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[1] (1857)
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finden können und ich glaube, das ist auchrecht gut so; denn wüßte man das genau,wahrhaftig die Hampelbaude stand nicht mehrso malerisch einsam unter den Felsen und eswäre dann vor reisenden Engländern nichtauszuhalten im Gebirge und alle unglücklichLiebenden liefen Tag und Nacht an den Teichenauf und nieder und riefen Rübezahl!--Rübe-zahl!! An ordentliche, kirchliche Trauungenund Hochzeiten in der Familie, mit Vetternund Basen, wäre gar nicht mehr zu denkenund die Pastöre, katholisch und evangelisch,müßten aus Staatsmitteln entschädigt werdenfür die verlornen Sportel-Gelder.

Doch, laßt mich zu Ende erzählen. Also:Johannisfest war es auf Erden, auch bis zuden höchsten Regionen des Riesengebirges stiegder stmge Sommer empor und steckte seineRosenfahnen auf Weg und Stege. Die Flieder-tranben dufteten und der rothe Fingerhutleuchtete durch das Grün der Gesträuche undneben dem grauen Gestein wie brennendeHochzeitkerzen. Die Eichkätzchen sprangen vonAst zu Ast, Turteltauben girrten von allenBaumwipfeln und Bienen schwärmten über dieHaide. Es war ein wonniges Singen undSummen, ein inniges Brüten, Leben undWeben aller Orten und Otto schritt mit seinersüßen Anna wie ein glücklicher König durch diesommerlich prangende Wildniß.

Die Liebe hatte nun alle Bedenken desholden Kindes vom Gebirge überwunden;schon mit den Augen des Leibes sah sie, daßOtto's zierlicher Fuß mit elastischem Tritt sichbewegte und in seinem weichen Gelock suchtenihre liebkosenden Hände vergeblich nach einerhornartigcn Verhärtung; wie viel mehr aberströmte aus des Geliebten redlicher Seele ihremoffenen Sinne Nahrung des Geistes, unbe-kannte Schätze des Wissens, zu. Wenn auchder junge Ritter mehr noch dem Waffendiensteund dem Waidwerk obgelegen, als gelehrtenStudien; so war doch die "Burg seiner Vätervon jeher eine Freistätte der Dichtkunst gewesen;Ulrich von Hutten hatte oft den feurig hor-chenden Knaben belehrt und auch in dem dickenPedanten, der so gewissenhaft gegen seine un-statthafte Vermählung mit Anna geeifert, saßein ganzer Bienenstock von Gelehrsamkeit, dessenHonigseim wenigstens die Lippen des Jünglingsgekostet. Und so redeten die beiden Liebendenin den langen Sommertagen über mancherleiDinge; o, wer es weiß, wie schnell eine Frauen-seele wachst, wenn Demuth und Vertrauen in. ihr zu dem 'ehrer aufblicken, dem wird es- nicht erstaunlich sein, daß Anna, die klug war

wie alle unverdorbenen Bergkinder, in kurzerZeit mehr lernte, als manche Schüler in vielenSemestern, wenn sich das letztere Wissen undKönnen auch um andre Dinge handelt. Diekirchlichen Streitigkeiten wurden unter denBeiden auf das Lieblichste geschlichtet undwenn die schlanke Jungfrau so edelstolz undanmuthig an Otto's Seite durch des WaldesHallen schritt und oftmals ein Kranz in ihrenLocken blühte, so schien es dem Grafen, alskönne keine Fürstentochter ebenbürtiger in dieReihe seiner Ahnen treten, wie dieses Kind desRiesengebirges und in der heiligen Geschichte,wo die niedrige Magd, die Jungfrau Maria,den Heiland, den hohen Herrn der Welt ge-! boren, lag für Beide ein Zeichen, daß Gottes^ Segen vorzugsweise auf die Stillen und De-> müthigen herabströme.

! Am Tage vor Johanni hatten Beide sich! auf ihren Wanderungen weiter gewagt, als! sie sonst zu thun pflegten und so erblickten sie! auf einmal die Hampelbaude, die ihnen alsder Ort der ersten Begegnung geweihet war,trotz aller dort erlebten Drangsale. Aber wieschaurig lag da^ Bild vor ihren Augen! Alswäre der lichte Tag auf einmal grau gewordenund die goldne Sonne eine bleierne Kugel, soschwer ruhte die Luft über der Hütte, diesonst in Otto's Augen ein Verklärungsglanzumgab, als noch die Liebe darin haus'te.Mit einem Besen in der hoch gehobenenFaust stürzte gerade die Wirthin heraus undscheuchte die Schweine fort, die sich dem Heerdegenaht, die Hühner spreitzten gackernd ausein-ander und der Hund bellte mit heiseren Tönen! an der Kette. Michel lag betrunken von! Brandtwein auf dem Miststroh vor der Thüreund der Alte saß mit gefaltenen Händen auf! einem Holzblocke und gähnte so laut, daß es! in «die unheimlichen Töne der ganzen Umgebung^ als würdiges Solo einstimmte.

! O, wie entgeistet ist die Natur, wenn! nicht der Glanz der Liebe, der Hauch der! Poesie auf ihren Werken ruht! und wie! entflieht ihr Segen vor dem gottlosen Thun^ unreiner Menschenhände! Otto und Annafühlten mit einem Herzschlage diese Wahrheit,! sie sanken sich innig in die Arme bei dem An-blick dieser Verwilderung und eine Thräneperlte über des Mädchens lieblich erbleichendeWangen.

Sei ruhig, mein Kind l tröstete der Freund,ich will dir den Garten sorgsam pflegen, indem dn wandeln sollst laß uns ausbrechennach meinem lieben Waldschloß, zu lange schonüberließ ich der Mutter allein die Sorge für

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