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Musik erschallte und schwirrte die ganze Nachtum ihn herum.
Am nächsten Morgen glaubte er, allessei ein Traum gewesen, doch Feder und Blume,die er an seine Brust gesteckt hatte, kündetenihm die Wahrheit.
Kurze Zeit vorher, ehe er abgelößt wurde,ging die schönste der königlichen Prinzessinnenmit ihrem Gefolge spazieren. Sie kam an demSchlosse der Zauberin vorbei, das sie seit derVerbannung derselben nicht gesehen hatte.Sie wollte eilig vorüber gehen, da gewahrtesic plötzlich den Lucas an der Brücke und dieschöne Blume und Feder an seiner Brust.Sie blieb stehen und sah den Lucas prüfend an.
Lucas fuhr zusammen, die Schönheit derPrinzessin war ihm bis ins tiefste Herz ge-drungen. Er wußte nicht, daß sie die Königs-tochter war, doch er mußte sich abwenden,denn ihre Augen schienen ihn zu durchbohren.
Endlich redete die Prinzessin ihn an undbat um die schöne Blume. Lucas hatte bereitsdie Zauberin und alle ihre Worte vergessen;es schwindelte ihm im Kopfe, er fühlte nichts,dachte nichts, er zog die Blume mit der Federzugleich von der Brust und reichte sie derPrinzessin. Diese ging dankend davon, Lucasblieb träumend zurück und nach kurzer Zeitweckte ihn daö „Abgelößt!" aus seinem Sinnen.
Die ganze Residenz war in tiefer Trauer:die schöne Prinzessin war krank, und keinerder vielen gelehrten Doktoren, die herbei gerufenwurden, wußte Rath; diese konnten nichteinmal den Grund ihrer Krankheit ermitteln,nur sie und die Zauberin kannten ihn.
Die Zauberblume, die sie von Lucasbekommen, hatte ihr die Krankheit gebracht.Sie litt am Herzen: sie liebte den armenSoldaten mit aller Gluth, und da sie sichselbst sagte, daß sie ihm für immer entsagenmüßte, erlag sie dem Gefühl.
Auch Lucas kam in Gefahr: er hatte denRath der Zauberin nicht beachtet, indem er dieZauberfedcr von sich gab, und dafür erschienauch bald der durch sie abgehaltene Feind.
Gleich nachdem Lucas zum drittenmalevon seinem Posten kam, ließ ihn der Königabermals zu sich rufen. Er beschenkte ihnreich und machte ihm den Vorschlag, daß erfür Lucas ein Häuschen an die Brücke erbauenlassen wolle, worin jener wohnen sollte, umder Zauberin für immer den Uebergang überdie Brücke zu verwehren.
Lucas war ganz mit dem Wunsche des
! Königs einverstanden. Aber noch in dem! Gemache des Königs wurde der Plan vereitelt:
^ Lucas fiel plötzlich besinnungslos zu Boden^ und konnte nur durch die größte Mühe wieder^ zu sich gebracht werden. Sein Zustand erlaubte! es nicht, daß er nach dem Soldaten-Spital! gebracht werden konnte, deshalb wurde er auf! den Befehl des Königs auf ein Zimmer desSchlosses gebracht, und alle die gelehrten! Doktoren, welche die Prinzessin behandelten,
! mußten auch ihn sogleich besuchen.
! , Der König härmte sich nun doppelt, denn
^ er hatte den Lucas liebgewonnen. Als er einesTages bei der kranken Prinzessin, die seinLiebling war, am Bette saß, erzählte er dieservon dem Zufalle, der den Lucas so plötzlichgetroffen. Die Prinzessin horchte auf; sie fandnach der Beschreibung des Königs sogleich indem Kranken denjenigen wieder, den sic so sehrliebte. Sie weinte heftig, und da der Königbat, entdeckte sie ihm Alles: der König gabihr Hoffnung und von dem Tage an erholtesich die Prinzessin sehr schnell; bald war siewieder ganz hergcstellt und nun bekam sie leichtvom Könige die Erlaubniß den Lucas zu besuchenund zu Pflegen.
Aber der Zustand des Lucas wurde mitjedem Tage bedenklicher und schlimmer; allesnur Mögliche wurde aufgcboten, aber es warj vergebens — eines Morgens fand man ihn, starr und todt auf seinem Lager. —
Da war nun ein überaus großer Jammerim Schlosse, und die Trauer der KöniglichenFamilie theilte sich der ganzen Stadt mit.Der König beklagte laut und aufrichtig den' Verlust, die Prinzessin verschloß sich in daseinsamste Gemach und verschmähte Speis undTrank, und die Einwohner der Residenz schlichenstill und stumm durch die öden Straßen.
"Die Leiche des Lucas wurde in kostbareGewänder gehüllt und mit großer Pracht um-geben in einem Saale des Schlosses öffentlichausgestellt; in der Stille wurde Alles zueinem glänzenden Bcgräbniß vorbereitet.
Da kam am selben Tage, als Lucas be-graben werden sollte, ein altes, greises Mütter-chen ins Schloß und bat um die Gnade, denKönig zu sprechen.
Das war die Mutter des Lucas. Siehatte ihr Dorf vor langer, langer Zeit ver-lassen, weil ein schrecklicher Traum, der ihrdrei Nächte hintereinander erschienen war,nicht Ruhe noch Rast ließ. An Leib und Seelekrank hatte sie sich mühsam von Ort zu Ortgeschleppt. Sie wähnte, daß ihr Sohn un-glücklich sei, und wollte und mußte ihn finden.