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[1] (1857)
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aufflellten. Sein Herz pochte laut, als dieganze Schaar sich jetzt auf den Ruf einesEinzigen drehete und wendete und mit derMuskete, wie mit einem Fangball spielte.

In der Nähe des Lucas hatten sich vorund nach eine Menge Zuschauer eingefundcn;doch er hatte sie alle nicht bemerkt, er hattenur für die Soldaten Sinn und war so be-geistert, daß er mit Hand und Fuß alles nach-machte was die Schaar ausführte, wobei erseinen Reisestecken als Muskete benutzte. Ernahm es gar nicht wahr, daß die Umstehendenüber seine seltsamen Bewegungen herzlich lachten.

Endlich rückten die Soldaten wieder indas große Haus, und nur der, welcher vor-hin so laut gerufen hatte und einige alteGraubärte blieben auf dem Platze zurück.Da ging auch Lucas von seiner Stelle; abernicht die Straße hinunter, sondern geradezuauf den Platz, wo die Gruppe stand. Mitdem Hute in der Hand ging er kühn auf denAnführer los und dreist und laut sagte er,daß es alle hören konnten:ich will auchSoldat werden!"

Man maß ihn vom Kopf bis zu denFüßen; der Anführer aber trat ihm näher,nickte ihm freundlich zu, prüfte die Stärkeseiner Arme mit einem kräftigen Griffe unofrug nach seinem Namen.Lucas," antworteteer keck, und ein Lächeln flog über die Gesichterder Graubärtc. Der Anführer hatte Gefallenan ihm; er klopfte ihm wohlwollend aus dieSchulter und gab ihm mit dem Handschlageden Werbegroschen.

Nun wurde er einem der Graubärteübergeben, der ihn in das große Haus undzwischen die blanken, singenden Soldaten führte,in deren Mitte er bald fröhlich und singendsaß; und jetzt glaubte er das Glück gefundenzu haben.

* H

*

Es war große Parade; der König wollteseine Soldaten mustern. Musketen und Säbelund Knöpfe waren so blank, als ob alles vonpurem Gold und Silber gewesen wäre.

Auch LucaS stand mit in der Reihe; wiesich das Volk so drängte und wie er Alles sogeputzt erblickte, da dachte er oft:wäre deine> jNuttter doch hier; wie würde sie sich überdie Pracht und über ihren Sohn freuen."

Der König kam; alle seine Prinzen undPrinzessinnen und viele Fürsten und Ritterfolgten ihm zu Rosse und zu Wagen. Miteinem lautenHurrah!" wurden sie empfangenund der Jubel währte fort, als der König mit

seinem Gefolge die Reihen entlang ritt. DieTrommeln wirbelten dazwischen und die Musikschmetterte, daß es weit in der Runde wieder-hallte. Und das dauerte so mehrere Stundenhinter einander.

Als die Parade beendet war, mußte Lucasauf Wache ziehen; er kam als Posten vor einkleines wunderschönes Schloß, das von einerZauberin bewohnt war.

Die Zauberin hatte dem Könige einst dasLeben gerettet, als er an einer unheilbarenKrankheit darniederlag, und dafür ließ ihrder König aus Dankbarkeit später das präch-tige Schloß erbauen. Die Zauberin war gutund außerordentlich mitleidig und nur schlechtenMenschen war sie unhold. Man liebte sieallgemein und sogar die Prinzessinnen besuchtensie oft in dem schönen Schlosse. Aber sie fielbald in die Ungnade des Königs, als sie derschönsten Prinzessin die Zauberkunst lehrenwollte. Er verbannte sie in das Schloß, verbotihr dasselbe nie mehr zu verlassen und keinenBesuch zu empfangen. Das Schloß aberließ er mit einem breiten, wassergcfülltenGraben umziehen und eine schmale goldeneBrücke führte über diesen ins Schloß.

Da nun aber die Zauberin trotz ihrerMacht das Schloß nicht anders als über dieBrücke verlassen konnte, so glaubte der Königsie stark genug bewacht, wenn er eine Schild-wacht vor die Brücke stellte, der ihr den Ueber-gang verwehrte.

Aber der König irrte sich; die Zauberinlachte seinem Verbote, denn täglich wußte siedie Solvaten zu täuschen und in immer an-derer Gestalt verließ sie täglich das Schloß.Sie rächte sich auch am Könige für seinungerechtes Verfahren gegen sie; kaum warsie aus dem Schlosse, so eilte sie nach demPallaste des Königs, und wo er sich auchaufhielt, wie er sich auch verbergen mochte,überall fand sie ihn, und wenn sie ihm gegen-über stand, fing sie so fürchterlich grausig zulachen an, daß sich seine Haare vor Grauenempor hoben. Später ging sie ruhig undgelassen in ihr Schloß zurück. Die Schild-wacht wurde dann immer streng mll Arrestund Prügel bestraft, und keiner der Soldatenging ohne Furcht auf den gefährlichen Posten.

Lucas war das erstemal hier und über-haupt auf Wache. Er hatte noch nichr langegestanden; er dachte eben nach, was er thunsolle, wenn die Zauberin erscheine, denn erwar von allen Seiten auf die Klugheit der-selben aufmerksam gemacht, da sah er plötzlichaus den offenen Thoren des Schlosses ein