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[1] (1857)
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daß die Frau Elmegarde auf des Riesen BurgMägdedienste verrichten müsse, weil sic denLiebes-Anträgen des Riesen kein Gehör schenkenwollte, und daß Elmegarde im Walde einKind Mrückgelasscn, welches Phinard vergebenshatte aufsuchen lassen. Der alte Einsiedlervertraute dies Alles seinem Pflegesohn, undfügte die Vermuthung bei, daß jene ElmegardeNiemand anders, als Lyderics eigene Mutter sei.

Kaum hatte Lyderic das gehört, als ersein wchwert ergriff und hinaus wollte, denRiesen zu bekämpfen! Der Einsiedler abersprach:Unnütze Mühe, mein Sohn! Waswolltest du allein beginnen gegen den Riesen,der auf seiner mächtigen Burg trotzet! Sollich dir einen Rath geben, so ziehe hin zumKönige Dagobert nach Frankreich. Erbitte dirvon ihm ein Häuflein tapferer Knappen, undbelagere mit ihnen die Burg des Niesen.

Lyderic willigte endlich ein und zog nachFrankreich zum König Dagobert; diesem er-zählte er die ganze Begebenheit und erklärtemit feurigen Worten, daß er den Riesen ver-tilgen wolle vom Erdboden, wenn der Königihm eine sichere Schaar seiner Truppen an-vertrauen wolle.

Obschon die Kunde von des RiesenGräuelthaten schon seit langen Jahren an denHof des französischen Königs gedrungen war,so hatte es doch keiner der Ritter gewagt, zumKampfe gegen den Riesen auszuziehen. DerKönig war nun hocherfreut über die Tapfer-keit des Jünglings, und befahl, ihm aus seinerRüstkammer die besten Waffen zu geben. Aucherklärte der König, daß er mit seinem ganzenHofe mitziehen wolle, um Zeuge des Kampfeszu sein.

Vor des Riesen Burg angekommen, fandensie die Zugbrücke aufgezogen, und Alles zumWiderstand bereit! Lyderic ging auf die Burgzu und rief laut:

Phinard! so du kein Feigling bist, dersich verkriecht hinter seinen Mauern, fordereich dich zur Rechenschaft wegen des schändlichenMordes an Fürst Salwart!

Phinard antwortete und von seiner ge-waltigen Stimme erzitterte das Laub derBäume: Ich habe den Fürsten Salwart imehrlichen Zweikampfe erlegt; so es dir gelüstet,ihm nachzufolgen, will ich dir den Gefallenthun.

Lyderic aber ließ sich dadurch nicht ab-schreckcn, sondern wiederholte seine erste Auf-forderung.

Nun erschien endlich Phinard, von Kopfzu Fuß gerüstet und mit einem sieben Ellen

hohen Schwerte. Der König ließ sich auf !einen erhöhten Sitz nieder und mit dem erstenTrompetenstöße begann der Kampf! Phinardführte gar gewaltige Streiche, doch Lydericwußte ihnen behende auszuweichen, bis derRiese über einen Stein strauchelte und nunsprang Lyderic hinzu und senkte ihm seinSchwert tief in die Brust!

Der König und alle Edlen waren vonihren Sitzen aufgesprungen, um Lyderic zubeglückwünschen. Dieser aber stürmte hinaufin die Burg und erschien bald wieder, an derHand seine Mutter führend. Der Königdrückte den Sieger an die Brust und sagte:

Weil du dich also bewährt hast als eintapferer Ritter, schenke ich dir das ganzeLand Flandern und dazu die Hand meiner »Tochter.

Uebcr solch großes Glück vergaß nunLyderic ganz und gar die arme Graciana, ^

welche er bei seinem Pflegevater zurückgelasien; ^

er reiste mit dem Könige nach Frankreich und j

lebte am Hofe in Saus und Braus! Feste ,

folgten auf Feste, und Lyderic vergaß gar !

bald in der Nähe der Königstochter die arme ^

Graciana, welche ihm das Leben gerettet und ^

aus Liebe zu Lyderic Heimath und Familie ^

verlassen hatte. , ^

Schon war der Tag der Hochzeit be- j

stimmt, da ließ sich eines Abends ein armes !

Weib bei Lyderic melden. Dieser saß eben >

im trauten Gespräche bei seiner Braut und ^

wollte das Weib nicht sehen, doch die Königs- !

tochter bat ihren Bräutigam, wenigstens zuhören, was die arme Frau von ihm wolle!

Lyderic ging hinaus und blieb versteinert ^

stehen bei dem Anblicke der bleichen, abge- !

magerten Graciana, die in Lumpen gehüllt !

vor ihm stand! Sie hatte den Weg von !

Flandern in kurzen Tagereisen zu Fuße zurück-gelegt, und beschwor Lyderic, seiner Verpflich- !tunqen und Schwüre zu gedenken. Lyderic,durch das Glück übcrmüthig geworden, ließsich nicht durch das Flehen der Unglück-lichen erweichen, sondern ;agte sie vielmehrihrer Wege mit der Drohung, sie einsperrenzu lassen, falls sie jemals nach Frankreich zurück- fkehre.

Weinend und im Innersten erschüttert *

machte sich Graciana auf den Heimweg, undLyderic hatte in der Nähe seiner Braut den junglücklichen Auftritt bald vergessen. !

Endlich nahte der Tag der Hochzeit, und l

ein dreitägiges Fest sollte die Verbindung !

Lyderic's mit der Königstochter krönen. Zwei !

Tage waren in Tanz und Schmaus vergangen, -

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Märchen nnd Sagen xn.