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[1] (1857)
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das väterliche Gebiet. An unserem Heerdesoll jedes Geschöpf Gottes seines Daseins sichfreuen und aus deinen Händen, du Geliebte,soll Milch und Honig in's Land fließen. Meineedle Mutter wird dich lehren, wie ein WeibWaltet in des Hauses Heiligthum. O, sagemir, du Geliebte! daß du freudigen Muth hastmit mir zu gehen. Ja, mein Otto! ich willgetrost mit dir gehen und für dich arbeitenund Gott wird mir helfen, deiner Mutter inLieb und Demuth zu dienen. Otto küßte die^ treuen Worte von den süßen Lippen und in

! Beider Herzen kam ein Gelübde, so fromm,

daß Engel im Himmel sich dessen freuen konntenund als sie an der Kapelle vorüber schritten,stand die Thüre geöffnet und Anna zog leiseden Freund über die geweihte Schwelle. Umden Altar knieten Beide und hoben gemeinsamdie gefallenen Hände im stillen Gebete empor ?und als sie nun voll andächtiger Freude heraustraten, da lag die Welt wieder im Gottes-glanze der Liebe vor ihren Blicken und mitunsäglichem Entzücken betraten sie bald nachherRübezahls Zanberhöhll-

Dort war eine merkwürdige Geschäftigkeit! und der Gnomenfürst trat ihnen entgegen mitden Worten: ich habe Euren Entschluß ver-nommen und es ist mir lieb, daß ihr endlich' Willens seid, den Traum eurer Liebe zur

Wirklichkeit zu verklären, denn mich rufen. nothwendige Geschäfte zur Unterwelt zurück

> und meine letzte Sorge auf diesem Gebirge. soll eure Hochzeit sein; noch diese Nacht kann

ich euer Wirth sein, dann aber müssen wir

verschiedene Wege gehen und ihr werdet in! eure Heimath ziehen. Ick kann der Welt

Händel nicht verstehn und von all dem katho-liscken und protestantischen Wesen wird mirder Kopf wirre; ihr müßt nun selbst sehen,wie ihr damit fertig werdet. Geht, meineKinder und schmücket euch zum Feste.

! Anna betrat ihr Gemach und fand dort

> geschäftige, kleine Zwerge, die einen Anzug

ausbreiteten vor ihren erstaunten Blicken, wieer wohl einer Kaisertochter hätte gefallen

s können. Aus besonderer Galanterie hatte derliebenswürdige König des Gebirges einige

> Elfcnweibchen aus den Harzwäldern zu demFeste verschrieben, denn an seinem Hofe ver-

! richteten nur männliche Diener alle Dienste;

i aber zum Hochzeitstaate schienen ihm weibliche

Hände die geschickteste Hülfe. Wir wissen ja,wie der ehrliche Rübezahl einmal von einerPrinzessinn bei seinem Rübenzählen über-listet wurde; seit jener Zeit war er wohl den- Frauen gram, dennoch schützte er die Liebe s

und war besonders treuen Herzen zugethauund so gewann er es denn auch über sich,Prinzessin Ilse um einige Hoffräulein zuAnna's Hochzeit zu bitten und die schönenElfenkinder, welche sie gesandt, machten ihr,wie ihm alle Ehre.

Spiegelhell glänzten die Wände vonAnnas Gemach und gaben das holde Bildder Braut vielfältig zurück; mit freudigerHast wurde das lange, schwarze Haar geordnet,dann umkleidete die edlen Glieder ein lichtesGewand von weicher Seide und die schlankenLenden umschlang ein glänzender Gürtel mitkostbaren Spangen; sie ließ die geschäftigenZofen einen Purpurmantel um die Schulternlegen und durch die blitzende Krone von Dia-manten und Rubinen das duftige Grün derMyrthe schlingen wie war das Hirten-kind so schön, so königlich geschmückt!

Liebliche Musik erklang, ein Chor vonBergknappen stieg aus der Tiefe, mit HellemSpiel; die kleinen Musikanten paukten so wackerund bliesen so freudig, als sollte die Welt vollwerden des hochzeitlichen Klanges. Aus denLüften senkten sich der Vögel leichtbeschwingteSchaaren, wie mensckliche "Stimmen tönte derDrosseln und Meisen frohes Pipen, die Lerchewirbelte in dem künstlichen Sonnenlichte, wasRübezahl ohne Gas bereitet hatte und eineStimme drang so klar und kräftig aus demVögelchor, mit so himmlischer Gewalt, alswäre vor dreihundert Jahren schon Jenny Lindeine verkleidete Nacktigall und in RübezahlsCouzerten Prima Donna gewesen. Der Kukukregierte den Tact, sogar die Unken sangen herz-ergreifende Solos und die Eule brummte stoß-weise in die Baßpartien hinein, wenn ihr sonstauch der Lärm ein wenig zuwider war. Amlieblichsten standen die Blumen im Hochzeit-glanze. Ein Lilienkelck bot sich der Nachtigallzum Sitze dar und alle Waldblumen reichtensich die Blüthenbändchen und bildeten an-muthige Kränze, wehende Guirlanden undliebliche Ehrenbogen für das hochzeitliche Paar.Das Gestein ließ seine verborgensten Aderndurchschimmern und auf den Boden streutendie Zwerge Goldstaub, Silberglimmer undKobald, so daß nimmer ein Blumenteppich soglänzende Farben trug. War es die Nachtigalloder sang ein Engel der beglückten Anna?

Der Segen thaut vom Himmelsthron,

Es naht der Augenblick,

Wo treuer Liebe GotteslohnDir mit der heil'gen MhrthenkronDarbietet Erdenglück;

Tritt ein, du liebes Menschenpaar!

Die Liebe zündet den Altar.