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[1] (1857)
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mehr, als die Unart ihm hatte wehe thunkönnen; sie lachte frühe schon über das täp-pische Wesen des Dummrians und fand stetsvor seiner Roheit Schutz in der väterlichenZuneigung des Oheims; wenn auch die Tantejede Untugend ihres einzigen Sprößlings,ihres Herzblattes, zu beschönigen suchte.Dann kam auch ein Pater aus Breslauoft zu der Hampelbaude und sorgte für diearmen Seelen auf dieser Bergeshöhe; dermachte sich auch viel zu schaffen mit der schö-nen Anna und es war gerade kein väterlicherBlick und Händedruck, mit welchem er dasfromme Kind segnete, das so demüthig vordem Ordenskleide niederkniete.

Diesen PaterLutz", wie die Bauern ihnnannten, hatte Rübezahl besonders in Affec-tion genommen; der konnte im Bereich derHampelbaude nicht eine Viertelstunve ruhigseinen Weg gehen, sicher lief ibm ein Haasezwischen die Beine, oder eine Wurzel strecktesich weithin und zerrte an dem Gewände desEhrwürdigen und machte den heiligen Mannängstlich stolpernd, oder brachten ihn gar zumFalle. Auch fand er stets die gesprächigeWirthin statt der lieblichen Anna zu tröstenund einmal sogar war der Riegel an derZimmerthüre von außen vorgeschoben, als derdünne Pater und die dicke Wirthin bei einemGlase Branvtwein, bei Käse und Brod ihregottseligen Gespräche führten und kein Andererals Rübezahl konnte das thun, denn die ganzeBaude war leer und Rübezahl hatte geradedem Jäger Otto die Anna gezeigt,, die Küh'und Ziegen hütend am sonnigen BeriMine saß.Der Pater beschloß geängstet seinen Rückwegdurch das Fenster zu nehmen und als er seinelangen Beine heraus streckte, erhob der Ketten-hund ein Mordspectakel und der Wirth eiltemit einer Mistgabel herbei und ließ betroffendie Waffe sinken, als er den ehrwürdigenPater Lutz durch die Lust voltigiren sah.Otto und Anna thaten auch nicht wasman Beten nennt; aber ihre Blicke ruhtenselig in einander und in den jugendfrommenHerzen lebte und webte des Menschenlebenshöchstes Entzücken. Sie sprachen nicht vielzusammen, doch als der Abend herauf dämmerteschien es ihnen als hätten sie einen schönenAugenblick lang geträumt. Beide mußtenheimkehren zur Baude und zum Jägerhauseund eben strolchte der Pater vorüber, als siezum innigen Abschied die Hände sich reichten.Der Klostermann bekreuzte sich, während OttosHund laut bellend zu ihm hinsprang und einenFetzen aus der braunen Kutte riß und kaum

beschwichtigt werden konnte von dem Zurufenseines Herrn.

Der Pater ist mein Feind, dachte Otto,bei diesem Hundezorn, denn es war ihm schonbegegnet, daß sein Packan schneller das dro-hende Uebel erkannt hatte, wie er selbst. Dochwas kümmerte den Jäger die Kutte? inseinem Herzen grünte der Liebesfrühling inwonniger Hoffnung und von des Hundesfrohen Sprüngen umtollt, pfiff er ein frischesJagdlied in die goldene Abendluft.

So standen die Sachen bis zu dem Abend,mit welchem unser Märchen begann und diedreifachen Liebeslieder wurden zu einem Wende-punkt in der Geschichte der Hampelbaude.

Als am andern Morgen Anna, rosig undfrisch wie der junge Tag und geschäftig wiedie Martha des neuen Testamentes in dieWohnstube trat, fand sie die drei hohen Häupterder Baude in lebhaftem Gespräch: der alteOhm kratzte sich gerade unter seiner Zottelmützeund der dickmaulige Michel kaute sinnend anden Nägeln, während die Hampclwirthin,kirschroth im Gesicht, den beiden Zuhörerndemonstrirte, sie seien rechte Schaafsköpfe, mitdenen nichts anzufangen aber setzte siehinzu: das will ich doch sehen, wer hier imHause Meister ist und du kommst mir geraderecht, du nichtsnutzige Dirne Du, herrschte sie !der erschrockenen Anna entgegen; sage mir,was ist das für ein Geleier, Gebläse und Ge-sings gestern Abend gewesen? daß mankein Auge zuthun konnte! und wer hat demguten Jungen hier den Schabernack gespieltnnd ihn beinah ertränkt mit dem Waffersturz ? IAnna mußte lachen, als sie des nassen !Finales gedachte und den Michel ansah, dernoch wie begossen drein schaute.

Ja, du machst Wohl lachen! eiferte dieWirthin weiter, mir geht es aber aus demSpaß und ich sage dir, wenn du das Gethuemit dem Jägerburschen nicht lässest und denBergmann mit seinem Leierkasten nicht fort-schickst, so kannst du dich fortpacken, woher dugekommen bist, weißt da das? !

Das Mädchen erschrack vor dem Zorn !der Tante, doch der Oheim stand auf von der jOfenbank und nahm das liebe Kind bei der ?Hand und sprach tröstliche Worte zu ihm.

Nu, nu so schlimm ist es nicht gemeint,Anna! doch es ist Zeit daß du es hörst, du sollst .den Michel heirathen und da mußt du freilichdie andern Freier nicht ansehn.

Den Michel soll ich?

Ja, mich sollst du heirathen, greinte derMichel, sonst thu' ich mir ein Leid an und -