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verkehrten sie viel miteinander. Gingen siebeide allein, dann lenkte der Magister immerwieder das Gespräch auf den Dombau.
„Ja," sagte er zu Meister Gerhard, „solchein Werk ist wohl schön und groß und wäreeine angenehme Sache für den Meister. Aberwie Jhr's angelegt habet, dauert es zu langeund ihr könnt es sicherlich bei Lebzeiten nichtmehr vollenden."
Solche Reden waren recht geeignet, denMeister Gerhard noch tiefsinniger zu machenund eines Tages vertraute er dem Fremden,wie es auch ihn quäle bei dem Gedanken, soviele Mühe und Fleiß vielleicht vergebens auf-zuopfern, ohne vor seinem Scheiden aus der Weltden Gegenstand seiner Mühe vollendet zu sehen.
„Ja," sagte der Magister zuthunlich, „Rechthabt Ihr und darum thuts mir leid um Euch,mein Freund! Es ist ein bitterer Gedanke,das nicht vollenden zu können, was man ange-fangen hat. Und wenn Ihr sterben solltet, wersollte wohl wagen den so herrlich begonnenenBau weiter zu führen ? Und, fuhr er fort, kämeEiner, der das Werk fortsetzen wollte, würdeer nicht vom Stolze angetrieben es andersvollenden, als Ihr es gewollt und so mit einemMale alles verderben, worauf Ihr Euer Lebenlang alle Mühe gesetzt?"
In Meister Gerhards Inneren fing durchdiese Reden der Sturm zu toben an. Tagelangging er nicht an den Bau und kam er hin, sokannten Steinmetz und Gesellen den altenMeister nicht mehr wieder. Wo er früher sanftund mild getadelt, da herrschte er fetzt die Ge-sellen unwillig an. Weib und Kind wollte ernicht mehr sehen. War er Abends daheim, soverschloß er sich in seine Kammer bei den Plänenund Nissen und saß oft bis in die tiefe Nachthinein, die brennende Stirne in die Hände gestützt.Er konnte den Gedanken nicht ertragen, dasWerk seines ganzen Lebens in unwürdige Händenach seinem Tode übergehen zu sehen und umdiesem verzweifelten Gedanken zu entgehen, be-schloß er, den Bau aufzugeben und alle Pläneund Risse zu verbrennen.
Schon loderte in stiller Nacht die Flammein dem Kamine. Alle Pergamentrollen lagender Vernichtung nahe, auf einem Haufen zu-sammen. Den Angstschweiß auf der Stirnerannte Meister Gerhard unschlüssig in derStube auf und ab. Alle die schönen Stunden,in welchen er emsig an den Plänen geschaffen,kamen ihm in die Erinnerung zurück. In diesenPergamentrollen lag sein ganzes vergangenesLeben gleichsam vor ihm. Dem Meister wurdees heiß ums Herze. Mit einem Schrei der
Verzweiflung riß es das Fenster auf, um diebrennende Stirne in der Nachtluft zu kühlen —Da fiel sein Blick auf den vor ihm liegendenWunderbau. Majestätisch hob sich der Chorin die mondscheiuhelle Nacht hinauf. Die Fensterdes Chores schienen erleuchtet und wunderbareMusik drang aus seinem Innern herüber zudem Meister.
Länger vermochte sich dieser nicht zu halten!Von seinen Gefühlen überwältigt sank er an-dächtig auf die Knie und gelobte, zu GottesEhren das Werk zu Ende zu führen.
Von diesem Tage an wurde Meister Gerhardwieder der Alte. Den fahrenden Magistervermied er, wo er nur konnte und traf er ihn,so war der Meister kurz angebunden und ver-mied es so mit ihm eine Unterhaltung zu be-ginnen. Nach zwei Jahren war der eine Thurmbis zu der jetzigen Höhe gediehen und mit eineminneren Wohlbehagen und Stolz dachte derMeister daran, daß er das Ende des Bauesdoch wohl noch erleben könne.
Eines Abends saß der Meister oben aufdem Thurme mit Stolz sein Werk überblickend,als sich eine Hand auf seine Schulter senkte,und als Meister Gerhard sich betroffen umdrehtestand hinter ihm der Magister, aber diesmalnicht in dem einfach schwarzen Neberwurfe.
In rother Seide, mit Gold und Steinenverbrämt, gekleidet, stand er nun vor demMeister. Von dem rothen Barett erhob sichgrade und kühn eine ungeheur große rothe Feder.Er bot dem Meister Gerhard den Steinmetzen-Gruß, erging sich in Lobeserhebungen über denBan und sagte dann wie damals:
„Schade ist es, Meister., daß ihr den Baunicht vollenden könnt!"
„Kraft und Vertrauen habe ich wieder-gewonnen I sagte stolz der Meister „was solltemich also hindern, zu vollenden was ich begonnen?Jede Wette gehe ich darauf ein und wäre esmit dem Teufel selbst!
„Hoho!" lachte der Rothe, „so viel Zuver-sicht ist fast Vermessenheit. Auch ich bin er-fahren in der Baukunst und Hab' ein StückArbeit im Sinne so groß wie das Eure. Ichbaue ein unterirdisch Bächlein, darauf die Entenschwimmen können von Cöln nach Trier, bevorIhr Euer Werk vollendet, und dennoch brauchtein gewöhnlicher Meister mehr denn dreiMenschenleben für den Bau eines solchen Kanals.
„Das wollet Ihr ?"rief entrüstet der Meister?„Ihr seid ein eitler Prahler und mich gereut'sum die schöne Zeit, welche ich unnütz mit Euchverplaudere I"
„Wenn Jhrs nicht glaubt, .so laßt uns