oben bis unten ans versteinerten Muscheln undSeethiercn. Die Wasser sind zurückgetretenund haben viele tausend Meilen Landes blosgelegt, aus denen mehr Kirchen entstanden sind,als mir lieb ist; soll ich mir auch diesen Flecknoch entreißen lassen, wo ich bisher Herr undMeister war? Nimmermehr!
Da loderte Gericus auf, die alteMannes-^ kraft stieg noch einmal in ihm empor, und da
! ihn der Zorn recht packte, streckte er seine Hand
! aus und schrie: Weiche von mir, Satan! Ich
j werde meine Kirche bauen! Und wenn du alle
i deine Genossen zu Hülfe rufest, so sollen sie
mich doch nicht in meinem Werke hindern!
> Ich Weiche nicht, antwortete der Teufel,
denn ich habe Gewalt über dich und dein Werk,und bauest du auch die Kirche bis zur Spitze,so sollst du doch für mich gebaut haben, denndas Haus wird ein Spielhaus I So du aberdeinen Stolz bei Seite legst und eine Wettemit mir eingehst, so kann dir die Möglichkeitbleiben, deinen Zweck zu erreichen, denn es ge-lüstet mich, mit einem Menschenkinde zu wettenund die Möglichkeit des Verliereus, so wie dieHoffnung des Gewinnens soll dem ewigen Einer-, lei meines Daseins einen neuen Reiz geben.
Sieh, du bist als der beste Springer im Lande^ bekannt und kannst ohne Anstrengung über
! drei Pferde wegsetzen. Ich w ll großmüthig
! sein und mich mit dir auf ein Feld begeben,
! wo du nur überlegen bist,
i Gericus hob den Kopf herausfordernd in
I die Höhe uud fragte: Welchen Sprung denn
! bestimmst du?
! Schmunzelnd antwortete der Teufel: Einen
Kindersprung für dich! Wenn dein Bau biszur Spitze fertig ist — natudsns ohne Kreuz—so steigen wir beide hinauf, uud wer dann amweitesten springt, dem gehört das Gebäude,der mag es zu seinen Zwecken verwenden.
Gericus ließ den Kopf wieder sinken undsprach: das ist kein Kirdersprung und Keinerim Lande kann ihn machen, auch ich nicht; dui aber kannst dich vermöge deiner Macht vom
! Boden in die Lüfte erbeben, wie vielmehr also
von der Spitze eines Kirchenthurmes im Fluge! zur Erde hinabgelangen. Mich drückt die
L-chwere des irdischen Körpers, dich aber be-hindert kein Fleisch. Die Wette ist also eineungleiche, bei der ich verlieren muß.j Wenn du weiter kein Bedenken trägst,
gegenredete der Höllenfürst, so magst du demUebelstande abhelfen. Hänge schwere Glocken! in den Thurm, so will ich mir die gewichtigste
! von Allen an's Bein binden. Stärker wird
es mich dann doch zur Erde drücken, als dich
dein dürrer Leib, durch den die Sonne fastscheint.
Das dünkte dem Gericus ein annehmbarerVorschlag und er ging ohne Zaudern darauf lein. Der Teufel aber hob sich mit Lachen vondannen, denn er lebte der Gewißheit, daß erden Ritter weit überspringen werde.
Eine Zeitlang war Gericus nun guterDinge, er pflegte wieder, wie vordem Jagdund Weidwerk, stieg auch fleißig hinab in'sThal, um den Bau zu beschleunigen. Daswäre nun eigentlich nicht nothwendig gewesen,denn von Stunde an ging das Werk fast vonselbst in die Höhe. Es war ein lustiges Bauen,worüber sich die Bauleute selbst nicht wenigverwunderten; kam es ihnen doch vor, als wennüber Nacht von unsichtbaren Händen gemauertund gemeißelt würde und der Bau am Morgenweiter vorgerückt sei, wie sie ihn am Abendverlassen. Es ging allerlei Gemurmel, daßder Teufel mit im Spiele sei, und wenn auchNiemand recht Bescheid wußte, so ging es dochwie mit jeden, Gerüchte: es war etwas Wah-res an der Sache.
Jemehr es indessen der Spitze zurückte,desto mehr verlor Gericus seinen frohen Muthuud seine Zuversicht, denn ihm dünkte, da der !Teufel Kraft über die Herzen habe, so könne iihm die schwerste Glocke kein Hinderniß sein.
Der alte Trübsinn überwältigte ihn abermalsund düstre Schwermut!.) lagerte auf seinemAntlitze. j
Da trat eines Tages seine Tochter Regen- ibirg in sein Gemach, fiel ihm weinend um !den Hals und fragte »ach seinem Kummer. !Endlich erschloß Gericus ihr sein Herz und be- !richtete getreulich alle Nachstellungen, die er vom !Teufel erduldet, so wie auch die Wette, welche !er thörichterweise mit ihm eingegangen. l
Entsetzte sich Regenbirg auch anfangs überdas Gehörte und konnte sie nicht umhin, Thränenzu vergießen, so ermannte sie sich doch baldund suchte den besten Trost aus ihrem frommen,kindlichem Gemüthe hervor: Freilich hat derTeufel Gewalt über die Herzen, lieber Vater,sprach sie, aber nur über die der Bösen; duaber bist gut und gottesfürchtig, folglich kanner an dir und deinem Thun kein Theil haben.
Auch mag mit Gottes Hülfe Rath werden,^daßdu bei dem übermenschlichen Sprunge den Siegdavon trägst. Gehe nach der Insel des heiligenSuitbertus; in dem Kloster, das er im vorigen jJahrhunderte dort stiftete, lebt ein frommer >Mönch, der für alle Gebrechen der Seele Bal- !sam hat und mehr als einmal die Fallstricke des iSatans zu Schanden machte. -