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[1] (1857)
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aufmerksam dem Gange der Untersuchung, diehöchst summarisch geführt wurde, und daherbald in die Oeffentlichkeit drang, und seineGewifsenssolter erreichte den höchsten Grad,als der Unglückliche dem Hcnkertode überliefertwurde; doch besaß er nickt Seelenstärke genug,sich als den Thäter des Verbrechens anzugcöenund dadurch das Opfer seiner Schuld vomzeitlichen und sich selbst vom ewigen Verderbenzu retten. Seit dem sür ihn so peinigendenEreigniß entsagte er aber seinem ehemaligenverderblichen Handwerk als Wilddieb und be-mühte sich, seinen Unterhalt mit ehrlicherArbeit zu gewinnen. Er lebte vom Tagelohnund fand seine Beschäftigung hauptsächlich inden Waldungen, wo die Schläge abgetriebenund das Holz gefällt wurde.

Zehn Jahre waren unterdessen verstrichen,seitdem Christoph aus der Zahl der Lebendenals ausgestrichen galt, aber immer noch un-entdeckt und ruhig unter den biederen undtreuherzigen Köhlern lebte, die ihn argloö undgastlich ausgenommen hatten. Rübezahl hatteauch redlich Wort gehalten, und die verlasseneFamilie unter allerlei schicklichen undthunlichenVorwänden reichlich unterstützt, daß sie vorMangel und Noth völlig geschützt war. Wohlblickte der arme Christoph oft sehnsuchtsvollhinüber in die Gegend, wo die Seinigeuhausten, von denen er in der langen Zeit keineKunde erhalten hatte, und längst schon warer mit dem trostlosen Gedanken vertraut ge-worden, sie je wieder zu selten, da er bereitsan der Hoffnung verzweifelte, daß seine Un-schuld vor seinem Ableben je an den Tagkommen würde.

Aber des Himmels Erbarmen und ewigeGerechtigkeit sollte dennoch nicht ausbleiben.Der Nachfolger des erschlagenen Jägers zogeines Morgens mit einer Schaar Arbeiterzum Holzfällen in den Wald, unter denen sichauch der Wildschütze von ehemals befand. DerOrt, wo diesmal das Tagwerk begonnenwurde, umfaßte dieselbe Strecke, auf welchervor einem Decenium das Blut des Försterszur Sühne schrie, und zufällig wurde der un-erkannte Mörder an demselben Baume ange-stellt, auf welchem der arme Christoph damalsdurch das Gekrächze der Elster in seinem Frevelgestört worden war.

Der Stamm, am Stumpfe schon ganztief eingehauen, stand dem Umsturz nahe, undes bedurfte nur noch des Anziehens der anden Aesten befestigten Seile, um ihn vollendsumzureißen. Der Mörder stand zur Rechten,ein anderer Arbeiter zur Linken, und als sie

beide thätig waren, den grünen Riesen zurErde niederzuziehen, krachten nach und nachdie Fasern des letzten Halts und mit zuneh-mender Wucht rauschte die gewaltige Kronedurch die Luft. Aber plötzlich veränderte derBaum beim Falle die vermeinte Richtung,neigte sich mehr seitwärts nach rechts und, eheder Mörder Zeit gewann, auszuweichen, lager hingestreckt und stöhnend unter der furcht-baren Last des umgesunkcnen Stammes undreckte die zerquetschten Glieder. Ehe der Nieder-geworsene aber unter den Aesten und Zweigenherausgearbeitet und hervorgezogen werdenkonnte, verging geraume Zeit, und als mandarauf die zerschmetterten Glieder untersuchte,war der kalte Brand hinzugetreten und anErhaltung des Lebens nicht mehr zu denken.

Als man den Bejammernswerthen nachHause gebracht und auf sein Lager gebettethalte, kehrten ihm die verlorenen Sinne nocheinmal zurück, wobei er merkte, daß sein letztesStändlein gekommen und daß es mit ihm aussei. Da fiel ihm denn der doppelte Mord,des Jägers und des armen Christoph, schweraufs Herz, er erkannte des Himmels großeund nie auöbleibende Gerechtigkeit, und nahmsein Elend als einen wohlverdienten Lohn ge-duldig hin. Auf dem Sterbebett beichtete erdenn auch die Ermordung des Försters mitallen Nebcnumständen und beklagte mit reuigerSeele, daß er sich zugleich auch noch den schuld-losen Tod des armen Christoph aus sein Ge-wissen geladen habe.

Mit dem Bekanntwerden dieses Geständ-nisses regte sich das allgemeine Mitleid fürden am Galgen gestorbenen Christoph zwarvon neuem und wohl noch im höberen Gradeals früher, aber todt war einmal todt, undalle Theilnahme konnte mithin nichts mehrfrommen. DaS Einzige übrigens, was zurRettung seiner erlittenen Schmach und zurWiederherstellung seines ehrlichen Andenkensgeschehen konnte, sollte geschehen, und daherseine unter dem Rabenstcin verscharrten Aeber-rcste ausgcgrabcn und an friedlicher Stätteim geweihten Boden bcigcsctzt werden.

Dem Todtengräber folgte die ganze frommeGemeine bis zum Grabe unterm Galgen, aufdeffen eingesunkener Fläche seit den verstrichenenzehn Jahren in jedem Herbste frische Rübenkeimten. Wie groß war aber Aller Erstaunen,als sich in der jetzt geöffneten Grube keineSpur menschlicher Ueberrcste mehr vorsand,denn Niemand konnte sich das Wunder er-klären. Der große Haufen zog sinnend nachHause, doch bald kreisten die verschieden-