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[1] (1857)
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I

Kaiser Rothbart und Saladin.

Märchen von Ellen.

i

!

Wvn all' den vielen Kaisern, die dasdeutsche Volk zu Herrn gehabt, ist ihm keinermehr an's Herz gewachsen, als der KaiserFriedrich Rothbart, und noch setzt sehnt mansich vielerwärts nach ihm, als daß er wieder-komme und von Neuem das Scepter nehmeüber die Völker. Davon wäre viel zu sagenund ist noch mehr zu schweigen.

So wollen wir nunmehr wieder seiner unserinnern und ein schön Stück aus seinem Lebenerzählen, Jedermänniglich zur Freude, wie esder Volksmund berichtet.

Nach viel Heldenthaten zu Wasser und zuLande war er zuletzt, als er gegen die Heidendas Kreuz genommen, durch päpstliche Heimtücke'gefangen genommen und gar jämmerlich inBanden geschlagen. Davon haben wir gesagtin einem' früheren Buche und auch vermeldet,daß ihn der Lmltan Saladin liebgewonnenwie einen Freund und Bruder. So hatten sieviel Verkehr miteinander, sprachen oft überAllerlei, wje es der Eine sagen konnte und derAndere es gerne vernahm, obgleich nach Kriegs-brauch der Sultan den guten Kaiser gefänglichhielt und halten mußte. Wie zart er dabeigegen ihn war, beweist uns, daß einst an einemCharfreitag Abend, als sie zusammen untereiuerPalme plaudernd saßen, der Kaiser fragte:Höre, Saladin, weßhalb haben heute EurePriester nicht laut von den Minarets zumVolke gerufen, Stunde und Gebet ihm anznsagen,wie es Landes Brauch und Sitte ist? Ichhabe mich des gewundert und wollte dich fragen,daß Du mir Auskunft gäbest."

Freund," versetzte Saladin, indem er stillvor sich hinsah und mit der Säbelscheide Figuren

Märchen und Sagen xil.

in den Sand zeichnete,forsche danach nicht,weßhalb müßtest Du es wissen? Ich hatteeinen Grund dazu, einen Grund, den nur ichselbst weiß."

Sage mir den Grund!" fuhr KaiserRothbart fort.

Nun, da du es doch wissen willst, sowisse es," sprach da lächelnd Saladin,ichthat es um Deinetwillen, Freund Rothbart, die-weil ich vernommen habe, daß es in deinerHeimath und von deinem Christenglauben vor-geschrieben ist, den Tag in Stille und Ruhe,ohne alles öffentliche Geräusch und Glockengeläutzu verbringen, da er eures Herrn und HeilandesTodestag ist. Also wollte ich auch Ln meinerStadt, dich die alte Gewohnheit genießen, unddurch lautes Rufen von den Thürmen nichtstören lassen in deinen Gedanken an eurenChristus, den auch ich sonderlich hochgehaltenhabe und geehrt alle Zeit. Das ist der Grund!"

Darüber drückte ihm der Kaiser dankbardie Hand und schwieg eine Zeitlang stille.Dann dem Saladin in seine edlen, schwarzenAugen blickend, begann er wieder:Ich habees wohl längst erkannt und freudig begriffen,daß wir zwei echte Freunde sind, wie wohl vorGott alle Völkerhirten Freunde sein sollten.In Ehren und deinem Herscherglanze hältst Dumich gefangen, mehr als ich erwarten undverlangen mochte, und wenn ich nicht der tbeurenHeimath darbte, meines schönen deutschenVaterlandes, so möchte ich traun wenig klagen,denn ich lebe nicht wie ein Gefangener, sondernwie ein Fürst und dein Freund. Du hältstmeinen Rath hoch, den ich Dir aufrichtig gebe."

Das thue ich," sprach Saladin dazwischen.

SL