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voran schritr, wurde leider bald darauf durchden anhaltenden Streit des Erzbischofs mitden edlen Geschlechtern der Stadt unterbrochen.Auch unter Conrads Nachfolger, Engelbert vonFalkenburg, dauerten die unseligen Streitigkeitenfort bis 1270 durch Vernntttlnng des AlbertusMagnus eine Aussöhnung erfolgte. EinenAugenblick faßte man Hoffnung den Weiterbaudes Domes in Angriff genommen zu sehen, aberschon unter dem Nachfolger Engelberts, Sieg-fried von Westerburg entbrannte der Streit auf'sNeue und der päpstliche Bann lag außerdem aufder Stadt. Erst mit der im Jahre 1297 er-folgten Wahl des Erzbischofs Wichbold von Holtewurde LerBann gelöst und dieser hohe Vermittlerwurde bei seinem feierlichen Einznge in Cöln vonden Bürgern auf das Herzlichste begrüßt. In denKirchen wurden Dankfeste begangen; überallüberließ man sich wegen des frohen Ereignissesder ungetrübtesten Heiterkeit.
Beim frohen Mahle saß der neue Erz-bischof, als ein schlichter Bürgersmann zurThüre hereintrat und dem Prälaten eine Rolleüberreichte mit der Bitte diese dnrchzusehen.Vom dem Erzbischöfe und dem hohen Klerusauf, das Freundlichste empfangen wurde derMann bald dreister und erklärte auf desBischofs Frage, was die Rolle enthalte, einfachund kurz, es sei dies ein Plan wie der be-gonnene Dom mit Würde auszubauen sei!
Die Gäste drängten sich znsammmen undAllen entfuhr ein Schrei des Enrzückens, alssich die Rolle vor ihren Augen entfaltete undein Plan zu einem Prachtbaue zeigte, wie derenwenige existirten.
Unter den entzückten Rittern und Prälatenstand im einfachen Lederwamms und Ueberwurfder Meister, welcher diesen Wunderplau ge-schaffen.
Der Erzbischof schüttelte bedenklich denKopf und meinte, daß bei aller Pracht derErfindung solch ein Riesenbau wegen der großenSchwierigkeiten nicht ausführbar sei, allein derMeister versetzte einfach:
„Das müßte ein schlechter Meister sein,gestrenger Herr, der einen solchen nach Maaßund Recht entworfenen Plan nicht auszuführenim Stande wäre! Vielmehr muß der Bauentstehen, wie dieser Plan zeigt, wenn GottesWille dem Werke günstig ist und uns die Mittelnicht fehlen."
Zur Stunde noch beschloß der ErzbischofLen so lange vernächlässigten Bau wieder inAngriff zu nehmen. Nach wenigen Tagen eiltenschon Boten nach allen Weltgegenden, um diemilden Gaben zu sammeln. Bald waren die
Steinmetzen und Baumeister in voller Thät.g-keit unter dem Befehle des Meisters Gerhard.
Früher war der Meister ein lustigerGeselle gewesen, immer der letzte auf demTanzboden und der Erste in der Schenke, über-all wo heitere Späße auszuführen waren. Inallen Hütten des Rheins und am Main kannteman ihn, von seiner Wanderschaft her, als einenlustigen Bruder! Nur seit mehreren Jahrenhatte er sich von Allem zurückgezogen und sichWochenlang in seiner Wohnung eingeschlossen.Viele, welche ihn über diese Zurückgezogenheitverlacht, fingen nun, da er mit seinem herrlichenDomplane an das Tageslicht trat, ihn zu be-wundern an. Unter seiner Leitung entstand inCöln die vollkommenste Steinmetzhütte amganzen Rheine. Der Ruhm von dem Baueund seinem Meister verbreitete sich bald! Eswar für jeden Gesellen eine Ehre, mit an demgroßen Werke zu schaffen, so daß selbst ausEngland die Arbeiter herüberkamen. Auch mochteder gute Verdienst viel dazu beitragen die Ge-sellen herbeizulocken, denn sie lebten wie großeHerren und der Weinkrng wurde den ganzen Tagüber mir großer Schnelle geleert. Immer rascherschritt der Bau vorwärts. Schon im Anfängedes vierzehnten Jahrhunderts am 27- Septembereintausend dreihundert zwei und zwanzig warder Chor vollendet und wurde unter außer-ordentlichen Festlichkeiten für den Gottesdiensteingeweiht. In allen Theilen der deutschenLanden nannte man Meister Gerhards Namenmit Verehrung, doch se weiter der Bau vor-anschritt, desto mißmnthiger war der Meister.Todesgedanken bemächtigten sich seiner. MitSchrecken dacht er an die Stunde, welche ihnmitten in seinem Berufe vor der gänzlichenVollendung des hohen Werkes von der Erdeabberufen könnte. Oft saß er in der Abend-dämmerung, wenn Steinmetz und Gesellen schonlängst Feierabend gemacht, in stillem Brüten aufdem Gerüste. In dem Hause bei Weib undKind wurde es ihm zu enge und zum erstenmalseit langen Jahren ging er Abends wieder indie Herberge.
Hier ging es seit einigen Tagen hoch her,denn ein fahrender Magister war eingekehrt,um den sich Abends Alles versammelte. Eswar ein vielgereister Mann, wohlgeübt inernsten und schaurigen Geschichten. Wenn MeisterGerhard zugegen war, dann lenkte der Fremdedas Gespräch auf Bauwerke, die er alle gesehenhatte, aber keines, sagte er, kann sich mit demTempel zu Cöln messen, der alles übertrifft.
Meister Gerhard gewann durch diese undähnliche Reden den Fremden lieb und bald