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befreien, sei guten Muths deshalb; dochschweige von dem, was du eben sah'st undhörtest."
Nach diesen Worten entfernte sich der un-erklärbare Mann eben so still wie er gekommenwar, und die Thüre schloß sich wieder so laut-los, als bewege sie sich leicht in sanften Fe-dern. Der durch diesen Vorgang überraschteGefangene, zuerst stumm und starr vor Schrecken,konnte sich lange noch nicht über die geheim-nißvolle Erscheinung zurecht finden und trautekaum seinen ohnedies schon halb zerstörtenSinnen; in seinem endlosen Vertrauen aufden Himmel und dessen Allmacht, glaubte erzuletzt aber, daß dieser ein Wunder an ihmgeschehen ließe, und erwartete getröstet undgestärkt die verhängnißvolle letzte Nacht.
Der bärtige Mann loste aber wirklich seinVersprechen und Wort, denn als die Mitter-nacht vorüber war, nach welcher dem armenSünder die liebe Sonne zum letztenmal auf-gchen sollte, erschien er in der Zelle auf die-selbe Weise wie in der ersten Nacht, nur truger diesmal einen Bündel unter dem Arm undeine Blendlaterne in der Rechten, die er öffnete,nachdem er die Kerkerthür leise in den Riegelgeschoben hatte.
„Die Stunde," sprach er, „ist jetzt ge-kommen, daß du fort mußt, denn wenn derHahn zum erstenmal kräht, sollst du weit vonhier sein." Während dieser Rede löste aberder Sonderbare die Fesseln des Geketteten anHänden und Füßen mit leichter Mühe; dannentfaltete er den mitgebrachten Bündel, holtedaraus einen vollständigen Anzug eines Kohlen-brenners hervor und wies seinen Schützlingan, sich damit zu bekleiden. Als dieser daraufdie Vermummung bewerkstelligt hatte, schwärzteihn der Graubart noch Gesicht und Hände,übergab ihm die Blendlaterne und bedeuteteihm zuletzt, den Ort seines seitherigen Jammerszu verlassen.
„Gehe getrost deiner Wege," sprach er,„du wirst kein Hinderniß finden. Jede Thüredes Hauses wird sich dir öffnen, so vu sie mitder Hand berührst, und sich wieder schließen,sobald du sie hinter dir gelassen. Nimm deineRichtung nach Osten, wo die Sonne aufgeht,und wandere bis zu dem großen Gestein, dasdir wohl bekannt sein wird; von dort gelangstdu, wenn du der Strömung des Bergwassersentlang ziehst, an den Haidenfelsen, wie er imMunde des Volkes heißt, und der mit seinemzackigen Gebilde die Grotte überragt, darausdas Gewässer entquillt. An dieser Stellemagst du dann sorglos harren, bis ich komme,
dir dein weiteres Verhalten mitzutheilen. Jetztziehe hin mit gutem Muth!"
Der Todes-Geweihte, seiner Befreiung sonahe, vergaß in der Freude und Aufregungdie ersten Dankesworte gegen seinen Retter,nahm die Laterne zur Hand und entwich ausdem Gefangenhause, indem sich ihm Schlösserund Riegel gleichsam von selbst öffneten. Un-gesehen im nächtlichen Dunkel durchschritt erdie angegebenen Wege und Stege und stand,als die auftauchende Sonne das junge Mor-genroth versandte, an der Grotte des plätt-scherndcn Quells, der sich schäumend über dieStufen des Gebirges ergoß. Da fiel er mitthränenden Augen auf die Kniee, faltete diewieder freien Hände über einander und dankteseinem gerechten Schöpfer voll Inbrunst fürseine wunderbare Errettung aus Noch, Peinund Gefahr.
In derselben Stunde, als der neue Taganbrach, zeigte sich aber in dem Orte, wo derMörder die Strafe der irdischen Gerechtigkeitmit dem Leben büßen sollte, ein niegesehenesRegen und Treiben, denn das neugierige Volkkam in großer Menge aus allen Winden her-beigeströmt, um das seltene Schauspiel einerHinrichtung zu genießen.
Der bärtige Mann, der dem unschuldigenMissethäter die Freiheit gebracht, war an dessenStelle im Kerker zurückgeblieben, hatte dieäußere Gestalt des Entwichenen angenommen,die Fesseln über die eigenen Glieder gelegt,und täuschte so Wächter, Eisenmeister, Richterund überhaupt die ganze Menge, denn Jeder-mann wähnte, nur den wirklich Verdammtenvor sich zu sehen. Allgemein sprach man nurvom armen Christoph, denn es regten sichgar viele Stimmen, die an seine völlige Un-schuld glaubten, und die Andern bedauertenihn wenigstens seines harten Schicksals wegenund beklagten Weib und Kind, die er hülfloSzurücklassen mußte.
Der arme Christoph hatte Tags vorherschon die Trostspendungen der Kirche empfangen,so daß an dem aus dem Leben Scheidendennur noch die letzte Zustutzung zum Galgenübrig blieb, an die jetzt der Henker mit seinenKnechten hinzutrat und die Vorbereitung andem Pseudo-Deliquenten vornahm. 'Manschor ihm das Haupthaar kurz ab, entblößteihm den Nacken, band ihm die Hände miteinem Strick auf dem Rücken fest und führteihn so langsam zum Hochgericht hinaus.
Der Verurtheilte hatte seit diesem Morgenkein Wort mehr gesprochen und das stumpfeBenehmen, welches sich der hingebende Fremde
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