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von der Wange fielen. Doch nach kurzer Zeithatte ihn ein anderer Gedanke erfaßt; er trock-nete seine Thränen, trieb die Heerde zusammenund geradezu nach Hause. Bald stand ervor seinem verwunderten Herrn und mit auf-geregter Stimme sagte er zu diesem: „Herr,ich kann nicht bei Euch bleiben; ich will indie weite Welt reisen und mein Glück pro-bircn!" —
Sein Herr sah ihn mit großen Augenan. Er ließ ihn ungern ziehen, denn er warbrav und konnte gut mit der Heerde umgehen,und da er ihm dieses nicht merken lassen wollte,machte er ihm Vorwürfe, daß er seine Mutterverlasse. Doch kein Zureden und kein Vor-wurf konnte den Lucas halten; der Pächtergab ihm endlich den rückstänvigen Lohn undwünschte ihm Glück auf den Weg. Mit eiligenSchritten ging Lucas zu seiner Mutter, dochals er sich ihrer Wohnung näherte, fiel es ihmplötzlich aufs Herz, daß sie fortan allein stehenwürde, und bei dem Gedanken blieb er zögerndan der Pforte stehen.
Aber die Hoffnung, für sie wie für sichdas Glück zu finden trieb ihn hinein zu gehen.Er trat vor seine Mutter. Leicht erkanntediese auö seiner Unruhe und aus seinem ganzenWesen, daß er etwas Besonderes aus demHerzen hatte, und als sie ihm fest ins Augesah und dann zutraulich bei der Hand faßte, dagestand er mit abgewandtcm Gesichte seinen Plan.
Im ersten Augenblicke stand die Muttervernichtet da; Thränen rollten über die ge-furchten Wangen, dann, nach einem tiefenSeufzer sprach sie: „mein Sohn, wie du eswillst; ziehe hinaus! Gott wird dich beschützenund meine innigen Gebete begleiten dich!" —
Schon nach wenig Tagen stand Lucas miteinem leichten Ranzel, in dem er eine dürftigeWäsche und einige Geldstücke hatte, reisefertigda. Als die Sonne hinter den Bergen hervorkam, riß er sich schnell aus den Armen seinerweinenden Mutter, die ihn nicht loslassenwollte; er drückte sich den leichten Hut tieferauf die Augen und eilte hinaus. Vor derThüre wandte er sich noch einmal um undschloß die Mutter fest an die Brust; dann bogec schnell um die Hausecke und bald lag dasDorf hinter seinem Rücken. —
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Eine geraume Zeit war vergangen; Lucashatte noch immer seine Wanderlust nicht be-friedigt. Er sah auf seiner Wanderschaft denHerbst schwinden, den Winter kommen undentfliehen und den neuen Len; erwachen, und
immer zog er weiter hinaus, sang sich ein lu-stiges Liedchen und war guter Dinge. Dabeiwar seine Baarschaft bis auf drei Kreuzerzusammen geschmolzen; diese aber wollte erzum Andenken an seine Heimath nicht ausgeben.
So kam er eines Tages vor eine großeStadt, die rings von hohen Mauern umgebenwar. — Das war die Residenz eines großenmächtigen Königs. — Als er durch das starke,dreifache Thor schritt, kam ihm ein altes Mütter-chen entgegen, welches ihn um ein Almosenbat. Er gedachte seiner Mutter, die er aufder Wanderung stündlich vor Augen hatte,und eine Thräne drängte sich in sein Auge;alsbald griff er in seinem Säckel und gab derAlten seine so lang gesparten drei Kreuzer.
„Gottes Lohn!" — sprach die Alte undfreundlich lächelnd sah sie ihn an und drückteihm fest die Hand.
Er schritt Weiter, und als er die prächtigenHäuser sah, als er an den mit blendend weißenMarmorbildern besetzten großen Plätzen vor-über ging, da wurde ihm ordentlich bange zuMuthc. Schüchtern verfolgte er die langenStraßen und er wagte es kaum sich nachirgend einer Seite zu wenden, um etwas zusehen; nur zuweilen, wenn ein Wagen anihm vorüber rasselte, blieb er stehen und sahder stolzen Epuipage und den schönen Pferdenstaunend nach. Endlich kam er an ein großesGebäude, das rings von einem freien Platzeumgeben war. Gesang und Jubel schallte ihmaus allen Fenstern entgegen, und lange sanner nach, was dort wohl für lustige Menschenwohnen möchten. Er blieb stehen und sahnach den Fenstern und hörte auf die Lieder,die darinnen gesungen wurden.
Da gewahrte er an dem weiten Portaledes Gebäudes einen Mann, im bunten, blankenRocke, mit Säbel und Muskete bewaffnet,eine Bärenmütze auf dem Kopfe, der ruhigauf- und niederging. „Aha! — sagte Lucasvor sich hin — da wohnen gewiß die HerrenSoldaten!" — Nun richtete sich seine ganzeAufmerksamkeit auf den glänzenden Mannam Portale
Der, als er sich beobachtet sah, strich seinenlangen, schwarzen Schnurrbart, warf sich indie Brust und ließ seine Muskete so recht inder Sonne spielen, und nach und nach kamer dem Lucas, so weit er durste, näher.
Dem Lucas strahlten die Augen vor innererLust: aber es faßte ihn ein Staunen, alsplötzlich aus dem Portale ein ganzer Haufeebenso blanker, geputzter Männer kam, die sichin langen, schnurgeraden Linien aufdem Platze
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