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[1] (1857)
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Betroffen blickte der treue Klaus dasMädchen an und berichtete, was er von Ottowußte, doch nicht im Sinne des Paters; wieein Freund sprach er von den ehemaligenSpielkameraden, aber bestätigen mußte er, alsAnna auf sein Gewissen die Frage stellte; daßOtto ein Grafensohn , ein Protestant sei, wieKlaus selber. Er meint es redlich, betheuerte^ der verschmähte Liebende, ihm dürft ihr euch

j anvertrauen, er ist eurer Liebe würdig.

> Anna hörte still dem Berichte zu, dann

winkte sie gebietend den armen KlauS vondannen und ging nun händeringend über dieBerge und verzweifelte an Gott und der Welt. Nicht des Paters Schreckensworte, nichtdes Freundes Rede machten ihr den Geliebtenverdächtig; aber in ihrer eigenen Brust ent-stand ein Kampf, der die junge Saat des

Glückes niedcrtrat und ihren klaren Sinn ver-wirrte. Rathlos stand sie dem Ungeheuren

gegenüber jedenfalls war ihr Otto ein Be-trüger wozu denn die Mummerei? das

Verbergen der Wahrheit vor der Geliebten? Was konnte die fromme Katholikin voneinem Protestanten erwarten? dessen Bild

? ihr Herz gar nicht zu fassen vermochte! Das

! arme Hirtenkind! Wer sollte ihre Seele

! retten aus diesem Wirrsal? Der Geliebteein Betrüger der Beichtvater ein widerlicherGegenstand ihres Entsetzens die Pflegeelternerzürnt der verliebte Michel! O heiligeJungfrau! wie sollte das enden, was ist dennwahr? was ist recht, das ich thun soll? - -So rief das geängstetete Mädchen und trostloslief sie immer weiter über die Berge. Dablickten ihr in der Nähe von Seidorf die stillenTeiche so lieblich glänzend entgegen, die unter-sinkende Sonne nialte flüssiges Gold über denWasserspiegel und das Schilf am Ufer flüstertei tröstlich durch die sanfte Abendstille. Anna's

! Wangen brannten in Fieberhitze, ihre Seele

lechzte nach Kühlung und Ruhe und mit einemSchrei, der herzzerreißend durch die heiligeStille drang, stürzte sich die zu Tod Gehetztein die klare Fluth und die Wellen schlugeni über ihrem Haupte zusammen.

> Rübezahl I wo bist du? Gott sei Dank!

! Dort schreitet er mächtig auf den Teich

zu, er hatte den Liebling nicht aus den Angengelassen, der alte Jäger tauchte in die Tiefe,holte die Versunkene herauf und trug mitstarken Armen die Bewußtlose auf des UfersMoos und hauchte neuen Lebensodem in dieerstarrten Glieder. In den Armen des altenJägers erwachte Anna, seine väterlichen Er-, Mahnungen schlugen an ihr Ohr und bald

Märchen und Sagen xi.

erblickte sie sich weich gebettet in einer Felsen-höhle des Gebirges neben der erwärmendenFlamme eines Heerdes, welchen der Berggeistherbei gezaubert und Alles erschien ihr wieein Traum.

Nein, es ist nicht wahr! bebten ihre Lippen,es ist nicht möglich o, sage mir du lieber,alter Mann! nicht wahr? Alles ist Lüge,Täuschung Otto ist gut Otto hat michlieb, er ist treu wie Gold und der Pater

Der Pater ist ein Teufelsbraten I brummteder alte Jäger und dein Otto ist ein lieber,goldner Junge, und du bist mein Kind unddu sollst glücklich werden, so wahr ich derRübezahl bin ja, der Rübezahl! sprachder Jäger mit erhöhtem Tone, und vor dererstaunten Anna wölbte sich die arme Felsen-höhle zur weiten Halle und des Jägers Ge-stalt umwallte der Geistermantel und eineKrone blitzte in den dunklen Locken des er-habenen Herrschers vom Riesengebirge. Seiruhig mein Kind! sprach Rübezahl zu demMädchen, ich bin dein Freund, dein mächtigerFreund und wenn ich auch nicht weiß wasdich in die Fluthen trieb ; wenn ich auch mancheDinge im Menschenleben nicht begreifen kann,so bin ich doch stark genug, um deine Liebe zuschützen und den Freund deiner Seele herbeizu rufen, damit er allen Kummer dir stille.Sei getrost, meine Tochter! erhebe dich vondeni kalten Boden, zeige meinen Vasallen einfreundlich Angesicht.

Und Rübezahl blies in sein goldnes Hornund alsbald füllte sich die glänzende Halle mitGnomen und Zwergen, die trugen geschäftigreiche Teppiche herbei, ordneten duftende Ruhe-betten und bereiteten ein köstliches Mahl fürdie neu belebte Anna und den freundlichenKönig des Gebirges.

'Wie drückender Nebel wichen die Zweifelaus Annas kindlicher Seele, bald stand siewieder rosig und frisch auf ihren feinen Füßenund freute sich wie ein Kind über alle Herr-lichkeit, die sie umgab. Und siehe, auf einmalwallten die Pnrpurfalten des Vorhangs vondem Eingänge zurück. Otto trat herein, ge-rufen von des Geistcrfürsten leisem Gebot.Vor der glückseligen Anna kniete der Erstauntenieder und nach kurzer Unterredung hakte allesBangen und Zweifeln ein seliges 'Ende.

Ueberlassen wir die Beiden dem SchutzeRübezahls und folgen dem bedächtigen unddoch so unbesonnenen Liebesboten, dem ge-schwätzigen Franz nach der fernen Harzburg.

Der Thürmer hatte kaum die Zugbrückeniedergelassen, als auch schon die Burgherrin

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