du dich aus--ruhen und für das Kommende stärken." Speisund Trank wurden in schönster Auswahl fürden Pagen gebracht; dieser stärkte sich undlegte sich dann in einem kostbaren Zimmer aufsRuhebette und erfreute sich eines erquickendenSchlafes.
Am andern Morgen bei Tagesanbruchwar er wieder auf den Beinen. Es dauerteihm zu lange, bis die Prinzessin erwachte undals sie endlich erschien, bestürmte Elwin siegleich mit Fragen wegen der zweiten That.
„Ich will Dir nicht die Mittel rauben auchdas Zweite zu versuchen," sagte die Prinzessin,„obschon ich an dem Gelingen noch mehrzweifle, als au der ersten Bitte. So wissedenn, fern von hier in einer wüsten Gegendhaust seit langen Jahren ein böser Riese aufhohem Felsen in einem sichern Schlosse. Einstraubte er meinem Vater Krön und Scepter,und so lange diese in seiner Gewalt, ist ihmmein ganzes Land tributpflichtig! SchaffstDu mir aber jene theuren Kleinode gleich demRinge wieder, so ist auch die zweite Thatvollbracht."
Elwin ließ sich das nicht zweimal sagen,erbat sich aus der Rüstkammer die bestenWaffen, bestieg ein muthiges Pferd und rittgetrost von dannen dem Niesenschlosse zu I Nochvon weitem winkte ihm die Prinzessin von derWarte des Schlosses mit ihrem weißen TucheMuth und Hoffnung zu, bis der tapfere Jünglingum eine Felsenecke bog und verschwand.
Viele Stunden weit ritt der Page, hierund da die Schärfe seines Schwertes unter-