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Vergebt Junker! ich habe kein Recht —aber ich liebe auch die schöne Anna unv ichbin nun unsäglich unglücklich! — Sie weißnichts von mir und was wird sie nach meinemtreuen Herzen fragen — auch wenn es euchnur ein Scherz wäre mit eurem Liebeslied! —Mein guter Klaus, ich scherze nicht —kennst du deinen alten Spielkameraden Ottonicht besser? — Aber bei Gott! dieser Zweigist das erste Zeichen ihrer Gunst und das werd'ich gegen alle Welt vertheidigen — komm dumir auf dieser Fährte nicht in die Quere — ichkönnte vergessen, daß du mein lieber Kindheits-Gefährte gewesen bist! Die Anna will ich —deshalb lieg' ich hier als Jäger verkleidet undvon ihrer Schönheit Licht ist mir des Ritter-wappcns Glanz überstrahlt - ich mein' esehrlich mit dem Hirtenkind. Sei gut undtritt freiwillig zurück, oder ich breche dir denHals und du magst deiner Haut dich wehren. —Ach, gnädiger Herr! wenn Anna michgewählt hätte, so trotzte ich eurem Lchnsrechte —doch sie weiß es kaum wie gut ich ihr bin —und nun wag' ich nicht mit Euch um denPreis zu ringen.
Daran thust du wohl! doch hier bin ichkein Rittersohn, hier muß Anna selbst entscheiden,sie gab mir das grüne Hoffnungszeichen unddarum Hab' ich ein Recht dir gegenüber. DasEine nur bitt ich, verrathe mich nicht, hierwill ich nur ein Jägerbursche sein und dusollst nicht in Klausthal oder auf der Harz-burg erzählen, welchem Wild ich nachjage.Hörst du? -
Der Bergmann ergreift des Jägers Hand— O, lieber Herr! verzeiht meine Kühnheit —waö wird die gnädige Gräfin sagen, wenn ihrSohn ein Hirtenmädchen freit? —
Das laß meine Sorge sein! Nicht dieganze Welt wird mich hindern daran undmeine Muter liebt ihren Sohn mehr als ihrenStammbaum. Doch nun mach' daß du fortkommst; jetzt weißt du genug! —
Und der arme Klaus nahm still seineZitier, zerschlug sie grimmig an dem nächstenGaum und schritt dann lautlos in die Nachthinaus. Otto stand tief ergriffen und dachtein seinem Herzen: Gott tröste das arme jungeBlut! — dann nahm auch er sein tönendesHorn und ging nachdenklich denselben Pfadhinab in's dämmernde Thal. —
Doch die nächtlichen Serenaden hattennoch kein Ende — die Thür der Hampelbaudeöffnete sich leise und der wonnesame Sohnder Baude, der rothhaarige Michel wurde sicht-bar und hatte auch ein Instrument in der
Hand, ein krumm gewundenes Kuhhorn undmit dem stoßweise gemurmelten Fluche: die ver-dammten Schurken! — ich kann auch blasen!— setzte er das Viehstück an die dicken Lippenund blies so entsetzliche Töne in die wonne-selige Mondnacht, daß der Hund ausheulte,die Katzen wunderlich miauten und die Uhussympathetisch einstimmten in die seltsame Me-lodie. Danach erhob er seine heisere Stimmeund sang mit empfindungsvoller Geberde:
Meines Hornes tiefer Klang,
Meines Liedes leiser Sang,
Meines Herzens Hammerschlag
Rufe die Geliebte wach! —
Und nach dieser poetischen Erplicationnahm der liebcflehende Michel abermals daskrumme Hirtenhorn und blies herzerschütterndin die Nacht hinaus, indessen von dem Kuh-hornbläser ungesehn ein Zuhörer sich ihmgegenüber stellte.
Rübezahl, in Gestalt eines alten Jägers,beobachtete den Tölpel, dessen Ertase über-schnappte und als er eben die brillanteste Cadenzhervorstöhnte, goß er ihm einen solchen Strahlaus einem Wassereimer in das Horn, daß derBläser die drolligsten Gurgeltöne vernehmenließ und beinah ertrunken wäre an dem reich-lichen Strom dieser unvermutheten Zustimmung.Mit schadenfrohem Gelächter entfernte sich derGeist und oben hinter dem verhangenen Fen-sterchen lies sich ein leises Kichern vernehmen.Michel aber warf enisetzt das Horn zur Erdeund rannte hustend und lluchend in die Baudezurück.
Während nun die stille Mondnacht leiseihren Mantel mütterlich über die Gefilde desRiesengebirges deckt und alle Wesen friedlicheRuhe athmen, will ich dem Leser näheren Be-scheid geben über die Gestalten, welche derspäte Abend vor unser Angesicht führte under wird abermals aus diesem Lebensbilde dieLaunen der Liebe kennen lernen, von denen zuerzählen alle Wciberzungen nicht ausreichen,und die zu beschreiben alle Dichterfedern nichtBuchstaben genug malen können. Und es istschon lange her, daß jene Ständchen vor derHampelbaude gebracht wurden, Jahrhunderteschon zogen über die riesigen Felskuppen seit-dem; aber die Hampelbaude steht noch, wennes auch nicht mehr die alten Wände sind undcs kann auch heut zu Tage wiedergeschehn,daß einem Grafensohn dort aus den Augeneines Hirtenkindes die Liebe ins Herz dringt.Wer könnte dieser Zauberin entflieh»? -—Davon weiß schon der Erzvater Jacob zu
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