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liebliches Kind kommen, daS erst schüchternum die Blumenbeete vor dem Schlosse ging,dann aber lustig bis auf die Brücke sprang.Er nahm sich vor, das Kind mit einem tüch-tigen Scheltworte zurück zu treiben, denn ihmahnte wohl, daß die Zauberin unter der schönenForm verborgen war.
Das Kind kam näher und näher; jetztwar es nur noch einige Schritte von Lueasentfernt, da blieb cs plötzlich stehen, sah ihnan, lächelte ihm freundlich zu und ging ruhigins Schloß zurück. LucaS sah ihm erstauntnach ; er glaubte nun die Zauberin werde bald! in anderer Gestalt erscheinen und die Flucht! um so kühner versuchen, aber er täuschte tzch:
i die Pforte des Schlosses, die hinter dem Kinde
zugemacht wurde, blieb den ganzen Tag ver-schlossen, und während der Nacht hörte er einewunderbare Musik, die ihn munter erhielt undganz froh und glücklich machte.
Am andern Morgen wurde Lueas vonseinem Posten abgelößt und zum Könige ge-rufen. Mit Furcht und Zagen ging er hin,denn er glaubte, die Zauberin habe das Schloßtrotz seiner Wachsamkeit dennoch verlassen.
Aber der König hatte die Zauberin nichtgesehen und dachte, daß er das der Klugheitdes Postens zu verdanken habe, deshalb lobteer diesen über alle Maaßen und gab ihm nochvieles Gold. —
i Kaum hatte Lueas den Pallast des Königs
! verlassen, da wurde der König schon wiederdurch das entsetzliche Lachen der Zauberin! gequält. Die Soldaten wurden noch strenger! bestraft; aber es hals nicht, die Zauberin erschien
. alle Tage, bis Lueas zum zweitenmale als
Posten vor die Brücke kam.j Dieses Mal glaubte er nicht so glücklich
! zu sein. Traurig stand er auf seine Muskete^ gestützt; er gedachte erst eine lange Zeit seiner
! Mutter, dann der Strafen, die seine Kame-
raden erlitten hatten, und im Geiste fühlte erschon die harten Prügel auf seinem Rücken.
Als er so stand und mißmuthig nach demSchlosse schaute, öffnete sich leise die Pforteund ein kleines, schwarzes Hündchen kam vor-sichtig heraus geschlichen. Lueas stellte sichschnell mit der Muskete bereit, um mit einemSchlage oder Stoße das verzauberte Thierzurück zu jagen. Bald war daö Hündchenihm nahe; schon holte er zum Schlage aus,da blieb daö Thier plötzlich stehen, sah ihn mitleuchtenden Augen an, wedelte mit demSchwänze und ging ruhig ins Schloß zurück.
Wieder blieb den Tag über die Pforte- verschlossen, und als der Abend kam und
während der Nacht hörte Lueas wieder dieliebliche Musik. — Als Lueas am anderenTage von Wache nach Hause kam, schickteihm der König eine goldene Kette und ließihm vor allen Kameraden öffentlich danken. —
. Bald kam Lueas zum drittenmale auf dengefährlichen Posten; wiederum war in dervergangenen Zeit keiner seiner Vorgänger ohneStrafe davon gekommen und deshalb schlugihm jetzt das Herz vor Erwartung hoch inder Brust.
Das Schloß war wie ausgestorben, nichtsregte sich in demselben und diese Todtenstilletheilte sich der ganzen Umgegend mit. Alsdie Sonne bereits gesunken war, wurde esjedoch lebendig umher, und in dem Schlosseregte es sich geheimnißvoll und bald sab Lueasden hellsten Lichtglanz aus allen Fensternströmen. Jetzt erst spannte er seine Aufmerk-samkeit. Plötzlich öffneten sich die Flügel-thüren des Schlosses und heraus kam einealte, grauhauptige Frau, die langsam auf dieBrücke zuschritt.
Lueas blieb ruhig stehen. „O, — dachteer — die läuft mir nicht so schnell davon!"Die Alte kam langsam heran und als sie ihmauf einige Schritte nahe war blieb sie stehenund sah ihn lange schweigend an. Endlichsprach sie: „du kennst mich nicht? ich aberkenne dich genau, und gewiß kennest du auchmich wieder, wenn ich dir diese drei Kreuzerzeige!" —
Jetzt wurde es dem Lueas hell im Kopfe;er erkannte in der Alten dieselbe wieder, derer beim Eintritte in die Stadt die drei letztenKreuzer gab und furchtsam und scheu blickte erzu ihr empor. Die Alte merkte es und sprach:„ich bin diejenige welche man hier bewacht,ich bin die Zauberin; doch fürchte dich nicht,dir laufe ich nicht davon! — du bist einbraver Bursche und wirst einst noch rechtglücklich werden." —
Nun faßte Lueas Zutrauen zu der Altenund mit gerührter Stimme sprach er zu ihr:„wie soll es kommen, daß ich glücklich werde?"—
Die Zauberin sprach: „das warte ab!" —Hierauf gab sie ihm eine glänzende Feder undeine duftende Blume, worauf sie weiter sprach:„derjenige, welcher diese Blume von dir be-kömmt, wird mit inniger Liebe an dich gefesseltsein, und so lange du diese Feder besitzest, wirdkeine Krankheit dich befallen! Hüte sie wohlund gedenke mein!" — Hiermit wandte siesich dem Schlosse zu. An der Pforte winktesie. noch einmal, dann schlossen sich die Flügel-thüren und Lueas war allein. Die liebliche
Märchen und Sagen X
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