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„Freund Saladin, so gib auch Du mirjetzt einen Rath!"
„In welcher Sache?"
„Daheim habe ich ein liebes Töchterlein,das nun, dieweil ich von ihm bin, hold undstattlich zur Jungfrau erblüht ist und vielumworben wird von den Ersten und Mächtigstenmeines Landes, wie ihre Mutter, meine treueund sorgsame Hausfrau mir in einem Send-schreiben vermeldet. Nun sage, wem soll ich sievermählen, denn Du kennst die Herrn allesammt,da wir oft von ihrer hohen Geburt, ihrerWürdigkeit und mannichfachem Anspruch ver-handelt haben, wenn wir zusammen saßen.Sage mir, welcher wird mir der würdigsteEidam sein?"
„Du fragst mich in einer schwierigenSache, Freund Rothbart," erwiederte daraufnachdenklich der Sultan, „in der wohl oftbestgemeinter Rath mit Undank gelohnt wird.Aber da Du mich fragst, so will ich dir treulichmeines Herzens Meinung sagen. Wähle den,der zumeist ein Mann ist unter deinen Unter-thanen und zählte er auch an Geburt, Machtund Reichthümern nicht zu den Ersten. VieleDeiner Herrn und wohl die Besten habe ichgesehen und auch beachtet, als wir damalsvor Salem lagen und oft zur ernsten Fehdeaneinanderkamen. Sie waren männlich undtadellos, aber Einen habe ich gesehen, der mirbaß gefallen hat, denn Alle, und den ich wohlselbst zumEidam nähme, wenn er mit sothanerBitte bei mir anklopfte."
„Wer ist der?" fragte aufmerksam derKaiser.
„Er war dazumal nur ein Edelknecht,aber ein vortrefflicher junger Kämpfer, hatteseine Augen und Hände überall, wo es Roththat, und hat gar oft wieder gut gemacht, wodeine Krieger es versehen hatten und in Be-drängniß waren. Manch Fähnlein, das deinenFahnenträgern im Getümmel und Andrangmeiner Saracenen entfallen war, hob er wieder,daß es lustig flatterte, mir wohl zum Verdruß,daß ich ihn gerne erlegt hätte. Aber ich hatteauch Freude an ihm und als ich deswegennach ihm fragte, vernahm ich, daß derWackere Guillalmet de St. Cyr heißt. Höre,Rothbart, der ist der Beste von den Deinen,dem gicb getrost deine Tochter, es wird Dirnimmer Leid sein."
„So sei es auch," sagte der Kaiser, „erist von anmuthigen und gar guten Sitten undein Held vom Scheitel bis zur Fußspitze.Darum gefällt er mir und so wird er auch
meiner Hausfrau und meiner Tochter nichtmißfallen. Dein Rath war gm."
Also ließ Rothbart ein Pergament kommen,beschied auch die Seinen zu sich, sagte ihnen,wie er den Casus mit Saladin berathen habe,und auf das Pergament schrieb er: „MitBedacht nun sage ich Dir, liebe Ehefrau,unsere Tochter keinem Anderen zur Ehefrau zugeben, als Dem von St. Cyr, dem EdelknechtGuillalmet, weil er mir und meinem FreundeSaladin dessen vor allen Andern würdig bedünkt.Ich dachte der Sache viel nach und bericthmich ernstlich mit dem Sultan, da hat der demGuillalmet, den er oft und wohl im Kampfebeachtet, mir gar kwchgepriesen und zumEidamempfohlen. Also sei er unserer Tochter Eheherr,wie ich es will."
Der Brief ging ab und kam seiner Zeitrichtig der guten Kaiserin zu Händen. Wohlwar die nun schier erstaunt, da sie des Gillalmetnicht gedacht hatte, ihm die Kaisertochter zugeben, aber dem Willen ihres Herrn untergabsie sich ohne Widerstand, wie es guter FrauenWeise ist.
Sagte also Bertha, die verschämt dastand,was des Kaisers Wille sei, und die wurdewechselweise bleich und roth, denn der schöneJüngling hatte ihr von lange her Wohlgefallen,obne daß sie im jungfräulich reinen Gemüthesich selbst nur es hätte gestehen mögen.
Also wurde Guillalmet zur Kaiserin be-schieden und sie verkündete ihm den Kaiserwillen,daß Bertha ihm rechtlich am Altäre angetrautwerden solle und ohne viel Säumniß.
Da Guillalmet das hörte, verstand er kaumdie Rede, und als er sie verstand, da sie dochklar genug war, wuchs sein Unmuth undKummer gar sehr, denn wie er auch der hold-seligen Kaisertochter mit Herz und allen Sinnenergeben war und sie um ihren tugendlichen Wan-del und hohen Liebreiz hochhielt vor allenJungfrau», so hatte er doch nie vermocht undgewagt seine Augen bis zu ihr zu erheben,also daß sie die Seine würde.
Er bezwang aber seinen Zorn und sagtebescheidentlich und fest: Nicht wird die Tochter,welche den Edlen und Fürsten geweigert würde,mir bestimmt sein von meinem Herrn, dennich bin von geringer Geburt und ohne Ver-dienst, daß ich sie begehren dürfte.. Also lasseteuren Spott, dessen Sinn ich nicht einsehe,denn ich habe ihn nicht verdient um freventlichvermessene Blicke und Worte, als gedächte ichder Minne eures Kindes und der Ehre desKaiserhauses für mich."
Danach wollte er den Saal verlassen, aber