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Rübezahl.
Märchen von Elisabeth Grube geö. Diez.
..Alles wiederholt sich nur im Leben,
Ewig jung ist nur die Phantasie!" —
Mieser dichterische Spruch unseres großenFriedrich von Schiller erklang in meinerSeele, als ich vor einiger Zeit in alten ver-gilbten Papieren kramte und darin eine Be-gebenheit ausgezeichnet fand, die in ihremwunderbaren Gepräge eine so glänzende Be-stätigung jener Dichterworte zeigte und zugleichin dem innern Zusammenhang ihrer Ereignisseso blendende Lichter auf die Schatten unsererTage warf, daß ich mich nicht enthalten kann,dem wundergläubigen Leser die alte Mähr inneuer Mundart wieder zu erzählen.
Der junge Frühling hält gerade seinenEinzug in die grünenden Thäler, die wehen-den Locken schmückt ein Veilchenkranz, Maas-liedchen und Anemonen entsprießen seinenSegcnstritten, Lwnnengold streut er über diewarm grünenden Saatfelder und in der lindenLust jubeln Lerchenlieder zu seinem Empfange.Blätter und Blüthen weckt sein Zauberstab,bald flötet mit schmelzendem Lied die Nachtigalldurch die duftenden Birkenhaine; dann athmendie Menschenherzen Hoffnung und Liebe, undder nüchtere Verstand vergißt seine trostlosenBerechnungen und lernt glauben an die ewigeLiebe, welche die Gotteswunder der Schöpfunghervorgerufen. Und wenn dann der Mond mitsanftem Blick, der Abendstern mit Hellem Glanzzum Fenster herein blicken und draußen die stilleWelt verklären; dann wird es dem Dichterheimisch zu Muth in seinem Stübchen; dannweht ein Geisterrauschen um seine denkendeStirn und seine ganze Seele giebt sich gefan-gen dem Zauber der Märchenwelt und der arme
Federkiel in seiner Hand wird auch ein mäch-tiger Stab, der die Geister bannt. —
So folge mir denn, freundlicher Leser, mitandächtigem Sinne zu der alten Märchenburg,welche der Geist des Riesengebirges ausder Schneekoppe bewohnt, laß Dir nocheinmal erzählen von dem alten Rübezahl,den du ausMusäus „Volksmärchen" kennst,den der längstvergessene Houwald so liebens-würdig als „Doctor Mßpickel" uns vorführteund den zuletzt Freiligrath in den traurigenTagen der „schlesischen Weber" so herzrührendherbei gerufen. —
Eine schöne Geschichte Hab' ich aus jenenalten Papieren gelesen, wie der wunderlicheKobold der schlesischen Berge noch einmal seingutes Herz walten ließ und manch' einemLiebespaare, das heut' zu Tag unter den strengenFormen der Wirklichkeit seufzet, mögen dieheitren Gesetze des Geisterreicheö, die leichtenSchwingen der Phantasieregeln zum Tröstegereichen. —
Kraft meines Dichteramtes ertöne dennder bannende Ruf: Erscheine — Rübezahl! —erscheine! —
Seht — es wirkt der Zauber! — vorunfern Blicken erhebt sich der Riesenkoppeschneegekrönteö Haupt — aus den warmenThälern, in denen Warmbrunns Heilquellensprudeln, steigen Nebel auf und in der Annen,Kapelle läutet das herzrührende Ave Maria.— Hirtenhoboen tönen aus der Ferne unddie kleine Rinderheerde sucht die gewohntenStälle der Hampelbaude. Ein vierschrötigerBursche mit fuchsrotstem Haar torkelt vor derHüttenthür umher und ist wenig geeignet, eine
Märchen und Sagen XI.
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