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Unterdessen trug Rübezahl Florinchen znseiner Behausung. Wie erschrak das arme Kind,als sie die schwere eiserne Thüre mit den vielenSchlössern hinter sich zumachen hörte, sie wagtekaum zu athmen, so fürchtete sie sich vor Rübe-zahl. Dieser sprach: Morgen sollst du eineandere Hochzeit feiern; meine Diener sollen diegeldeneu und silbernen Gefäße aus meinerSchatzkammer holen und es an nichts fehlenlassen, was meine Hochzeit verherrlichen kann.„Ach, sagte Florinchen, der Wind hat meinenSchleier zerrissen, ich muß ihn wieder nähen,ohne Schleier kann ich nicht zum Feste kom-men." — Nun so nähe deinen Schleier, ant-wortete ihr Rübezahl. Florinchen nahm ihnund that, als ob sie ihn ausbessere, ließ aberden Faden immer durchschlüpfen, also daß dieLöcher niemals kleiner wurden. Darüber wareneinige Tage hingegangen; sie hatte dem Täub-chen, das ihr nachgeflogen war, ein Briefchenumgehängt und es dann zurück fliegen lassen,in der Hoffnung, daß es Florian finden werde.Wie Rübezahl sah, daß der Schleier nicht fertigwurde, zerriß er ihn in viele Stücke und sagte:Du magst ohne Schleier zur Hochzeit kommen.Da bat ihn Florinchen, einem seiner Dienerzu befehlen, schöne Rosen herbei zu schaffen,um sie sich in's Haar zu stecken. Als Rübe-zahl es zugab, sagte sie heimlich zu dem Diener:Bevor drei Tage verflossen sind, mag ick keineHochzeit haben, bringe die Rosen nicht früher;wenn ich Rübezahls Frau bin, will ich dirreichlichen Lohn geben.
Da nun der Diener mit den Rosen aus-blieb, wurde Rübezahl ungeduldig, Florinchenwußte ihn aber mit allerlei Reden hinzuhalten,säuberte seine schmutzige Wohnung, nabm dieEulen und Fledermäuse, so Rübezahl an dieWand genagelt, herunter und ließ sich von denZwerglein "Epheuranken herbeibringen, welchesie an deren Stelle befestigte. Wie aber dasPutzen und Ausschmücken gar kein Ende nehmenwollte, sprach Rübezahl zornig: Morgen solldie Hochzeit sein, dabei bleibt es! Dann setzteer sich in seinen Sessel, machte die Augen zuund sank bald in einen tiefen Schlaf.
Mittlerweile suchte Florian, in den Besitzder Wurzel zu gelangen. Als er die ersteNacht zum Galgen kam, lärmte und tobte es
unter demselben, wie wenn mehrere MenschenStreit miteinander hätten; beherzt lief er bisdicht unter den Galgen, er sah Niemand undder Lärm verstummte, lieber seinem Hauptekrächzten die Raben und dunkle Wolken bedeck-ten den Mond, so daß Florian die Pflanzenicht finden konnte- Bückte er sich, um sie zusuchen und mit der Hand zu erfassen, so sprangihm Jemand ans den Rücken, wobei er dannauf die Nase fiel; aber das Verbot des Männ-leins fiel ihm ein und er sah sich nicht um, sosehr es ihm auch gelüstete, mit demjenigen, derseinen Rücken also zum Ruheplatz erwählt, einenKampf zu bestehen.
Mehrere Nächte hatte er vergeblich nachder Pflanze gesucht, bis er sie endlich fandund mit einem kräftigen Zuge sie sammt derWurzel aus der Erde riß.
Nun eilte er, Rübezahls Wohnung aufzu-finden, Lies wäre ihm schwerlich so bald ge-lungen, wenn ihn nicht Florinchens Täubchenbegleitet hätte, das vor ihm her flog und ihmden Weg zum eisernen Thore zeigte.
Es war an dem Abend, als Rübezahl dieHochzeit ganz bestimmt aus den andern Tagfestgesetzt hatte und in seinein Sessel schlief,als Florian eintrat. Florinchens Angst stiegmit jedem Augenblick; sie war bis an daseiserne Tbor gelaufen, weinte und rief laut:Ach Florian, Florian, kämst du mich zu errettenaus dieser Höhle! Florinchen, Florinchen, ichkomme, rief da Florian, außen vor dem Thoreund drückte die Diebes - Wurzel gegen dieSchlösser; sie sprangen auf und er'hielt dasglückliche Florinchen in seinen Arme. „Laß unsfliehen, sprach diese, ehe Rübezahl erwacht unduns in seinem Zorne tödtet." — „Der darf sobald nicht erwachen, sprach Florian, zeige mir,wo er schläft." — Nun schlichen sie leise zuibm hin, banden sein langes Haupthaar an dieRückenlehne des Stuhles und seinen Bart zubeiden Seiten desselben fest, auch nahmen sicStricke und banden ihm Hände und Füße zu-sammen, als das geschehen war, eilten sie ausseinem Bereiche hinweg.?
" Die Bewohner des Riesengebirges habenseitdem Rübezahl nicht mehr gesehen, wahr-scheinlich sitzt er noch festgebunden aus demStuhle.