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[1] (1857)
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erzählen. Salomonshohes Lied" haucht ihreSeele durch alle Zeiten; dieIlias" ist volldavon, der ,,Niebelungen Noch" erwuchs ausihrer Saat und Shakspeare und Göthe sangendas ewige Lied weiter in unsterblichen Tönen.Und du mein lieber Leser, wohl dir! wehe dir!wenn du alle ihre Lust, all' ihr Leid erfahrenhast und weißt du noch nichts davon: so seides Ueberfalls gewärtig und möge dann auchein Schutzengel dir nahe sein mit Rath undThat!

Doch, vergieb du liebe Seele, welche mirzuhört, wenn ich durch meine Zwischenredendich erschreckt habe, das Gruseln kömmt noch,darauf kannst du gefaßt sein; aber auch dieHülfe ist nicht fern und das ist immer dasSchönste an den ächten Liebesgeschichten; diemüssen ein gutes Ende nehmen fei es nunim Leben oder im Tode.

Es war gegen das Ende des sechszehntenJahrhunderts ^ nach christlicher Zeitrechnung,als jene nächtlichen Liebeslieder unter demFenster der jungen Hirtin Anna gesungen wur-den und die Kämpfe der theologischen undpolitischen Revolution zuckten damals durchganz Europa, als der Junker Otto seine Harz-burg verließ und von der sorgsamen Muttereinem Oheim in dem schlesischen Gebirge zu-gesandt wurde. Dort sollte der Jünglingunter der väterlichen Obhuth des edlen undtapfern Verwandten zum ritterlichen Manneheranreifen; denn der Vater, welcher ihm einVorbild hätte fein können, ruhte lange schonin der Gruft des ruhmreichen Hauses. DiePostverbindungen waren damals noch nichtim Schwange und eher hätte man in den Mondzu reisen denken können, als daß die Ahnungeines Dampfschiffes oder gar einer Eisenbahnin eines Menschen Seele gekommen. Auchwaren die Mütter nicht so schreibfertig wieheute, sie wußten ihr Herz zu vertrösten, wennnur hier und da ein fahrender Scholast, einreisender Handelsherr, oder auch der eigensabgefertigte Bote Gruß und Brief von demfernen Sohn brachte. Und so könnt' es dennauch geschehn, daß den Junker Otto aus seinemRitt über Breslau die Lull anwandelte, vor-erst das Gebirge zu durchwandern und nundort, in der Hampelbaude von Annas Schönheitgefesselt wurde.

Er kam schlicht einhergewandert mit seinemKnappen Franz und die Wirthe der Hampel-baude hielten die Reisenden für zwei Jäger,wie sie dort nicht selten einzusprechen pflegten.Das machte der liebetrunkene Jüngling sichzu Nutzen ; mit einem theuren Eide verpflichtete

er den Franz und willig ging der Grafensohnmit seinem Diener bei einem Fürsten in Dienst,um dem Mädchen nahe zu sein, das unbewußtsein Herz in heißer Liebe entzündet hatte, dasihm die Krone der Schöpfung zu sein schien.Der Oheim wartete indessen geduldig und dieMutter daheim hoffte den einzigen Sohnwohlgeborgen.

Der aber sah einen Lenz um die Hampel-baude blühen, wie niemals in den Harzwäldernihm die Sonne geleuchtet hatte; wem aucherst der Liebe süßes Ahnen sein Herz schwellte.Doch sproßte die Hoffnung mit dem jungenGrün und Annas Blicke ruhten freundlich wieSonnenschein auf dem schmucken Jägerburschen.

Und welch ein Bergkind war Anna!In allen Regionen der Erde zieht GottesHand Blumen von besonderer Lieblichkeit undin allen Lebensverhältnissen, am großen Baumeder Menschheit wachsen Menschenkinder, dieZeugniß geben von der Göttlichkeit der Mcn-schennatur und wer nur Sinn hat für solcheBlüthen, wer die Augen aufthut und die Händeausstreckt nach ihnen, der wird sie finden, überallauf Gottes schöner Erde, der braucht nicht nachder Märchenwelt zu seufzen, der erkennt im Ge-dichte nur den richtig geschliffenen Spiegel derWahrheit und die süße Liebe ist ihm das größesteWunder, der lebendig gewordene schönste Traumder Menschenseele.

Anna, diese Himmelsblume des Riesen-gebirges, war das Bruderkind in der Hampel-baude ; ihre Mutter, ein seines Bürgermädchenaus Breslau, hatte den schönen Förster vonSeidorf geheirathet, während dessen Bruderdie Besitzerin der Hampelbaude, eben wegender Hampelbaude zum Ehegespons erkohren.Anna wuchs lieblich zwischen der sanften Mutterund dem stattlichen Vater aus, da kam derunerbittliche Tod und legte beide Eltern insGrab und das zarte dreijährige Kind wurdezur Hampelbaude getragen, weil ihr Erbe großgenug war um die Pflege gut zu lohnen undes ging wie ein Sonnenstrahl durch das räu-cherige Zimmer, als das Helle Kindesgestchthinein blickte. Sogar die dicke braunrotheHampelwirthin rührte des Kindes Schönheitund der Oheim war ordentlich stolz auf diesesFamilienstück. Aber der ungezogene Michelpuffte das liebe Geschöpf wo er nur konntelind hatte Krieg mit ihm allstündlich, bisspäter dem bösen Jungen der Bart wuchs undaus der kindlichen Knospe Annas jungfräu-liche Schönheit sogar seinen Maulwurfsaugendeutlich wurde. Nun hörten die Zänkereien auf,aber das Mädchen litt unter seinen Artigkeiten