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[1] (1857)
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den Boten zu stch beschied und ihre feine Handmit mütterlicher Hast den Brief entfaltete, dener vom lieben Sohn ihr überbrachte. Wohllegte sich das edle Gesicht der hohen Frau inernste Falten, nachdem sie den Bericht desSohnes gelesen doch Frau Gertrude trugein so freisinniges Gemüth in der Brust undihr waren der Liebe wundersame Launen keinRäthsel. Alsbald beschick» sie den Burg-Geist-lichen zu sich und legte dem Otto's Begehrenan's Herz.

Seine HochEhrwürden, der Magister Tre-viranius, waren ein eifriger Zelote im Wein-berge des Herrn und seine korpulente Gestaltrichtete sich hoch auf bei dem Lesen des Briefesund mit der Geberde eines Beschwörers trater vor die sinnende Herrin und begann folgender-maßen seine wohlgesetzte Rede.

Verzeiht, edle Frau Gräfin! der HerrJunker sind auf einer schlimmen Fährte undes ist meines heiligen Amtes schwere Pflicht,aus die Gottlosigkeit dieses Liebesbundes auf-merksam zu machen. Was soll die Hirtendirnein dieser gräflichen Burg? wie gehört dieKatholikin an den Tisch der Erleuchteten?

Ich bitt' euch edle Frau! steuert dem Unfuge,wehrt euch gegen ein solches heilloses Ansinnen!

Was soll aus den glorreichen Worten derReformation werden, wenn seine edelstenJünger sündigen gegen die Gebote der neuenKirche? Ich werde nimmer den Segensprechen über einen Ehebund des jungen Grafenmit einer katholischen Braut und Ihr werdetEure Mutterrechte über den minderjäyrigenSohn nicht vergessen!

Ich werde nicht vergessen, daß der MutterSorge des Kindes Glück ist und meiner Rechtemich dazu bedienen, ihm das nach meinen Kräf- !ten zu begründen; auch Hab' ich das Zutrauen !zu meinem Sohn, daß sein Herz weiß, was zu >seinem Wöhle dient und wenn Ihr, ehrwürdigerHerr, euren Segen versagt, so werd' ich hoffent-lich einen anderen Priester finden, dem derZug des Herzens mehr gilt, als die Dogmender Kirche. Jedenfalls will ich selbst dasMädchen sehen, welches Otto seine Brautnennt und ich befehle euch diese Braut so zuempfangen, wie es dem Geistlichen meines Hausesgeziemt.

Doch der ehrwürdige Magister Treviraniuserkühnte sich zu der Bemerkung:man mußGott mehr gehorchen denn den Menschen"undich wasche meine Hände in Unschuld"über diesen Greuel.

Nach diesen, aus der heiligen Schriftgeborgten Redepfeilen, winkte die Gräfin ihre

Entlassung, der Magister trat zurück undsinnend weilte die Burgfrau noch lange inihrem Closet, schrieb dann im Sinne ihrereignen Ansicht ein Antwortschreiben an denSohn und entsandte den Franz damit zurückgen Schlesien. °

Die Wochen, welche zwischen diesem Hin- !

und Herreiten des Liebesboten lagen, ent- !

flohen den Liebenden unter Rübezahls Schutz ^wie ein Sommernachts - Traum. Vor derBeredsamkeit des Geliebten verstummten AnnasBedenken leicht; doch konnte der protestantischeOtto nicht so schnell die zarten Einreden der !frommen, katholischen Anna überwinden und jals in dieser Zeit der Erzbischof von Breslauin der Annakapelle zur heiligen Handlung derFirmung erschien, verlangte auch sie Theil zuhaben an diesem Gnadenacte ihrer Kirche undOtto selbst geleitete die Geliebte bis zu denStufen des Altars, sogar der Berggeist hülltesich in seine Jägertracht und verschmähte nicht,mit seinem lieben Schützling das stille Gottes-haus zu betreten.

Otto bat um Gehör bei seiner Eminenzund der Prälat gestattete gern dem edlenSohne des rühmlich bekannten Hauses dieseAudienz. Auf der Höhe menschlicher Bildungund geistlicher Würden verschwinden gewöhn-lich die kleinlichen Bedenken und der freisinnigePrälat hörte mit Aufmerksamkeit dem jungenGrafen zu, was er von seiner Liebe ihm mit-zutheilen hatte. Seiner erhabenen Seele warendie heiligen Gesetze der Natur nichr fremd undeine Thräne des Mitgefühls feuchtete seinklares Auge, als er den Jüngling anhvrtc, derin dem Hirtenkinde die Erwählte seines Herzensihm vorstellte. Mit würdevoller Beredsamkeitentrollte er dem Liebenden das Gemälde derWelt und ermahnte ihn: nicht die eignenWünsche höher zu stellen, als uralte Rechteund heilig gehaltene Sitten es erlaubten; odergar die Gebote der Kirche gestatteten. Glaubemir, mein Sohn, sprach er, in der Entsagungschwerem Opfer liegt ein Segen, der kräftigerist, als jede Erfüllung selbstsüchtiger Wünscheund Gott selbst hat die Schranken der ver-schiedenen Stände angeordnet und seine Kirchebestellt, diese Ordnung zu wahren. Es istmeine Pflicht, dich zu ermahnen, nach einerebenbürtigen Gemahlin dich umzusehn und diefromme Anna nicht der mütterlichen Kircheund ihrem stillen, friedlichen Leben zu entreißen.

Nein, Eure Gnaden! Gott selbst hat derLiebe heilige Flamme in unseren Herzen ent-zündet und auf seinen Schutz hofft meine Seele,wenn ich muthig und getreu diesem Glauben folge. -