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wetten!" lachte der Rothe. „Gewinn ich, soseid Ihr mein, gewinnt Ihr, so bin ich Euerfür alle Zeiten."
„Topp!" rief der Meister, die Hand hin-haltend.
„Topp!" rief der Rothe einschlagend, daßes den Meister Gerhard eiskalt überlief nndder Fremde war verschwunden.
Meister Gerhard saß noch lange oben aufdem Thurm nnd ließ seine Gedanken über denBau schweifen. Als ob ihn die Wette gereute,lief er unruhig von einem Gerüste zum Andern,nachschauend, was noch zu machen oder wo nochetwas nachzuhelfen sei. Rüstiger als se wurdein den folgenden Wochen an dem Baue fort-gearbeitet und staunenerregend waren die Fort-schritte, welche die Arbeiter mit jedem Tagemachten. Allein so sehr sich auch alle austrengteu,so waren sie doch nicht im Stande den Eiferdes Meisters zu befriedigen. Unruhig liefdieser hin und her, immer zu neuer That an-treibend. War auch am Abend ein gutes Stückhiuzugekommen, so konnte das doch den MeisterGerhard nicht beruhigen. Kam er nach Hause,so legte er sich ohne Abendbrod zu Bette. ImTraume wälzte er sich unruhig hin und herund oft hörte ihn seine Hausfrau die Wortemurmeln:
„Mir bleibt mein Geheimniß und somitgewinne ich die Wette."
Vergebens frug die ehrsame Gattin denMeister nach dem Sinne dieser Worte. MeisterGerhard ließ alle Fragen unbeantwortet, wodurchdie Neugierde seiner Frau immer mehr gesteigertwurde.
In den Tagesstunden, wenn Meister Ger-hard am Dom beschäftigt, kam wie früher derMagister zum Besuche bei der Meisterin.Seiner Beredsamkeit gelang es, die Frau überden Gemüthszustand des Gatten auszuforschen,und jene gestand dann alles und erzählte auch,wie ihr Eheherr oft im Schlafe unverständlicheWorte murmele.
„Ich befurchte," schloß die Frau ihreMittheilung, „daß auf dem Herzen meines Ehe-herrn irgend eine höse That ruht, welche ihn be-ängstigt.' Rathet mir, Ihr, der Ihr ein vielge-reister Mann seid und mancherlei Erfahrunghabt, was soll ich thun?"
Der Magister nahm seine einschmeichelndsteMiene an, als er versetzte:
„Ja da ist schwer zu helfen! Ihr müßtEuren Eheherrn bereden, Euch das Geheimnißanzuvertrauen."
„Das Hab ich oft vergebens gethan!"schluchzte die Meisterin.
„Ich wüßte wohl noch ein Mittel," fuhrder Magister fort, „aber einer ehrsamen Christen-frau müßten dabei Bedenken aufstoßen. Zwarist es nicht grade gegen Wort und Glaube,wie Eure ängstlichen Blicke wohl zu glaubengeneigt sind, sondern ein einfaches Hausmittel.Ein sehr gelehrter Mann, den ich auf meinenReisen kennen lernte, hat nur ein Kräutleinoffenbart, welches, in den Abendtrunk gemischtund so genossen, auch den verschlossensten Menschenzum Ausplaudern seines Geheimnisses antreibt."
Nachdem der Magister auf die verschiedenenFragen noch geantwortet, daß der Meister durchden Genuß des Kräutleins keinerlei Schadennehmen würde, entschloß sich die Meisterin zurThat. Sie rührte dem Meister bei seinerHeimkunft das Kraut in seinen Abendtrunk unddieser verfiel bald in sanften Schlaf. Baldwälzte er sich wieder unruhig auf seinem Lagerumher und murmelte wie früher, vor sich bin:
„Die Wette gewinnt er doch nicht, ich Habmein Geheimniß!" Nun schlich der Magisteraus der anderen Kammer hervor, in welcher ersich verborgen gehalten und frug den Träu-menden :
„Welcher Art ist denn das Geheimniß?"
„Sicherer Art!" antwortete der Schlafende;„ich gewinne sicher die Wette, denn baut erauch den Kanal, so fließt doch kein TröpfchenWasser, läßt er nicht von hundert Schuh zuhundert Schuh ein Luftloch und daran denkter gewiß nicht!"
Kaum hatte Meister Gehard also gesprochen,als der Magister mit einem fürchterlichen Hohn-gelächter zürn Fenster hinaussiog, während diebestürzte Frau vor dem Bette ihres Gattenauf die Knie sank, welcher erwachend vergebensnach der Ursache ihres Schreckens frug.
Als Meister Gerhard am andern Abendoben auf dem Thurme stand, zog am fernenHorizonte ein schweres Gewitter herauf, immernäher und näher. Eine dumpfe Schwüle zogihm voran. Plötzlich fing es an, sich in denLüften zu regen! Näher und näher brauste derSturm, daß die Arbeiter auseinander stoben.Von den Gaffen rettete sich Jeder in seineWohnung! Nur der Meister Gerhard standvon innerer Unruhe gefoltert oben auf demThurme. Plötzlich horchte der Meister auf —ihm sträubte das Haar sich zu Berge, denn zuseinen Füßen floß ein Bächlein und in einemkleinen Kahne von zwei Enten gezogen standstolz der Magister, wie an jenem Abende inrothem Kleide und die Hahnenfeder auf demBarette. Am Fuße des Domes angekommen,wuchs der Magister höher und höher, bis er