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[1] (1857)
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Ahnung hatte und denselben in einer so gefähr-lichen Sache nicht allein lassen wollte. Erversteckte sich in einem Nebenzimmer. DerZauberer zog einen Kreis und begann seineBeschwörung. Aber keine Erscheinung wolltesich zeigen Da argwohnte er, daß Jemandim Hause versteckt sein müsse, und bald fandman den treuen Diener im anstoßenden Ge-mache verborgen. An einem andern Tagewurde die Dienerschaft zum zweiten Malefortgeschickt und auch der Alte entlassen. Der-selbe fand jedoch Gelegenheit durch eine offeneBodenlucke indas Haus zurückzukehren. Wiederblieb die Beschwörung erfolglos, und nach kur-zem Suchen wurde die Ursache entdeckt. DerRathsherr, welcher den treuen Diener nichtkränken wollte, verschob die Handlung aufeinen dritten Tag, nachdem er zuvor jeden Zu-ßang zum Hause sorgfältig verschlossen undjedes lebende Wesen aus dem Hause entfernthatte. Aber auch diesmal kam kein Bild zumVorschein.

Darf ich das lebende Wesen welches nochim Hause ist, tödten? fragte der Nekromant?Du darfst es, antwortete der Rathsherr, denner meinte, nur eine Katze könne seinem Glückenoch im Wege sein.

Der Zauberer sprach einige Worte undmit dumpfem Krach fiel der treue Alte, derzum Rauchfang herein gestiegen war, kopflosden Kamin herab. Tief erschreckt schaute derRathsherr ihn an, als mit einmal feine jungeGattin hold und lieblich wie sie im Leben ge-wesen, aber trauernden Antlitzes in den Kreistrat. Er öffnete die Arme gegen sie, da abertrat sie zurück, blickte ihn wehmüthig anund war verschwunden. Willst Du noch Je-mand sehen? fragte der Beschwörer.Adamund Eva, die Ureltern aller Lebendigen," ant-wortete der Rathsherr, welcher vor Aufregungkaum wußte, was er gesprochen. Sie erschie-nen, hohe hehre Gestalten von wunderbarerSchönheit.

Sie traten bis an den Rand des Kreisesvor und hoben drohend den Finger, zürnendweil er sie aus eitler Neugier in ihrerGrabesruhe gestört hatte. Ein Schauerdurchfuhr seine Glieder und als derBeschwörer wiederum fragte, ob er noch Je-mand zu sehen begehre, verlangte er, seinerSinne nicht mehr mächtig,Witold denLithauer Fürsten" zu sehen, der jüngst intapferm Kampf die Ordensritter besiegt hatte.Kaum war das Wort gesprochen, als man

Pferdegetrappel auf der Treppe vernahm undin blauer Rüstung der Lithauerfürst mit gezo-genem Schwert in den Kreis sprengte. Erritt grade auf den Rathsherrn zu, der mit demAusrufJesus Maria!" leblos zusammensank.Die Erscheinung war im nämlichen Augenblickdurch die klirrend zerbrechenden Fenster ver-schwunden, das Haus von Stund an denGeistern verfallen. Es erhielt zur Erinnerungden NamenAdam und Eva"; auf die Haus-thür bildete man in prächtiger Schnitzerei denersten Sündenfall ab. Seit jener Zeit wagtekein Mensch in dem verrufenen Hause zu woh-nen. So oft man versuchte die Fenster wiederherzustellen, fand man sie stets am andern Mor-gen von unsichtbarer Hand wieder zerbrochen.Wer cs jedoch über sich gewann, eine Nachtan dem Orte der traurigen Begebenheit zu ver-weilen, fand am andern Morgen eine mitGoldstücken gefüllte Börse neben sich liegen.Damit war jedoch eine Bedingung verknüpft.Er mußte das Geld am Abend bis zum letz-ten Heller für sich selbst verbraucht haben.Ein nichtsnutziger Tagedieb hörte einmal hie-von, machte einen Versuch und erprobte einViertel Jahr lang das Wunder der Stätte.Er ergab sich dem schändlichsten Schwelger-leben. Einmal aber wußte er vor Uebersättigungnicht aus noch ein und behielt einen Dreier.Da drehten ihm die Geister, als er zum gewohn-ten Nachtlager heimkehrte, den Hals um. Als1807 1815 die Franzosen in Danzig lagen,richteten sie das HausAdam und Eva" zurKaserne ein, wurden aber von den Geisterndurch nächtlichen Lärm sehr bald daraus ver-trieben. Noch in neuerer Zeit ereignete sichder folgende Vorfall:

Der jetzige Besitzer des Hauses ließ diealten herrlichen Holzschnitzwerke Herausreißenund das Erdgeschoß, welches allein man zubetreten wagte, für eine Conditorei Herrichten.Bei dieser Gelegenheit blieb ein Maurer nachder Mittagsstunde bei der Arbeit, als alle seineMitgesellen schon fortgegangen waren. Dahört er aus der rechten Mauerecke eine war-nende Stimme, die ihm verbietet zwischen 12und 1 Uhr zu Mittag wie Mitternacht imHause zu weilen. Er achtet der Warnungnicht, und verweilt am nächsten Tage wieder-um länger als die übrigen Arbeiter im Bau.Da bricht ein Brett unter seinen Füßen inStücke und er sinkt zerschmettert vom Gerüsteaus den Boden.