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Aber sie, die sich alle Erlebnisse gegenseitig inGedanken rnitgetheilt hatten, sie wußten setztnicht ein Wort hervorzubringcn. — Als siesich eine Weile schweigend gegenübergcstanden,sagte Florian: Wie du groß geworden bist,Florinchen! Und Florinchen antwortete: Dubist noch viel großer geworden, Florian! Dannsagten sie wieder nichts, bis Florinchens Muttereintrat, die den Florian begrüßte, ihn nachi diesem und jenem fragte und ihn von seinen
> Reisen erzählen ließ. Beit stillem Vergnügen
s hörte Florinchen zu, wie er so schon von den
fernen Ländern und von den wunderbarenj Dingen, die er dort gesehen, berichtete; sprach
; er aber von den vielen Stürmen, die er auf
dem Meere erlebt, erschrak sie und ein leises
> Zittern durchflog ihre Glieder.
Florian kaufte sich ein Haus und richtetesich ein; er besuchte Florinchen alle Tage undbald plauderten sie wieder so vertraulich zu-sammen, wie sie es als Kind gethan hatten.Einst sprach Florian davon, wie er in fernenLändern immer an sie gedacht und, auf demVerdeck des Schisses sitzend, die Sterne beneidethabe, weil sie ihr mildes Licht in ihre stilleKammer senden durften. Florinchen verhehlteihm auch nicht, wie viele Angst sie seinetwegenausgestanden und welche Freude sie darüberempfinde, daß er nun daheim bleiben werde.
O, liebes Florinchen, entgegnete ihr Florian,komm in mein Haus und werde meine Haus-frau, dann sind wir immer zusammen und nichtswird uns mehr auf dieser Erde trennen, Wenndie Mutter es zugiebt, sagte Florinchen, undals diese in's Zimmer trat, wiederholte Florian,was sie ihm versprochen.
Die Mutter, die eine Wittwe war, um-armte Beide und nannte Florian ihren lieben
> Sohn. Keine glücklichern Leute gab es von
j der Zeit an in dem kleinen Städtchen. Bald
! wurden Vorbereitungen zur Hochzeit gemacht,
das fleißige Florinchen bleichte ihr Leinen undbekam alle Schränke voll. Am Hochzeitstageflochten die Freundinnen einen Myrtenkranz inihr lockiges Haar und als am Abend die Mnsi-i kanten fröhliche Weisen spielten, da wurde Alt
! und Jung lustig und guter Dinge. Florian
! und Florinchen eröffneten den Tanz und Paar
j an Paar folgten dem prächtigen Neigen. —
- Aber plötzlich wurden die Fenster wie von
! einem heftigen Windsturm aufgerissen; eine
! Gestalt in einem langen Mantel und wie von
! Nebel umhüllt rauschte herein, erfaßte Florin-
^ chen und trug sie, noch ehe sich Florian be-
> sinnen konnte, durch's Fenster davon. Alle
- Anwesenden erschraken heftig; Rübezahl! Rübe- i
zahl! schrieen sie und liefen zur Thüre hinaus.Draußen steckten sie die Köpfe zusammen undsagten: Das hat sie nun davon, die Närrin,hat sie cs nicht Jedem erzählt, daß sie sichdem Rübezahl versprochen! Florian eilte ingroßer Verzweiflung in's Freie, er sah eineWolke am Hiiümel, aus deren Mitte das weißeGewand Florinchens und ihr langer Schleierhernieder wallten. „Wie kann mein Arm dichnoch erreichen! rief er in seiner großen Betrüb-niß, seine Arme zum Himmel hebend, wohinwird der Bösewicht dich tragen! O daß ichFlügel hätte wie dein treues Täubchen, dasdir nachgeeilt ist, ich wollte dich aus seinenHänden befreien !" Als er so klagend da stand,seine Blicke nach der Wolke gerichtet, um sienicht entschwinden zu lassen,' horte er rechtsund links neben sich neckende Stimmen sagen:Florinchen fort? He, he, he, he! Dies ärgerteFlorian, er sah sich um und gewahrte kleineMännlein am Wege sitzend. Mit seinem Stockeschlug er auf sie los, sie aber verwandelten sichin kleine Wölkchen und zogen unbeschädigt weiter.Leider war die Wolke, welche Florinchen ein-hüllte, während dem verschwunden. Traurigsetzte sich Florian auf einen Stein am Wegeund weinte heiße Thränen.
Doch nicht lange hatte er so da gesessen,als ihm Jemand auf die Schulter klopfte undwie er sich um sah, stand ein Zwerglein hinterihm. Freundlich sagte dieses: Sei nicht soverzagt Florian, wenn du den Muth hast, zuthun, was ich dir rathen werde, so wirst duFlorinchen wieder erlangen. — Alles will ichthun, antwortete Florian, wenn nur Florinchenwieder mein wird. „Gehe um die Mitternachts-stunde unter den Galgen, wo die Diebe ge-hängt werden, sprach das Männlein, dort wirstdu eine Pflanze finden, deren Wurzel du aus-reißcn mußt; sieh dich aber nicht um, was auchhinter deinem Rücken geschehen mag. BerührstLu mit dieser Wurzel eine verschlossene Thüre,wird sie sich öffnen. Dann suche im Mond-schein nach einem Berge, der vor allen andernsteil und hoch ist, findest du ein eisernes Thoran einer Stelle desselben, so ist es RübezahlsWohnung; schläft er, gelingt es dir wohl,Florinchen zu befreien, sonst webe aber deinemLeben." - Hundert Lebeu wollte ich daranwagen, Florinchen zu befreien, sagte Florian,ich will deinem Rathe folgen. — „Viel Glückzu deinem Unternehmen, rief das Männleinund ging hinweg, es wird mir Freude machen,wenn dem Rübezahl ein Streich gespielt wird,er hat mich ans seinem Dienste entlassen, da-für will ich mich noch oft an ihm rächen." —