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[1] (1857)
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Tiefer und tiefer neigte sie sich dem Boden zu,indeß Gericus mit seinem Stabe leicht, wie aufFlügeln vorwärts schwebte. Da unten aberwar ein schlammiges Wasser, in dieses sank dieGlocke mit gewaltigem Brausen hinein. Einfurchtbares Getöse schallte aus dem Bodenherauf, als sie versank und schwefelgelbe Blitzeschossen empor. Gericus aber kam wohlbehaltenam Rande des Waldes nieder und schaute mitfrohem Antlitze auf den Pfuhl hinter sich,worin der Teufel mit seiner Glocke versunkenwar. Doch von der gewaltigen Fahrt durchdie Lüfte war sein Körper wie gerädert undein schrecklicher Durst peinigte ihn. Dennoch ver-mochte er nicht aufzustehen, um in seiner Burg denDurst zu stillen. Da schlug er mit seinem Stabeans den Boden und sprach in der Einfalt seinesHerzens: Herr, ich verschmachte, gieb mir Wasser!

Alsbald sprang eine sprudelnde Quelle desköstlichsten Wassers unter seinem Stabe empor,worin er seinen glühenden Mund tauchte undin langen Zügen die erquickende Fluth schlürfte.

Neubelebt erhob er sich. Von dem Bergeund den Bäumen herab aber stiegen die Christen,näherten sich ihm und weinten Thränen derFreude. Auch die Sachsen kamen heran undthaten in seine Hand das Gelübde, Christumzu dienen und den Götzen abzuschwören!

Regenbirg aber, die den glücklichen Aus-gang von den Zinnen der Burg herab mitfrohem Herzen angesehen hatte, kam jubelndherbei und führte den Vater in die Burg zurück.

Nicht lange Zeit nachher zog von CölnErzbischof Willibert heran und weihte untergroßer Feierlichkeit und vielem Gepränge dasKloster ein, au dem der Teufel schmählich zuSchanden geworden war.

Meine Tochter, sprach Gericus zu Regen-birg, was nutzen uns die Güter der Welt,wenn wir sie nicht im Dienste des Herrn ver-wenden, von dem allein Segen und Friedenkommt. Sieh, du bist mein einziges Kind undbesitzest reiche Güter und großes Einkommen:diese Burg mit den herrlichen Waldungen, mitden vielen Leibeigenen, ihren Wohnungen undSaaten gehört dir; dein sind die Weingüterzu Linz, die Zehnten zu Weiderich, zuSomborn und Mintard, auch ein Theildesjenigen zu Pier. Aber ich werde bald vondieser Welt scheiden, und dann wirst du Ge-fahren und Versuchungen ausgesetzt sein, denendu vielleicht nicht zu widerstehen vermagst. Bringenwir darum bei Zeiten unser Heil in Sicherheitund bergen uns in dem neuen Kloster, wo dieHand des Herrn schützend über uns walten wird.

Liebere Worte hätten für Regenbirg nimmeraus dem Munde ihres Vaters kommen können,denn seit sie Mit Hammer und Kelle den Grund-stein batte legen helfen, waren ihre Gedankenstets dahin gerichtet gewesen, dort in Ruhe undAbgeschiedenheit ihre Tage zu beschließen.

So ließ denn Gericus eine Urkunde auf-setzen, worin er alle seine Güter und seinsämmtliches Einkommen dem neuen Stifteschenkte. Es wurde ihm noch die Freude,Regenbirg, umgeben von der Blüthe derEdeltöchter des Landes, als Abtissin in demneuen Damenstifte wirken zu sehen. Dann aberschloß er für immer die Augen und wurde inder Stiftskirche beigesetzt.

Dort im Schiffe links, unweit des Chores,ruhen in einem erhabenen kunstlosen Stein-sarge, der mit hölzernem Deckel geschlossen ist,noch heute seine Gebeine. Tausend Jahresind darüber hingegangen und immer sind sienoch nicht ganz' vermodert. Das Stift aber,in dem heute die Jugend von Gerresheim unter-richtet wird, hat bis in die neuere Zeit fort-geblüht, und Schreiber dieses' kennt in demfreundlichen Städtchen eine alte Dame, diesich noch sehr deutlich, nicht allein der Prachterinnert, welche an hoben Festtagen in der mitsilbernenKostbarkeiten geschmücktenKirche herrschte,sondern welche auch noch die letzten Stifts-damen von Angesicht zu Angesicht und mitihren Namen gekannt hat. Sie erinnert sichnoch wie gestern des traurigen Tages, da dasStift säcularisirt wurde und die Damen in ihrHaus einzogen,bevor sie sich in alleWelt zerstreuten.

Der Pfuhl, wohinein der Teufel mit derGlocke sprang, liegt in der torfigen Wiese hinterder Kirche, seine Wasser sind sckwarz, mannennt ihn nur den schwarzen Teich, undes geht die Sage, in jeder Nenjahrsuacht töneaus der Tiefe die Glocke herauf, und wer sichzu jener Zeit an den schwarzen Teich wage,könne die einzelnen Schläge genau unterscheiden.

Auch der freundliche Brunnen, den Gericusmit seinem Stabe aus der Erde lockte, ist nochjenseits der Wiese am Waldrande, dicht amWege zu sehen- Unter dem Namen SanctGericus Pützchen bekannt, kommen dieLeute aus weiter Ferne her, um hier zu betenund Wasser aus der Quelle zu schöpfen, demsie eine Heilkraft zuschreiben, die sich besondersbei Hautausschlägen der Kinder bewähren soll.

Für heute scheiden wir von dem liebenGerresheim, um vielleicht später noch die eineund andere Sage zu erzählen, die sich an diesesStädtchen knüpft.