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[1] (1857)
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! Rechten dir schon herbei rufen fürchte dichnicht! ich will euer Wächter sein.

Und ehe noch Anna sich besinnen konnte,war der Alte in den Wald geschritten, wo er^ alsbald den Jägerburschen auf dem Pirschgangefand, wenn er auch alle Rehe laufen ließ undnur an die eine weiße Hindin dachte, der er! nachzujagen trachtete, über Stock und Stein!

! Höre mein Junge, sprach der Alte zu ihm,

du thätest wohl daran, wenn du hinauf gingstzu der Weide und das Mädchen tröstetest, demdu gestern Abend das Unheil herbei gerufen

hast mit deinem dummen Geblase-sieh

mich nur nicht so blitzig an ich mein' esgut mit euch und es ist Zeit, daß ich für euchsorge. Aber höre du junger Fant! wenn duSchelmerei treibst mit dem Engelskinde, dersüßen Anna, so hast du es mit mir zu thun;i denn ich habe das Mädchen lieb und sie sollso glücklich werden wie auf diesem rauhenErdball nur ein Menschenkind sein kann. Undnun mach' daß du fort kömmst!

^ Otto wußte nicht was er von der Rede

des Graubartes denken sollte doch ein rich-tiger Jnstinct des Herzens sagte ihm, daß erj einen treuen Rathgeber vor sich habe rasch! drückte er dem Waidmann die Hand und eilte> hin wo er die Anna zu finden hoffte.

! Alsbald börte er die Kühglocken läuten

und als er nun auch das Mädchen erblickte,die sinnend und ernst auf einem moosigenSteine saß, da stürzte er freudig zu ihr undsein Heller Morgengroß weckte die Jungfrauaus ihren schmerzlichen Träumen.

Um Gott, wo kommt ihr her? rief erschrockenAnna, und dock hatte sie nur an ihn gedachtund mit allen heißen Wünschen der Liebe ihnherbei gewünscht!

! Der alte Jäger, den ich für deinen Freund

^ halten muß, schickt mich, antwortete Otto und^ ich hoffe, du erlaubst daß ich dich frage, warum! stehen Thränen in deinen Augen? was! ist dir?

! Vor dem leisen weichen Ton, mit welchem

der Jäger fragte, bebte Annas Herz, sie senktedas liebliche Angesicht tief in ihre Hände undein heftiges Schluchzen löste die Angst ihrerSeele. Otto kniete nieder vor dem weinendenKind und flehte: liebe, liebe Anna! sei gut, sagemir was dich betrübt? ich habe dich so, lieb es soll Niemand dir ein Leid anthun.! Da erhob Anna ihr holdes Gesicht empor

und machte eine so bittende Geberde und sprach. in fliegender Hast die Worte: o, geht von mir,

! lieber Herr! ich darf euch nicht Wiedersehen,

- meine Pflegeeltern zürnen mir um euch und

ich soll-doch die Stimme versagte ihr !

weiter zu reden und Otto sprang auf und rief >

mit starker Stimme: du schickst mich fort! >

ich soll dich verlassen? und an keinem :

Ort in der Welt möcht' ich lieber sein, als i

bei dir und du hast keinen bessern Freund als !mich, den du fortschickst und der dich doch überAlles liebt! ^

Anna richtete die großen Augen klar undfragend auf den Jäger, der aber hielt den >

reinen Blick sieghaft aus und sprach mit dem i

Ausdruck der Wahrheit unv der innigsten Liebe !

weiter zu dem horchenden Mädchen: ja, du :

Engel! vergönn' es mir, daß ich dich liebe, !

sage mir daß du mein sein willst und dann !

sollen deine Pflegeeltern dir nicht mehr wehe s

thun und gegen die ganze Welt vertheidige j

ich den höchsten Schatz meines Lebens. ;

Anna, liebe Anna! höre mich um deinet- !

willen bin ich hier, um dich jag' ich im Ge- >

birge dich wünsch' ich zum Weibe dirgcb' ich mich ganz zu eigen verstoß michnicht! s

Da streckte das Mädchen die lieben Hände !

aus nach dem Jüngling und der zog sie an j

sein Herz und küßte ihr Mund und Augen -

und sie schluchzte an seinem Halse und Beideumfingen sich und tauschten Seel um Seele jim zärtlichsten Kuß der Liebe.

Und als sie nun endlich sich besannen .

und gegenseitig Alles erzählten, was der Augen- <

blick nothig machte, da ging den Beiden schnelldas rechte Verstänvniß aus und ihre Herzenloderten auf zum festen Bunde und Ottowußte alsbald was er zu thun habe.

Vertraue mir, du Geliebte! flehte derJüngling, halte dich kurze Zeit nur geduldig ^

und stark, ich komme bald zu deinen Pflege-eltern und fordere dich ehrlich als mein Weibvon ihnen; jetzt muß ich fort, aber du bistmein und hier nimm einen Ring zum Zeichen, !daß ich dein Verlobter bin und nimmer von idir lasse. Und somit streifte er den gräflichen iSiegelring vom Finger und steckte ihn der §Braut an die Rechte und küßte sie noch ein- I

mal und floh dann wie ein Hirsch in den ^

Forst und drückte eine Tanne in seinen Armen !und jauchzte Gott, allmächtiger Gott! ich !danke dir!

Bald hatte Otto seinen Franz erreichtund sagte dem in bestimmtem Ton: geh', duGetreuer! nimm das schnellste Roß und eilezu meiner Mutter, bring ihr diesen Brief und !sorge, daß auf der Burg Alles zum Empfangemeiner Braut bereitet wird. !

Franz aber nahm kopfschüttelnd den Brief -