Wohl überströmte da von DankDer Beiden Mund, als plötzlich wiederSchneekönig in die Kluft versank,
Und Nacht sich schlang um seine Glieder,
Und schon auch sind wie er verschwunden,
Tie hinter ihm als Wache stunden.
Wohl rafften d'rauf die Beiden sich,
Von Freud' durchdrungen innerlich,
Empor, und suchten von der KlauseDen Rückweg nach dem fernen Hause.
Jetzt heißt es, sagt nach einer Weil'
' Der Töffel, sich zusammennehmen,
Daß Lohnendes uns wird zu Theil,
> Und wir uns hinterher nicht grämen,j Spricht Hanne: Besseres als du,
^ Daß wünsch' ich sicherlich, ich wette!
! Ei, lachte Töffel, sieh nur zu,
Ich wollt', daß ich schon 's Rechte hätte.
^ Wie wär' es, wir verlangten Geld,
Recht viel, so gleich in ganzen Scheffeln.
^ Nicht doch, spricht Hanne d'rauf zu Töffeln.
! Ich wünscht' ein Schloß mit Wald und Feld,
! Ein Schloß, rust Töffel, ei fürwahr,
Ein Schloß allein? das wäre rar,
Um voll Langweile d'rinn zu kauern?
Da wähl' ich lieber eine Stadt,
Die viele schöne Häuser hat,
Und hohe Thürme, starke Mauern.
Spricht Hanne: Ei, der Superklug!
Da glaubt er schon, es wär' genugUnd würde uns für immer frommen.
Kannst du schon eine Stadt bekommen,
So wünsche dir doch lieber gleichEin ganzes großes Königreich,
Mit Krön und Zepter könnten drinnAls König und als KöniginWir Beide dann herumspazieren,
Und essen, trinken, und regieren,
Mit solchen und mit andern Reden,Gewunden aus denselben Fäden,
Gelangten sie, vom NordgebrausDurchwühlt, zuletzt zu ihrem Haus.
Doch als die Thür' sie aufgethan,
Wie wehte sie's so frostig an,
Der Ofen starrte, ohne Feuer,
Auf sie, ein schwarzes Ungeheuer,
Wie ein Gerippe sah der SchreinHervor, in dem nicht Trank noch Wein.
Ta sank mit unmuthsvollem SinnAuf einen Stuhl Frau Hanne hin,
Und seufzte d'rauf, voll Unbedacht:
O hätte ich doch nur zur Nacht '
Jetzt eine Schüssel von dem Kraut,
Wie wir im vor'gen Jahr gebaut.
Doch kaum dieß Wort vom Mund erscholl,Ein feiner Duft durch's Zimmer quoll,
Und eine Schüssel voll mit KrautFrau Hanne auf dem Tisch erschaut.
Wie nur erschrickt Frau Hanne da,
Als sie vor sich das Wunder sah;
Schon ist der erste Wunsch erfüllt,
Den sie im Leichtsinn ausgesprochen;
Sie meint, ihr sei das Herz durchstochen.
Doch außer sich der Töffel brüllt:
So wünschte ich, die Wurst dazuHing dir zugleich auch an der Nase!
O unheilbringende Ertase!
Denn schon erfüllt in selbem Nu
Ward auch der zweite Wunsch, vor Schrecken
Vermag kein Glied er auszustrecken.
Frau Hanne läuft zum Spiegelscherben,
Und schaut darein — und glaubt zu sterben,Ihr Antlitz ist zum Tod erblaßt,
Denn eine Wurst, zwei Spannen fast,
Die längste unter allen LangenSieht sie an ihrer Nase hangen,
Und ringt die Hände, schreit und weint,
Fast ihr Verstand verloren scheint.
Sie rennt wie toll herum im Zimmer,
Mit Zorngekreisch und mit Gewimmer,Verwünscht vor Allem ihren Mann,
Und schilt ihn: Tropf und Pavian,
Und Weiberschänder und Tyrann,
Und sinkt, von Wuth und Schmerz verzehrt,Zuletzt ohmächtig hin zur Erd'.
Nun füllt mit Jammcrschrei das HausDer Töffel selbst und streckt die HändeGleichwie ein Meilenzcigcr aus,
Und ruft verzweiflungsvoll am Ende:
O König, höre und erbarmeDich jetzt nur, und befrei' die ArmeVon der verdammten Wurst, die ichIhr angewünscht so freventlich!
Und wieder schallt ein Donnerschlag,
Ein Blitz umleuchtet Haus und Hag,
Und abermals vor Beiden^ stehtSchneekönigs hohe Majestät,
Begleitet von den Leibtrabanten,
Umblitzt von Hellen Eisbrillanten,
Doch ist zur selbigen SekundenDie Nase auch der Wurst entbunden.