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Täusche dich nicht, mein Sohn! die Liebeist ein flüchtiges Glück der Erde; die Pflichtaber ein Gebot des Himmels; der Mai ist nurein Monat des Jahres, aber die Saat mußreifen, der Herbst bringt die Früchte und derWinter bedarf des fromm gepflegten Segens.
! Du bist deinem Stamme eine Mutter schuldig,
^ die sich nicht Ni schämen braucht unter den
Ahnen deines Hanfes und niemals wird dieKatholikin an dem alles Schmuckes beraubtenj Altäre deiner Kirche beten können.
Anna betet zu dem Gott der Liebe, der, seine Sonne aufgehen läßt über Gerechte und
! Ungerechte und ich will mit ihr die Gottes-
j mutter um ihren Segen bitten für unfern Ehe-
bund O, nehmt Euer Wort zurück, undberedet meine Anna zu dem Bunde unsererHerzen!
Glaube mix, mein Sohn! ich verstehe dieLiebe mehr als du denken magst, ich habe ge-liebt wie du, und es dennoch vermocht, demPriesterdienste der heiligen Kirche zu opfernund die Geliebte meiner Seele lebt als Aeb-tissin im Kloster der Franziskanerinnen zuBreslau und ihre Gebete vereinen sich mitden meinen an Gottes ewigem Throne. —Was mir ein Segen geworden, sollt es zuschwer sein für deine junge Kraft? —
! Tief bewegt drückte Otto des greisen
! Erzbischofs Hand au seine Lippen, doch sein
! Herz zuckte in heißem Schmerz, als er nach' seiner Anna blickte, die gesenkten Hauptes
! dieser Unterredung zuhörte. ' Sprich du, mein
, Engel, für unsere Liebe! flehte endlich der
, zagende Jüngling.
! Da erhob die liebliche Anna den Blick
l zu der Ehrfurcht gebietenden Gestalt des
§ Kirchenfürsten und mit dem innigsten Laut
j ihrer leisen Stimme bat sie um den Segenseiner Zustimmung.
Ach! jedes Geschöpf Gottes sucht seineeignen Wege nnd wie die Natur die Vögel! der Lüfte nnd das Wild im Walde leitet, so^ gebietet mir das Herz, was ich thun soll; ichgestehe, hochehrwürdiger Vater! daß mir Ottolieber ist wie Alles im Himmel und auf Erden— ich kann nicht anders — o, sagt es mir,daß ihr nicht zürnt — laßt mich auf Gottesgnädigen Schutz hoffen.
So sprach das herzige Mädchen und dalegte tief bewegt von der anmuthigen Unschulddes Hirtenkindes der Erzbischof seine weißenHände auf die Häupter der Liebenden undsegnete sie: der Herr segne euch und geb' euchseinen Frieden I Gehet hin und Menschen sollen. nicht scheiden was Gott verbunden! —
Und sie gingen hin, die Gesegneten, Ottomit jubelndem, Anna mit erleichtertem, seligberuhigtem Herzen. Und als sie nun demSchutzgeist ihre Liebe, dem guten Rübezahl er-zählten, was der Erzbischof gesagt, da war esrührend, wie der Gnomenfürst'sich bemühte,dem isinn der ganzen Sache nachzuspüren; erwußte in seiner Geisteratmosphäre so wenigvon den Famen der Erdenwelt wie von denDogmen der Kirche, daß er zu keinem Resul-tate kommen konnte in diesen Betrachtungen.
Er blitzte und donnerte um die Schneekoppeherum und dachte bei sich selbst: da werdeeiner klug aus dem Gewäsche der Menschen-kinder; wie ist doch die Wahrheit einfach! —
„Was paßt, das muß sich runden,
„Was sich versteht, sich finden,
„Was gut ist, sich verbinden,
„Was liebt, zusammen sein." —
Und als nun endlich auch Franz angerittenkam mit dem mütterlichen Bescheid, da wurdeder ganze Handel erst recht verwirrt, dennes stand neben aller Liebe und Güte desMulterherzens so viel von adlichem Branche,kirchlichem Gesetze, Heilighaltung der Sitteu. s, w. in dem Briefe, daß Rübezahls Fassungs-kraft nicht ausreichte zum rechten Verständlich;er wußte keinen andern Rath als an demHandgreiflicken, Augenscheinlichen sich zu halten;an dem faktischen Beweis der Liebe und rasch,wie er sters zu handeln pflegt, wenn dertrotzige Zorn ihm in die Krone steigt, beschloßer allen Präluminarien ein Ende zu machenund die Johannisnacht des Jahres 1580 zum jZeitpunkte der Hochzeitsfeier des Graten Otto ^mit der Tochter der Hampelbaude zu bestimmen.
Die Vasallen seines Reiches berief er alsbald !und alle Hände waren thätig zur Verherr-lichung des Festes. Und das war ein Fest! !
— recht nach dem Herzen Rübezahls, und der i
Dichter, welcher diese ganze Historie nieder- zgeschrieben, ist gewiß dabei gewesen, denn heute !noch weht es mich aus den alten Blättern an,wie lauter Rosenduft und wie Johannisfunken jschwärmen die Buchstaben einen Zauberreigenauf dem vergilbten Papier. So siegesfreudig >und zuversichtlich ist der ganze Ton, in dem !er das Fest im Riesengebirge niederschrieb, !daß ich Alles glaube und nur den Wunschhabe: es möge jedem treuen Paare eine so §goldne Hochzeitnacht beschieden sein! >
Wo eigentlich der Schauplatz dieser Hoch-zeit gewesen, das Hab ich nicht recht ermittelnkönnen; die besten Wegweiser durch das Riesen-gebirgehaben jene Zauberhöhle niemals wieder ;
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